Hitlergruß in Nürnberg Griechischer Polizeichef in Nazipose

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Der Polizeidirektor der griechischen Insel Hydra, Giorgos Kagalos, lässt sich in Nürnberg mit einem Hitlergruß ablichten – und ist weiterhin im Dienst.

Vor Kurzem  aufgetaucht: das Foto, das den Polizeidirektor   Giorgos Kagalos im Nürnberger Verkehrsmuseum zeigt. Foto: StZ
Vor Kurzem aufgetaucht: das Foto, das den Polizeidirektor Giorgos Kagalos im Nürnberger Verkehrsmuseum zeigt. Foto: StZ

Nürnberg - Der Name Nürnberg hat für viele griechische Neonazis einen guten Klang. Als die Neonazipartei Goldene Morgenröte begann, im Ausland Ortsvereine zu gründen, stand Nürnberg ganz oben auf ihrer Wunschliste. In der fränkischen Metropole kann man nicht nur das ehemalige Reichsparteitagsgelände der NSDAP besichtigen. Auch andernorts in der Stadt stößt man auf etliche Zeugnisse aus dem Dritten Reich. Im Verkehrsmuseum zum Beispiel: dort steht eine weinrote Elektrolok der Baureihe E 19, Baujahr 1938, damals die schnellste Elektrolokomotive der Deutschen Reichsbahn. Das in Nürnberg ausgestellt Exemplar trägt an der Front einen großen goldenen Reichsadler und ein Hakenkreuz.

Die griechische Zeitung „Ethnos“ veröffentlichte jetzt ein ganzseitiges Foto der Lokomotive samt einem schnauzbärtigen Mann, der den rechten Arm zum Hitlergruß emporreckt. Es wurde offenbar bereits am 13. März 2011 aufgenommen – so der automatische Datumsaufdruck. Der Mann ist Grieche. Er heißt Giorgos Kagalos und ist Polizeidirektor auf der Insel Hydra. Wirklich überraschend ist die Nazipose des Polizeichefs nicht, denn Kagalos war schon früher rechtslastig aufgefallen. Am 30. Juni 1999 zum Beispiel, als er während der ­Beisetzung des Juntachefs Giorgos Papadopoulos aus seiner Dienstpistole acht Schüsse in die Luft abgab – als Ehrensalut für den Diktator. Kagalos war damals Polizeichef auf der Schickeriainsel Mykonos. Ein Disziplinarverfahren verlief im Sande. Wegen des Hitlergrußes in Nürnberg ermittelt jetzt die griechische Staatsanwaltschaft. Außerdem läuft eine polizeiinterne Untersuchung. Kagalos tut derweil weiter Dienst.

Die Nähe der Neonazi-Szene zum Polizeiapparat

Sein Fall wirft ein Schlaglicht auf die Verbindungen zwischen der griechischen Neonaziszene und dem Polizeiapparat. Es gilt als offenes Geheimnis, dass die Goldene Morgenröte in der Polizei viele Anhänger hat. Bei der Parlamentswahl vom Juni 2012 erzielte die Partei knapp sieben Prozent der Stimmen. In den gesonderten Wahllokalen, die es in Griechenland für Polizisten gibt, erzielte die Goldene Morgenröte aber durchweg Stimmenanteile von weit über zehn Prozent. Obwohl fast die gesamte Parteiführung seit einem Jahr wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung in Untersuchungshaft sitzt, wurde die Goldene Morgenröte bei der Europawahl mit 9,4 Prozent drittstärkste Partei.

Auch zur konservativen Regierungspartei Nea Dimokratia scheinen die Neonazis Verbindungen zu unterhalten: Panagiotis Baltakos, ein langjähriger enger Vertrauter von Ministerpräsident Antonis Samaras, musste im Frühjahr von seinem Amt als Kabinettssekretär zurücktreten, nachdem sich herausstellte, dass er enge Kontakte zu führenden Politikern der Goldenen Morgenröte unterhielt.

Ob der Polizeichef von Hydra für seinen Hitlergruß überhaupt belangt werden kann, bleibt unterdessen ungewiss, denn bis jetzt gibt es gegen solche Nazihuldigungen in Griechenland keine rechtliche Handhabe. Erst das kürzlich verabschiedete Antirassismus-Gesetz stellt das Leugnen des Holocaust und die Verherrlichung des Nationalsozialismus unter Strafe.