Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe „Warnsignal“: Sindelfingen und Böblingen stark versiegelt

Böblingen und Sindelfingen zählen laut DUH zu den Städten mit dem höchsten Versiegelungsgrad in Baden-Württemberg. Foto: Stefanie Schlecht/Archiv

Beim Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe (DUH) fällt in Böblingen und Sindelfingen vor allem der hohe Versiegelungsgrad negativ auf. Punkten können die Städte dagegen mit ihrem hohen Grünanteil. Die DUH spricht trotzdem von einem „Warnsignal“.

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Böblingen und Sindelfingen zählen zu den Städten mit dem höchsten Versiegelungsgrad in Baden-Württemberg. Das ist das Ergebnis des Hitze-Checks der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Der Wert liegt demzufolge mit 56,89 Prozent in Sindelfingen und 55,55 Prozent in Böblingen deutlich über dem bundesweiten Schnitt von 45 Prozent. Sindelfingen erreicht im Check sogar den höchsten Wert der untersuchten baden-württembergischen Städte.

 

Das Problem: hochgradig versiegelte Städte heizen sich im Sommer besonders stark auf. Asphalt und Beton speichern die Hitze und können so lokal die Temperaturen nach oben treiben – laut Deutschem Wetterdienst kann es in Städten auch deshalb bis zu zehn Grad heißer als im Umland sein. Die DUH spricht deshalb mit Blick auf Sindelfingen und Böblingen von einem „Warnsignal“ und einer potenziell hohen Hitzebelastung.

Hoher Grünanteil sorgt für bessere Platzierung

Für ihren Hitze-Check hat die DUH den Versiegelungsgrad sowie den Grünanteil von deutschlandweit 190 Städten mit mehr als 50 000 Einwohnern untersucht. Dass Böblingen und Sindelfingen dabei innerhalb Baden-Württembergs nicht auf einem der hintersten Plätze landen, verdanken beide Städte ihrem überdurchschnittlich hohen Grünanteil. Der Böblinger Wert wird hierzulande nur noch von Baden-Baden und Pforzheim getoppt. Für die Bestimmung des Grünanteils hat die DUH das sogenannte Grünvolumen bewertet, zu dem beispielsweise Bäume oder Blühstreifen zählen.

In der Gesamtbewertung landen beide Städte so im Mittelfeld – bei der DUH dargestellt als gelbe Ampel. „Eine gelbe Karte ist für uns kein gutes Ergebnis und sollte vielmehr als Warnsignal verstanden werden“, macht ein Sprecher der DUH deutlich. Vor allem das „schlechte Ergebnis“ bei der Versiegelung der beiden Städte sollte aufhorchen lassen. Der Sprecher weist außerdem darauf hin, dass im Hitze-Check Durchschnittswerte dargestellt seien und es Quartiere geben könne, die von einem hohen Grünanteil kaum profitierten. Hinzu komme: Zugepflasterter Boden führe bei starkem Regen schneller zu Überschwemmungen, weil das Wasser nicht versickern könne.

Was die Städte dazu sagen

Mit den Ergebnissen konfrontiert, reagieren beide Städte wenig überrascht. „Sindelfingen bezeichnet sich als Industriestadt im Grünen, dies bestätigt auch die Einstufung in der Studie der DUH“, heißt es von dort. Eine Sprecherin erklärt, Sindelfingen könne gegen den hohen Versiegelungsgrad „nur bedingt oder mittelfristig“ etwas tun. Man lege aber einen Schwerpunkt auf Innenentwicklung, um das unverbaute Umland zu schonen. In neuen Bebauungsplänen setze die Stadt beispielsweise auf Dachbegrünungen, Fassadenbegrünungen oder Grünflächen und bemühe sich um Begrünung in der Innenstadt. „Oft verbleibt jedoch im bebauten Raum mit vielen Leitungstrassen oder Tiefgaragen im Untergrund nur wenig Platz für größere Begrünungen.“

Böblingen wiederum präsentiert sich engagiert. Stadtsprecher Peter Lausch betont: „Seit zwanzig Jahren hat Böblingen keine Neubaugebiete mehr auf unbebauten Flächen ausgewiesen.“ Bei Projekten und Umgestaltungen achte die Stadt auf klimaangepasste Gestaltung, einschließlich eines effektiven Regenwassermanagements. Sie habe unter anderem Straßen in der Innenstadt begrünt, die Herrenberger Straße, den Elbenplatz sowie die Wolfgang-Brumme-Allee zurückgebaut, und plane dies mit weiteren Straßen wie der Stadtgrabenstraße zu tun.

Böblingen stellt Klimaanpassungsmanager ein

Als Beispiel nennt Lausch zwei Projekte: das Flugfeld und die Unterstadt. Das Flugfeld mit See und Grünanlage – allerdings mit wenigen Bäumen – trage dazu bei, den Siedlungsdruck aufzunehmen. In der Unterstadt hätten Neubauten wie das City Carré, Pulse oder das See Carré Brachen oder geringgenutzte Flächen abgelöst. Allerdings wirke der Bereich zwischen Elbenplatz und Bahnhof stellenweise sehr zugebaut, auch wenn Lausch auf begrünte Dächer und begrünte Blockinnenbereiche verweist. Böblingen setze in Zukunft außerdem auf einen Klimaanpassungsmanager, der die Stadt für die Auswirkungen des Klimawandels rüsten soll. Im Herbst soll er die Arbeit aufnehmen.

Die Deutsche Umwelthilfe und die Auswertung

DUH
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH)  ist ein eingetragener, gemeinnütziger Verein mit Sitz etwa  in Radolfzell. Sie tritt als Lobby für Klima- und Umweltschutzbelange auf und macht sich laut eigener Beschreibung für Natur-, Umwelt- und Verbraucherrechte stark.

Bewertung
Der Versiegelung von 56,89 Prozent stehen in Sindelfingen 4,30 Kubikmeter Grün pro Quadratmeter gegenüber, in Böblingen sind es 5,20 Kubikmeter Grün bei einer Versiegelung von 55,55 Prozent. Am besten schneiden in Baden-Württemberg Baden-Baden und Tübingen ab, am schlechtesten Heilbronn und Ludwigsburg.

Weitere Infos
Infos zur Methodik und zu den Ergebnissen der anderen Städte gibt es unter www.duh.de unter dem Reiter „Energie &Klima“, „Kommunaler Klimaschutz“ und schließlich „Weniger Grau, mehr Grün“.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Böblingen Sindelfingen Klimawandel