Ab einer Außentemperatur von 35 Grad spricht man von Wüstentagen. Ihre Anzahl steigt in Stuttgart. Am 2. Juli könnte sogar ein neuer Rekord gemessen werden.
Gut möglich, dass der 2. Juli 2025 in Stuttgart einen Rekord aufstellen wird. Laut Wettervorhersage von beispielsweise Sven Plöger könnten im Talkessel bis zu 40 Grad erreicht werden. Der bisher heißeste Tag in der Stuttgarter City war der 5. Juli 2015 mit 39,5 Grad. Nun zeichnet sich also fast auf den Tag genau zehn Jahre später ein Wüstentag derselben Kategorie ab.
„Wüstentag“ ist ein Begriff, um in neuerer Zeit besonders heiße Temperaturen zu beschreiben. Sie sind eine Untermenge der sogenannten heißen Tage (ab 30 Grad). Doch weil es inzwischen deutliche Verschiebungen gibt, werden Tage ab 35 Grad – also Wüstentage – teils gesondert ausgewertet.
Mehr Wüstentage in Stuttgart
Für Stuttgart gilt: Die Zahl dieser Wüstentage steigt. Von 2015 bis 2024 wurden an der Messstation an der Hauptstätter Straße im Mittel vier solcher Tage pro Jahr registriert. In den vergangenen drei Sommern waren es im Mittelwert fünf Wüstentage.
Allein dieses Jahr gab es in Stuttgart schon drei: am 30. Juni (35 Grad), am 22. Juni (35,7 Grad) und am 14. Juni (35,2 Grad). In diesem Jahr sind in der City zudem 13 heiße Tage gemessen worden, zwei davon im Mai, der Rest im Juni. Die Tendenz ist eindeutig, wenn man Rainer Kapp fragt. „Was auch auffällig ist: Es ist ungewöhnlich früh im Jahr heiß“, sagt er. Normalerweise traten in den vergangenen Jahrzehnten bis Anfang Juli im Schnitt sechs heiße Tage in Stuttgart auf.
Kapp ist der Stuttgarter Stadtklimatologe. Den Begriff Wüstentag verwenden sie in der Kommunikation nach außen seit drei, vier Jahren, obschon er unter Meteorologen schon länger geläufig sei. „Irgendwann wird es einige Tage geben, an denen es über 40 Grad heiß ist“, sagt Kapp. „Dann werden wir einen neuen Superlativ suchen.“ Neben den Wüstentagen gibt es die Tropennächte als Folge des Klimawandels. Nächte, in denen das Thermometer nicht unter 20 Grad fällt. In Stuttgart waren das in den vergangenen drei Sommern im Schnitt elf pro Jahr. Besonders hervor sticht erneut das Jahr 2015 mit 22 Tropennächten in Stuttgart. Anders als tags fehlten nachts die Ausweichmöglichkeiten, sagt Kapp. Daher werden die Hitzenächte die Stuttgarter seiner Einschätzung nach in näherer Zukunft stärker beschäftigen als die Wüstentage.
Risiko für Schlaganfall steigt
„Die Kombination von heißen Tagen und Tropennächten ist relevant“, sagt Jonas Gerke von der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit. Tags komme der Körper an seine Belastungsgrenzen, und nachts könne er sich nicht erholen. Das Risiko für Schlaganfälle, Infarkte, Nierenschäden sowie Magen- und Darmentzündungen steigt dann. „Die Anpassungsfähigkeit des menschlichen Körpers ist begrenzt“, sagt Gerke.
Übrigens: Damit die menschliche Gesundheit Schaden nimmt, brauche es keine Tage ab 35 Grad, sagt Gerke. In Deutschland liege die Sterblichkeitsschwelle „unter 30 Grad“, wie der Experte sagt.
Die Folgen der Erderwärmung sind spür- und messbar. Das Jahr 2024 war weltweit das heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Es wurde auch erstmals die 1,5-Grad-Marke überschritten (Veränderung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter). In Deutschland wurden im vergangenen Jahr insgesamt 12,5 heiße Tage gemessen; in Stuttgart waren es 29. Die heißen Tage und Wüstentage sind regional unterschiedlich ausgeprägt. Neben Orten im Südwesten sind besonders die östlichen Bundesländer davon betroffen.
Für Stuttgart gibt es eine Karte, die zeigt, wo sich die Stadt besonders stark aufheizt. Rot gefärbt sind Oberflächen, die am heißesten werden.
Die thermischen Bilder, die der Karte zugrunde liegen, wurden von einem Flugzeug aus im August 2023 mit Spezialkameras angefertigt. Wenig überraschend sind die Flecken in der Innenstadt dunkelrot. Die Temperaturunterschiede zwischen City und Sillenbuch können laut der Stadt bis zu zehn Grad betragen.