Hitzewelle in Stuttgart So reagieren Stuttgarter Schulen

Von Julika Wolf 

Die nächsten Tage werden unter Umständen die heißesten, die es im Juni je gab. Bei knapp 40 Grad wird auch der Unterricht zäh. Wir haben nachgefragt, wie Stuttgarter Schulen mit der Hitzewelle umgehen.

Die Schulen entscheiden selbst, wie sie Hitzetage gestalten. Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Die Schulen entscheiden selbst, wie sie Hitzetage gestalten. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Stuttgart - Wenn das Thermometer knapp unter 40 Grad anzeigt, haben viele Schüler keinen Nerv mehr, sich auf Mathe, Englisch und Co. zu konzentrieren. So mancher Lehrer verlegt seinen Unterricht unter solchen Umständen nach draußen, andere schließen Fenster und Jalousien und hoffen auf das Beste. Auch in Stuttgart lassen die Schulen sich Maßnahmen einfallen, um ihren Schützlingen das Lernen in der Hitze erträglicher zu machen.

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„Hitzefrei“ gibt es in der Grund- und Werkrealschule Gablenberg nicht, sagt eine Sprecherin der Bildungseinrichtung. Ventilatoren sollen für ein angenehmeres Klima sorgen, ansonsten seien kühlere Räume im untersten Stockwerk eine Option. Häufig liege es bei den Lehrern, individuelle Lösungen zu finden. So gibt’s bei manchen auch mal ein Eis zur Abkühlung. Dass der Ausflugstag ins Freibad ausgerechnet diese Woche stattfindet, sei Zufall. Allerdings: einen besseren Zeitpunkt hätten die Schüler gar nicht erwischen können.

In der Freien Aktiven Schule ist man ohnehin viel draußen

Die Freie Aktive Schule in Degerloch kann von ihrem besonderen Konzept profitieren: „Unsere Schüler sind nicht gezwungen, drinnen zu sitzen“, erklärt Schulleiterin Gabriele Groß. Sie können sich bewegen, auch Unterricht im Freien sei kein Problem. Außerdem gebe es mit kühleren Räumen und „Hitzefrei“ durchaus Möglichkeiten, mit den hohen Temperaturen umzugehen.

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Auch die International School Stuttgart in Degerloch ist gut für die heißen Tage ausgestattet. Die Einrichtung mit Ganztagesbetrieb könne Schüler nicht einfach nach Hause schicken, wenn es zu heiß wird, sagt Aufnahmeleiter Matthias Krusch. Doch Wasserspender und flexible Pausen machen den Unterricht angenehmer. Außerdem habe die Schule aus den hohen Temperaturen der letzten Jahre gelernt und mobile Klimaanlagen installiert. Ob die auch das Wetter in dieser Woche aushalten, gelte es jetzt herauszufinden. Darüber hinaus haben die Schüler gute Aussichten: Die internationale Schule richtet sich nicht nach den Ferienzeiten in Baden-Württemberg, ihr Schuljahr endet bereits am Freitag. Deshalb sei für Mittwoch ein Schwimmtag im Freibad geplant – wobei die Verantwortlichen sich bereits überlegen, ob ein Tag in der prallen Sonne überhaupt zumutbar ist.

Bei Hitzefrei gibt es keine festen Regeln

Darüber muss sich auch die Leiterin der Tiefenbachschule in Rohracker, Birgit Glos, Gedanken machen. Dort finden am Freitag die Bundesjugendspiele statt. Wie die Schule die Sportveranstaltung in der Hitze gestaltet, sei noch nicht entschieden, sagt die Schulleiterin. Denkbar sei, dass die Schüler die Langstreckenläufe gleich am Anfang bestreiten, wenn es noch kühl ist. „Hitzefrei“ könne sie nur für die sechste Stunde vergeben. Das Thema sei allerdings schwierig. Immerhin muss die Schule ihre Schüler ja betreuen. Eine Möglichkeit seien kühlere Räume, in die einige Klassen ausweichen können. Ansonsten dürfe die Mathearbeit einfach nicht in die letzte Stunde gelegt werden, wenn die Gebäude sich bereits stark aufgeheizt haben.

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Bestimmte Regelungen zum Thema „Hitzefrei“ seien für die Schulen nicht vorgegeben, sagt die Pressesprecherin des Kultusministeriums. Durch die unterschiedlichen Gegebenheiten der Schulen sei das nicht zielführend. Allerdings hat das Ministerium einige Kriterien aufgestellt, an denen die Schulleiter, die über „Hitzefrei“ entscheiden, sich orientieren können. Hierzu gehöre unter anderem, dass die Schüler erst von der vierten Stunde an nach Hause geschickt werden, dass benachbarte Schulen sich absprechen und dass die Außentemperatur um 11 Uhr 25 Grad beträgt. Außerdem müssen Fahrschülern auch bei „Hitzefrei“ Aufenthaltsräume zur Verfügung stehen, bis sie nach Hause fahren können. Solange müssen sie auch beaufsichtigt werden.

Kein „Hitzefrei“ gebe es an den beruflichen Schulen sowie für Schüler der gymnasiale Oberstufe.

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