Hitzelspergers Coming-out Wider die Machowelt

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Mit dem Coming-out des früheren Fußball-Nationalspielers Thomas Hitzlsperger sind viele Hoffnungen verbunden. Weltweit wird der 31-Jährige gewürdigt. Doch nicht nur im Profisport gilt Schwulsein noch immer als Makel.

Stuttgart - Gareth Thomas wollte sterben. Er hatte genug davon, er selbst zu sein. Der, den er Tag für Tag im Spiegel sah – er hasste diesen Menschen. „Ich hasste es, Gareth Thomas zu sein.“ Dann entschied er sich zu seinem Coming-out. Gareth Thomas ist schwul. 2009 ging der damals noch aktive Rugbyspieler an die Öffentlichkeit. Es war seine Befreiung, sagt er.

Der Sportstar machte damit weltweit Schlagzeilen und wurde ein Vorbild und eine Inspiration. Seine Geschichte zeigt, wie schwer es sein kann, sich selbst zu akzeptieren in einer Welt, die ihm, wie er sagte, suggeriert, dass Liebe unter Männern nicht normal sei. Und wie schwer es für einen Schwulen ist, öffentlich zu seiner Sexualität zu stehen. Seine Geschichte ist auch deshalb wichtig, wenn es um das Tabuthema Homosexualität geht, weil sie mit noch immer gängigen Stereotypen aufräumt.

Schwul im Testosteron-Universum

Der 39-Jährige, 1,91 Meter groß und 103 Kilogramm schwer, galt als einer der härtesten Athleten in einer Zunft, die zum Härtesten gehört, was der Sport zu bieten hat. Rugby ist maskulin. Pures Testosteron. Machismo. „Es ist die härteste, machohafteste aller Sportarten“, sagt Gareth Thomas.

Der Brite ist im fußballfixierten Deutschland kaum bekannt – im Universums des Rugbys, das global betrachtet riesig ist und von Großbritannien, Frankreich und Italien über Ozeanien sowie das südliche Afrika bis nach Südamerika reicht, ist er eine ­Legende. Er war Kapitän der walisischen Nationalmannschaft, außerdem Sportler des Jahres in seinem Land und Anführer der Auswahlmannschaft Großbritanniens und Irlands, der British Lions. Seit seinem Coming-out gilt er als einflussreichster schwuler Sportler.

„Ich wollte sie unterstützen“

Thomas Hitzlsperger kennt die Geschichte von Gareth Thomas. Er sagt, dass ihn dessen Mut wie auch der des britischen Turmspringers und nationalen Stars Tom Daley, der sein Coming-out im Dezember hatte, inspiriert habe. „Ich wollte sie unterstützen, wie sie mich unterstützt haben“, so der ehemalige Fußball-Nationalspieler. Gegenüber dem „Guardian“ sagte der frühere VfB-Kapitän, dass er bereits in seiner Zeit beim VfL Wolfsburg 2011/2012 an ein Coming-out gedacht habe. Ihm sei aber abgeraten worden. „Sie sagten alle, tu es nicht, eine große Welle wird über dir zusammenbrechen“, sagte Hitzlsperger: „Ich kann mir nicht vorstellen, Fußball zu spielen und das zur selben Zeit zu machen. Wir haben noch einen langen Weg vor uns, weil wir eine Reaktion fürchten und nicht wissen, was passieren wird. Schwule Fußballer sind unsichtbar.“