Hobby Horsing in Maichingen Trainerin Alexandra Keller: „Wenn einer blöd kommt, sage ich: Mitmachen!“

Mit Schwung nehmen Romy und Libero die Hindernisse. Foto: Stefanie Schlecht

Seit einem guten Jahr bietet der GSV Maichingen Hobby Horsing an. Nun steht das erste Turnier kurz vor der Tür. Wir haben beim Training vorbeigeschaut.

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Schnell wie der Wind läuft die zehnjährige Romy einen Parcours ab, springt über Hindernisse und schießt über eine imaginäre Ziellinie. Sie tut das nicht allein, sondern auf ihrem Steckenpferd Libero. Zusammen mit ihren Teamkolleginnen bereitet sie sich auf das erste Hobby-Horsing-Turnier des GSV Maichingen am Samstag, 9. Mai, in der Johannes-Widmann-Gemeinschaftsschule vor.

 

Insgesamt neun Mädchen im Alter von acht bis 14 Jahren trainieren am späten Mittwochnachmittag unter Anleitung von Alexandra Keller in der Turn- und Festhalle in Maichingen. Die Sportart Hobby Horsing erfreut sich seit einigen Jahren immer größerer Beliebtheit – auch in der Region. Seit 2025 bietet sie der GSV Maichingen an.

Ein bisschen Spiel und viel Sport

Der Name der Sportart leitet sich von englisch Hobby Horse – Steckenpferd ab. Der Oberkörper imitiert den Reiter, die Beine übernehmen den Pferdepart und die Hände halten das Steckenpferd, das für die bessere Beweglichkeit eine kürzeren Stock hat als die Spielgeräte aus Kindertagen.

Wer nun glaubt – wegen Steckenpferden, Mädchen und so – in eine Spielstunde geraten zu sein, irrt gewaltig. Ein bisschen Spiel ist dabei, aber vor allem viel Sport und Spaß. Eine 14-jährige Teamkollegin folgt auf Romy durch den Parcours mit dem Ziel ihre eigene Bestzeit zu unterbieten.

Bedeutet: Innerhalb von 19 Sekunden rennt und springt sie über insgesamt zehn 40 Zentimeter hohe Hindernisse, nimmt enge Wendungen und Kurven – und all dass ohne eine der Stangen, über die sie drüber muss, zu reißen. Mit dem Ruf „Jaaaaa, zieh durch“, wird sie von Marie, Alexandra Kellers Nichte, angefeuert.

Was an Hobby Horsing fasziniert

Marie, 14 Jahre alt, hat ihrer Tante gezeigt, was Hobby Horsing überhaupt ist und unterstützt sie beim Training. „Man braucht Ausdauer, Körperbeherrschung, Eleganz und Taktgefühl“, fasst sie zentrale Eigenschaften der Sportart zusammen.

Ihr gefalle an Hobby Horsing die Vielseitigkeit und der Moment, in dem sie sich ganz auf den Sport konzentriert und alles andere vergisst. „Beim Springen fühlt es sich wie Fliegen an“, schwärmt Marie, der am Ende des Trainings sogar ein Sprung über 1, 05 Meter gelingt.

Alexandra Keller trainiert die Kinder und Jugendlichen und bereitet sich auf ihr erstes Turnier vor. Foto: Stefanie Schlecht

Als die 14-Jährige eine Dressurübung vorführt, wird deutlich, was sie mit Körperbeherrschung und Taktgefühl meint. Zu Musik entwickelt sie eine Choreographie, bei der sie bestimmte Schrittfolgen und Figuren absolviert. Da muss mal das Bein eine Millisekunde in der Luft verharren, bevor es Aufsetzen darf, mal geht es in flottem Tempo und mit großen Schritten durch den Raum. Die Bewegungen sind präzise und elegant zugleich.

Die Mädchen sind beim Training voller Elan dabei. Während die einen den Parcours abreiten, üben die anderen nebendran weiter. „Mir gefällt, dass man sich so viel bewegen kann“, sagt Romy. Und sie schätzt die Herausforderung: „Ich kann schauen, wie hoch ich springen kann.“

Nicht selten gibt es blöde Kommentare

Eine Affinität zu Pferden ist bei allen vorhanden, manche reiten zusätzlich noch auf richtigen Pferden. Der Vorteil beim Hobbyhorsing: „Ich muss nicht auf den Reitunterricht warten, sondern kann das Steckenpferd einfach in die Hand nehmen und losreiten“, sagt Elina (9).

Marie (links) leitet eine kleine Dressureinheit an. Romy, Sarah und Elina (von links nach rechts) machen mit. Foto: Stefanie Schlecht

Die Mädchen sind von ihrem Sport überzeugt, andere Menschen weniger – und sie lassen das die Kinder und Jugendlichen offenbar wissen. Marie hat schon dumme Kommentare abbekommen. „Ich habe mit meinen Eltern geredet und verstanden, das Problem liegt nicht bei mir, sondern an der Intoleranz der Leute.“

Auch Keller sagt, sie habe sich schon einiges anhören müssen. Ihre Strategie: „Wenn einer blöd kommt, sage ich: Mitmachen!“ Die Leute sollen sich erst ein eigenes Bild vom Hobby Horsing machen und dann urteilen, fordert sie.

Turnier mit Teilnehmern aus der Schweiz

Die Idee, beim GSV Maichingen Hobby Horsing anzubieten, entstand vor zwei Jahren. Man saß bei einem Fest zusammen, unterhielt sich über den neuen Sport und überlegte, ihn ins Programm des Vereins aufzunehmen. „Ich habe dann gefragt: Und, wer macht’s? – und... tja“, sagt Keller lachend. Unglücklich wirkt sie über diese Wendung nicht.

Im Gegenteil: Seit einem guten Jahr bietet sie mittwochs von 17 bis 18.15 Uhr das Training an, bereitet sich auf ihr erstes Dressurturnier im Juli in Waldorfhäslach vor und hat, zusammen mit ihrer Schwester, das erste Hobby-Horsing-Turnier des GSV am 9. Mai auf die Beine gestellt.

Auf dem Programm stehen verschiedene Springen mit 40 bis 100 Zentimeter hohen Hindernissen, Dressur und ein Geschicklichkeitsparcours. Angemeldet haben sich 59 Teilnehmer – aus ganz Baden-Württemberg, aus Bayern und der Schweiz.

Infos zum Hobby Horsing

Mitmachen
Das Training des GSV Maichingen richtet sich an Jungen und Mädchen ab acht Jahren und findet immer mittwochs von 17 bis 18.15 in der Turn- und Festhalle Maichingen statt. Die Teilnahme kostet von Januar bis Juli 45 Euro und von September bis Dezember 35 Euro – zuzüglich der Mitgliedschaft im GSV.

Das Turnier
findet am Samstag, 9. Mai, von 9 bis circa 17 Uhr in der Turnhalle der Johannes-Widmann-Gemeinschaftsschule in Sindelfingen-Maichingen statt.

Hobby Horsing Verband
Der Verband bietet eine zentrale Anlaufstelle für alle, die sich für Hobby Horsing interessieren. Er stellt beispielsweise auch die Regeln für Wettbewerbe auf. Da sie laut Keller sehr streng sind, erfüllt das Turnier des GSV nicht alle Vorgaben und läuft offiziell als Übungsturnier.

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