Hitze-Check der DUH Zu heiß: Böblingen bekommt die rote Karte

Wenn die Sonne im Sommer vom Himmel strahlt, kann es in Böblingen schnell zu heiß werden. Foto: Markus Scholz/dpa

Die Deutsche Umwelthilfe untersucht, wie stark Kommunen von Hitze belastet sind. Böblingen fällt durch und landet in Baden-Württemberg sogar unter den zehn heißesten Städten.

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Ein aktueller Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zeigt: In Böblingen wird es im Sommer zu heiß. Die DUH hat untersucht, wie stark die Menschen in Städten mit mehr als 50000 Einwohnern von extremer Hitze betroffen sind. Von bundesweit 190 Städten erhalten 31 eine rote Karte unter ihnen Böblingen.

 

Den schlechtesten, ersten Platz belegt Mannheim. Böblingen folgt deutschlandweit auf Platz 21 und landet mit einem achten Platz sogar unter den Top Ten der heißesten Städte in Baden-Württemberg.

Neue Methode lässt Böblingen abrutschen

Bei einem ähnlichen Check im vergangenen Jahr hatte sich Böblingen, zusammen mit Sindelfingen, noch im Mittelfeld befunden und eine gelbe Karte erhalten. Beide Städte wiesen laut DUH einen zu hohen Versiegelungsgrad auf, konnten aber mit ihrem Grünanteil punkten.

Warum das Urteil bei Böblingen jetzt anders ausfällt? Bei ihrem aktuellen Check nimmt die DUH zwei weitere Größen hinzu: die durchschnittliche Oberflächentemperatur in den Sommermonaten, ermittelt aus Satellitendaten, und die Verteilung der Bevölkerung innerhalb einer Stadt. Beides wurde Böblingen zum Verhängnis. 

Während Sindelfingen bei der Temperatur gerade so unter 35 Grad bleibt, überschreitet Böblingen mit 35,34 Grad diese Marke knapp. Außerdem sind die Einwohner dort offenbar so verteilt, dass mehr von ihnen von großer Hitze betroffen sind als in Sindelfingen – obwohl Sindelfingen einen leicht höheren Versiegelungsgrad aufweist als Böblingen.

Was Kommunen tun können

Die DUH bezeichnet ihre Ergebnisse als „Alarmsignal“. Denn extreme Hitze kann der Gesundheit schaden. Vor allem Ältere, Kranke, Säuglinge oder Schwangere gelten als vulnerable Gruppen. Die DUH geht davon aus, dass in Deutschland im Jahr rund 3000 Menschen an den Folgen von Hitze sterben. Daten des Deutschen Wetterdienstes zeigen zudem, dass heiße Tage mit mehr als 30 Grad in den vergangenen Jahren zugenommen haben. Die Belastung also tendenziell steigt.

Kommunen reagieren darauf, indem sie beispielsweise Hitzeaktionspläne aufstellen. Darin verzeichnen sie Maßnahmen, die die Hitzebelastung senken sollen – kühle Räume, die öffentlich zugänglich sind, Trinkbrunnen oder mehr Grün. In Böblingen fehlt jedoch das Geld, um einen solchen Plan aufzustellen. Mit dieser Begründung hatte die Stadtverwaltung im vergangenen Jahr einen entsprechenden Antrag der Grünen-Fraktion im Gemeinderat abgelehnt.

Landkreis erstellt Hitzeaktionsplan

Trotzdem ist es nicht so, dass Stadtverwaltung und Gemeinderat das Thema Hitze ignorieren. So setzten sie sich beim Umbau der Calwer Straße vor der neuen Flugfeldklinik beispielsweise dafür ein, trotz höherer Kosten, alte Bäume, die kühlen und Schatten spenden, zu erhalten. Im Oktober 2024 stellte die Stadt Christian Dix als Klimaanpassungsmanager ein, der Böblingen gegen die Auswirkungen der menschengemachten Klimaerwärmung und wappnen soll.

Ob die Maßnahmen ausreichen?

Hinzu kommt: Anfang Mai dieses Jahres hat der Landkreis Böblingen angekündigt, einen Hitzeaktionsplan für den gesamten Kreis zu erarbeiten. Davon wird sicherlich auch die Stadt Böblingen profitieren.

Ob all das reicht und ob die Stadt – vor allem angesichts der neuen Ergebnisse des Hitze-Checks – mehr Handlungsbedarf sieht, bleibt abzuwarten. Aufgrund der Ferienzeit war von der Stadt Böblingen keine zeitnahe Reaktion zu bekommen.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Hitze Böblingen Sommer Temperatur