Blick in die Böblinger Innenstadt
Die Luft steht, die Cafés sind nur spärlich besucht. Über die Wasserspiele in der Bahnhofstraße hüpfen vereinzelt Kinder. Hier und da essen Passanten ihr Eis, jeder flüchtet sich wenn möglich in den Schatten. An den Seen am Elbenplatz sitzen die Menschen – wenn überhaupt – ausschließlich im Schatten.
Zumindest fast: Natalie und Noelle Stantzl haben sich am Unteren See in der prallen Sonne niedergelassen. „Wir kommen gerade aus dem Spanien-Urlaub“, erzählen die Zwillinge. Da sei die Sonne für sie nichts Neues – obwohl das Wetter beim Surfen in Nordspanien angenehmer gewesen sei als in Böblingen. Eigentlich könne man bei diesen Temperaturen nur morgens und abends raus, die restliche Zeit müsste man sich quasi zuhause verstecken. Eine Siesta, sozusagen. „Wie in Spanien“, sagt Natalie Stantzl.
Die Flucht in den Urlaub ist nicht nur für die beiden eine Option, mit der Hitze umzugehen. Auch Milot Krasniqi fährt bald weg, nach Kroatien. Er sitzt mit Emily Havlik ebenfalls am See, ein paar Meter weiter, aber im Schatten. „Hier kann man diese heißen Tage sonst nur im Freibad verbringen“, findet Milot Krasniqi. „Oder beim Eis essen“, ergänzt Emily Havlik. Am See im Schatten lässt es sich allerdings auch aushalten.
Blick in die Arbeitsstätten im Kreis
Bei der Hitze kann das Arbeiten zur Qual werden. Unternehmen im Kreis Böblingen gehen mit der Hitze unterschiedlich um. „Bei uns bekommt jeder Mitarbeiter ein Eis“, sagt beispielsweise Miriam Höhn von der Kreissparkasse Böblingen. Ansonsten sorgen Klimaanlage und Wasserspender dafür, dass sich die Gebäude nicht allzu sehr aufheizen. Schließlich wolle man für ein angenehmes Klima für Mitarbeiter und Kunden sorgen. Je nach Filiale funktioniere das automatisch oder manuell, so Miriam Höhn.
Laut der Stadt Böblingen dürfen ihre Mitarbeiter bei Temperaturen von über 35 Grad im Büro früher gehen – wenn der Chef dies erlaubt und sonstige Maßnahmen nicht mehr helfen. Für Bedienstete, die draußen arbeiten – etwa bei der Stadtgärtnerei oder den Technischen Betriebsdiensten – stellt die Stadt Sonnencreme und Wasser. Sofern möglich, sollen die Kollegen einen Sonnenschirm einpacken oder dort arbeiten, wo auch ein Schattenplatz in der Nähe ist.
Bei Mercedes Benz in Sindelfingen sieht man die Hitze bisher locker. „Noch haben wir keine Veranlassung gesehen, etwas zu verändern“, erzählt die Pressesprecherin Birgit Zaiser. Wenn sich die hohen Temperaturen über einen längeren Zeitraum hinweg halten, wie etwa im letzten Jahr, werden allerdings Maßnahmen getroffen. Die seien dann eng an die Empfehlungen der Gesundheitsämter geknüpft.
Blick in die Infrastruktur
Auch die städtische Infrastruktur ächzt unter der Hitzelast. Einen hitzesensiblen Bereich gebe es: Die Brücke, die die Calwer Straße in der Böblinger Stadtmitte über die Bahnstrecke führt. „Als Stahlbrücke heizt sie sich bei hohen Temperaturen besonders stark auf“, erklärt die Stadt Böblingen. Um zu vermeiden, dass deshalb vermehrt Rillen und Spurrinnen im Asphalt entstehen, besprenge die Stadt die Straße an heißen Tagen mit Wasser. Damit auch die Pflanzen und Bäume in der Stadt die Hitze überleben, hat die Stadt ab nächster Woche eine dritte Firma mit dem Gießdienst beauftragt.
„Durch diese werden zweimal pro Woche jeweils etwa 8000 bis 10 000 Liter zusätzlich gegossen“, so die Stadt. Allerdings gelte dies nicht für alle Pflanzen: Die Staudenflächen, die als Dauerbepflanzung etwa an Parkbuchten dienen, können bei der Hitze nicht mehr gewässert werden. Hier müsse die Stadt Abstriche machen und andere Flächen priorisieren.
Zu dem Trinkbrunnen am Elbenplatz, der vor gut zwei Jahren aufgestellt wurde und dieser Tage ebenfalls für Abkühlung sorgen dürfte, will der Gemeinderat nach der Sommerpause Bilanz ziehen. „Nach unserer Kenntnis wird er von der Bevölkerung angenommen“, sagt der Pressesprecher Fabian Strauch. Allerdings sollten Bürger das Wasser zurzeit etwas länger laufen lassen – wenn sie es nicht warm trinken möchten. In den Leitungen wird auch das Wasser warm.
Blick in die Schulen
Auch in den Böblinger Schulen ist die Hitze ein großes Thema. „Wir versuchen, die Räume so gut es geht herunterzukühlen“, sagt Alexander Groß, der geschäftsführende Schulleiter für alle Schulen in Böblingen außer den Gymnasien. Das bedeutet zum Beispiel: Morgens lüften und die Räume so auskühlen. Sobald er feststelle, dass die Temperatur in den Klassenräumen nicht mehr zumutbar ist, gebe er für seine Eichendorffschule hitzefrei. Die Entscheidung darüber, ob die Schüler hitzefrei bekommen, liegt bei den Schulleitern. Groß hat, wie er sagt, in diesem Jahr bereits zweimal hitzefrei gegeben.
Eine Betreuung muss er für viele Kinder trotzdem garantieren. Die wird dann oft spontan gestaltet – ohne allzu viel Bewegung und falls draußen, dann im Schatten. Dass die Hitze in den nächsten Jahren ein immer größeres Thema wird, daran hat Alexander Groß keine Zweifel – und sieht dabei auch Politik und Schulträger in der Pflicht, sich Konzepte zu überlegen und Gebäude entsprechend instand zu halten.