Historisches Gebäude in Aidlingen In der Oberen Mühle ist Großes geplant

Die Bauzäune an der Oberen Mühle künden davon: Hier passiert bald etwas. Foto: Stefanie Schlecht

Die jahrhundertealte Wassermühle in Aidlingen soll in Zukunft als Kunstgalerie genutzt werden. Gepachtet und umgebaut wird sie von einer Stiftung.

Böblingen: Julia Theermann (the)

An der alten Oberen Mühle in Aidlingen tut sich nach längerem Leerstand etwas. Bauzäune umgeben das denkmalgeschützte Gebäude, das mindestens seit dem 15. Jahrhundert und bis Mitte des 20. Jahrhunderts mit Wasserkraft Mehl gemahlen hat. Die Besitzer der Mühle haben nun bestätigt, die Mühle an eine Stiftung mit Sitz in Sachsen-Anhalt verpachtet zu haben. Diese wolle das historische Gebäude an der Ortsdurchfahrt Richtung Deufringen jetzt renovieren.

 

Vor einigen Jahren war die historische Mühle durch Erbschaftsstreitigkeiten in die Schlagzeilen geraten. Diese hatten in einer Zwangsversteigerung gemündet, an der mehrere Familienmitglieder sowie Privatleute und die Gemeinde Aidlingen Interesse gezeigt hatten. Das Areal, auf dem unter anderem die Mühle steht, blieb schließlich in der Familie Oehler, ging jedoch an den Bruder des einst dort beschäftigten Ewald Oehler, Eberhard Oehler.

Neue Nutzung: Kunst statt Korn

Familie Oehler besitzt die Mühle seit 1886, damals noch unter einem anderen Familiennamen. Korn aus Aidlingen sowie aus Gärtringen wurde damals in dem Gebäude gemahlen – Ergebnis eines seit Jahrhunderten bestehenden Mühlenbanns. Heute befindet sich die eigentliche Mühle im Gewerbegebiet, wo Ewald Oehlers Kinder den Betrieb führen.

Jetzt wird die alte Mühle, in der übergangsweise auch der Mühlenladen war, bald einer neuen Nutzung zugeführt. Das sagt Thomas Weckerle, dessen Stiftung das Haus übernommen hat. Er plant dort eine Kunstgalerie und ein Lager für seine große Sammlung.

Stiftung mit Tausenden Kunstwerken

Weckerle arbeitet zwar in Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen, hat seine Wurzeln aber in Aidlingen. Seiner Familie gehöre ein Pferdehof in dem Ort. „Das ist meine Verbindung zu Aidlingen“, sagt er. Der Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Rechtsanwalt habe sich in den vergangenen Jahrzehnten eine ausgedehnte Kunstsammlung aufgebaut und schließlich in die Stiftung eingebracht. Nach 1990 habe er sich speziell auf sogenannte nicht angepasste Kunst aus der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) konzentriert. Zuletzt habe er dann noch eine Grafiksammlung aus Hamburg mit rund 20 000 Kunstwerken aus dem 20. Jahrhundert übernommen.

Auf der Suche nach einer langfristigen Unterbringung für die Sammlung habe Weckerle gesehen, dass die Obere Mühle leer steht. Mit den Besitzern sei er sich schnell einig geworden. Die Stiftung wird das denkmalgeschützte Gebäude in Erbpacht nutzen, und tritt auch als Bauherrin für die Umbauten auf.

Umbau hat begonnen

Die Arbeiten in der Mühle, sagt Weckerle, haben schon vor mehreren Monaten begonnen. „Innen ist schon alles leer geräumt“, sagt er. Auch eine Zwischendecke sei entfernt worden. Da diese erst nachträglich in die Mühle eingebaut worden war, habe es in diesem Punkt keine Probleme mit dem Denkmalamt gegeben.

Durch die fehlende Decke lasse sich inzwischen schon ansatzweise erahnen, wie der Ausstellungsraum später einmal wirken soll. Rund fünf Meter ist er hoch, sodass auch großflächige Kunstwerke und Skulpturen dort Platz finden können. Im Obergeschoss, wo sich einst Wohnräume befanden, soll der Teil der Sammlung untergebracht werden, der gerade nicht ausgestellt wird.

Eröffnungstermin unklar

Weckerle schweben regelmäßig wechselnde Ausstellungen, eventuell auch mit Konzerten zur Vernissage. Aus Aidlingen habe er schon positive Rückmeldungen zu seinem Konzept bekommen, auch aus der Verwaltung. Dort sei auch positiv aufgenommen worden, dass Weckerle mit dem Gedanken spielt, eine mehrere Meter hohe Skulptur aus seiner Sammlung für einen Skulpturenpfad im Heckengäu zur Verfügung zu stellen.

Wann die Eröffnung der Kunstgalerie in der Oberen Mühle gefeiert werden kann, ist noch nicht klar. Die Bauausführung sei wegen der Beseitigung von denkmalrechtlichen Einwendungen ins Stocken gekommen.

Serie Schöner bauen

Auszeichnung
Die Architektenkammer Baden-Württemberg zeichnet seit Jahren Gebäude mit dem Siegel beispielhaftes Bauen aus. Auch im Kreis Böblingen gibt es inzwischen mehrere Häuser, die einen solchen Preis erhalten haben.

Serie
Doch nicht nur preisgekrönte Architektur sticht aus dem Straßenbild hervor. In einer limitierten Serie schaut sich unsere Zeitung in loser Folge Objekte an, die aus dem ein oder anderen Grund Anerkennung verdienen – sei es durch eine Umnutzung nach langem Leerstand, oder durch eine besonders gute Energiebilanz.

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