Hitparaden-Legende Dieter Thomas Hecks makabrer PR-Gag

Von Antje Hildebrand 

Um Memoiren zu vermarkten, überschreiten Prominente nicht selten die Grenzen des guten Geschmacks. Auch der Moderator Dieter Thomas Heck.

Der Showmaster Dieter Thomas Heck zu Gast auf dem Blauen Sofa des ZDF auf der Buchmesse in Frankfurt am Main. Foto: dpa 3 Bilder
Der Showmaster Dieter Thomas Heck zu Gast auf dem Blauen Sofa des ZDF auf der Buchmesse in Frankfurt am Main. Foto: dpa

Frankfurt - Es gibt Dinge, die eignen sich nicht als PR-Gag. Mord und Totschlag gehören eindeutig dazu, auch wenn beide nur beinahe vollzogen wurden - oder in Gedanken. So gesehen konnte sich eine große Boulevardzeitung der öffentlichen Aufmerksamkeit sicher sein, als sie am vergangenen Wochenende titelte: "Er wollte seine Exfrau erwürgen. Dieter Thomas Heck: Meine Lebensbeichte!"

Die Meldung verbreitete sich mit atemberaubender Geschwindigkeit in allen Medien - in der Regel ohne Kommentar oder eine kritische Einordnung. Gegendarstellungen brauchte keiner zu fürchten. Im Gegenteil: auf der Buchmesse in Frankfurt stellte der Moderator gerade seine Autobiografie vor. Ihren Höhe- beziehungsweise Tiefpunkt hatte die "Bild"-Zeitung auszugsweise zitiert. Es war Hecks Geständnis, er hätte 1971 bei einem heftigen Streit beinahe seine erste Ehefrau in einem Hotelzimmer erwürgt, angeblich aus Angst davor, die anderen Gäste könnten ihre Schreie hören.

So jedenfalls steht es in seinem Buch. "Ich sehe noch heute, wie meine Finger sich um Eddas Hals legten. Alles lief wie in Zeitlupe ab. Wenn du zudrückst, ist sie still, sagte etwas in mir. Es war für einen Moment ein verführerischer Gedanke." Wenn es nicht so geschmacklos wäre, könnte man von einem mörderischen PR-Gag sprechen.

Dieter Thomas Heck weinte

Dieter Thomas Heck kann es einfach nicht lassen. Vier Jahre ist es her, dass ihn das ZDF an seinem 70. Geburtstag mit einer pompösen TV-Gala in den Ruhestand geschickt hat. Es war ein bewegender Abschied - besonders für den Mann, der dem deutschen Schlager in den siebziger Jahren zu unverhoffter Blüte verholfen hat. Mr. Hitparade, so hat man ihn genannt.

Zum ersten Mal erlebte ihn das Publikum von einer völlig neuen Seite. Dieter Thomas Heck weinte. Neben ihm stand seine Frau "Hildchen", gezeichnet von den Folgen einer Krebserkrankung. Doch seine Tränen galten nicht nur ihr. Heck, der nimmermüde Workaholic, weinte auch um sich. Es galt als offenes Geheimnis, dass er nicht freiwillig ging. Die Mainzelmänner hatten ihn in den siebziger Jahren ins Licht der Öffentlichkeit katapultiert. Als Moderator der ZDF-Hitparade wurde er zur Legende. Doch das war lange her.

Der deutsche Schlager, er war schon längst durchs Klofenster gesprungen, wie eine Zeitung nach dem tödlichen Fenstersturz des Sängers Rex Gildo süffisant bemerkt hatte. Versuche, mit Melodien Millionen zu erreichen, lockten immer weniger Zuschauer vor den Bildschirm. Ende 2007 drehte ihm das ZDF den Strom ab. Schluss. Aus. Vorbei.