Hitzefrei auf den Fildern Lernen, bis der Eiswagen kommt

Von Thomas Krämer 

Die große Hitze im nun zu Ende gehenden Sommer hat auch den Schülern zu schaffen gemacht. Die Schulen haben flexibel reagiert. Eine Klimaanlage wird den Waldenbucher Schülern jedoch verwehrt, in Vaihingen wäre man schon mit besseren Fenstern und funktionierenden Jalousien zufrieden.

Glück für die Schüler: Einige Schulleitungen geben ihnen an besonders heißen Tagen hitzefrei. Foto: Thomas Krämer/Thomas Krämer
Glück für die Schüler: Einige Schulleitungen geben ihnen an besonders heißen Tagen hitzefrei. Foto: Thomas Krämer/Thomas Krämer

Filder - Bei schwierigen Matheaufgaben oder dem Bimsen von Vokabeln rauchen im Unterricht schon einmal die Köpfe. Doch bisweilen sind daran nicht nur schwierige Aufgaben Schuld. Da genügen Temperaturen wie in den beiden vergangenen Sommern. Die Waldenbucher Freien Wähler hatten daher für den Haushalt 2019 gefordert, „Maßnahmen gegen die Überhitzung in den Klassenräumen zu treffen“. Immerhin waren an der Oskar-Schwenk-Schule während der Hitzeperiode Ende Juni in einem Gebäudetrakt in den Klassenzimmern morgens Temperaturen bis zu 29 Grad Celsius (bei Außentemperaturen von maximal 22 Grad) gemessen worden, nachmittags sogar bis zu 31 Grad.

Die Stadtverwaltung sowie die Mehrheit der Stadträte wies in der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschuss dieses Ansinnen jedoch zurück. Deutlich mehr als eine halbe Million Euro würde eine Lüftungsanlage mit Klimatisierung nach groben Berechnungen der Stadtverwaltung kosten. „Dazu kommen Wartung und Betriebskosten von rund 11 600 Euro jährlich“, so Wolfgang Kloker vom Hochbauamt der Kommune Waldenbuch. Immerhin sollen nun auf Antrag von Jose Lupion Montanile (Freie Wählervereinigung) 20 000 Euro für eine Lüftungsanlage in den Haushalt eingestellt werden.

Die Fenster und Jalousien sind veraltet

Heiß geht es jedoch nicht nur in den Waldenbucher Klassenzimmern zu. Guntram Haag, der Leiter des Fanny-Leicht-Gymnasisums in Stuttgart-Vaihingen, gab in diesem Sommer einige Male hitzefrei, weil die Temperaturen in einigen Klassenzimmern unerträglich wurden, wie der Rektor sagt. „Ich habe dabei meine eigene Empfindung als auch die Erfahrungen der Kollegen zum Maßstab gemacht“, sagt Haag. Verantwortlich für die dicke Luft in den Klassenzimmern macht er den Zustand des Gebäudes. „Die Fenster sind nur einfach verglast und einige Jalousien funktionieren nicht“, beklagt der Schulleiter.

Ähnlich hat Susanne Schneider-Frey reagiert. „Wegen der Hitze gab es nachmittags ein paar Mal hitzefrei“, sagt die Leiterin des Immanuel-Kant-Gymnasiums in Leinfelden. Immerhin gibt es an der Schule eine Lüftungsanlage, die die kühlere Luft nachts in die Klassenräume bläst. „Dadurch ist es auch bei großer Hitze bis 10 Uhr erträglich“, sagt sie. Den Sportunterricht am Nachmittag habe man so ausgerichtet, dass keine schweißtreibenden Aktivitäten gefordert wurden. Damit begegnete sie auch den Mails besorgter Eltern.

Motivation und Konzentration lassen nach

Die Pädagogen haben – wenig verwunderlich – festgestellt, dass mit steigenden Temperaturen die Konzentrationsfähigkeit nachlässt. Auch die Leistungsbereitschaft und Motivation würden sinken, sagen sie unisono. Das sei besonders kritisch in der Zeit vor den Ferien, „wenn es für die Schüler um die Wurst geht“, wie Haag sagt.

An der Waldorfschule auf der Gutenhalde in Bonlanden hat der Einbau von neuen Jalousien an den von der Sonne besonders betroffenen Klassenzimmern geholfen. „Wir haben den Einbau von Ventilatoren überlegt, aber aus finanziellen Gründen zumindest vorerst geschoben“, sagt der Fachlehrer Ulrich Seifert.

Er selbst sei wie andere Lehrer auch einige Male nach draußen gegangen, wo die Schüler in Kleingruppen ihre Übungsaufgaben lösen konnten. Das habe gut funktioniert, ergänzt er. Nur in einem Fall kam es zu einem kurzzeitigen Unterrichtsausfall: Als der Eiswagen vor der Schule Aufstellung nahm.