Hochdachkombi Bewährte Technik

Von Paul-Janosch Ersing 

VW verkauft den neuen Caddy in vierter Generation. Bei genauer Betrachtung aber entspricht die Neuauflage eher einer umfassenden Modellpflege.

Der Caddy wird auch von vielen Familien gefahren. Foto: Hersteller
Der Caddy wird auch von vielen Familien gefahren. Foto: Hersteller

Lebenszyklen von Nutzfahrzeugen sind üblicherweise deutlich länger als bei Pkws, das gilt auch für den VW Caddy. Dabei ist der praktische Hochdachkombi, der seit 2003 auf der technischen Basis des Golf V gebaut wird, nur zum Teil ein Nutzfahrzeug im klassischen Sinne: Denn fast jede zweite Bestellung stammt von Privatkunden, die das Auto als geräumigen Kompaktvan ordern. Nicht ohne Grund bietet VW das Auto wahlweise als robusten Lastesel oder preisgünstigen Personentransporter an. Jetzt erhält der Caddy ein überarbeitetes Äußeres und eine technische Auffrischung.

Bei der Weltpremiere im polnischen Poznan, wo der Caddy auch weiterhin produziert wird, hob die im Scheinwerferlicht versammelte Spitze der VW-Nutzfahrzeugsparte die Vorzüge der sogenannten vierten Generation hervor. Die Bezeichnung Generation '3 plus' träfe es allerdings besser. Denn auch wenn der Vorstandsvorsitzende Eckhard Scholz betont, dass 'alle sichtbaren Teile angefasst wurden', fallen bei einem ersten Rundgang um das Nutzfahrzeug vor allem kleine Verbesserungen auf. Hier eine schärfere Lichtkante im Blech, dort eine neue Chromleiste am Bug - und nicht zu vergessen: der kecke Dachspoiler am Heck.

Die Cockpitgestaltung hat an Klarheit gewonnen

Die neu gestalteten Rücklichter gibt es auf Wunsch auch in einer abgedunkelten Variante. Vor allem die Pkw-Versionen mit der in Wagenfarbe lackierten Schürze wirken jetzt noch edler und rücken den Caddy ein weiteres Stück an den technisch verwandten Touran heran. Beim Blick ins Innere reift dann die Erkenntnis: die Entwickler in Hannover waren alles andere als untätig. Die Cockpitgestaltung hat an Klarheit gewonnen und wirkt erkennbar aufgefrischt, die angebotenen Radio-Navi-Geräte entsprechen in Sachen Grafikdesign und Bedienbarkeit den Erwartungen der heutigen Zeit.

Schade, dass der berührungsempfindliche Bildschirm noch immer sehr weit unten angebracht ist - jeder Blick darauf lenkt vom Verkehrs­geschehen ab. Unterm Blechkleid gibt es ebenfalls Neuerungen zu vermelden: Neben erstmals im Caddy verfügbaren Assistenzsystemen wie Müdigkeitswarner, Park-Pilot, Multikollisionsbremse und City-Notbremsassistent sind das vor allem sparsamere Motoren, die allesamt die Abgasnorm EU 6 erfüllen. Bei den Dieseln gibt es auf Basis des Zweiliter-Aggregats künftig vier Leistungsstufen zwischen 55 kW (75 PS) und 110 kW (150 PS).

Als Sparmeister tut sich dabei der Kastenwagen in der Blue-Motion-Variante mit 75 kW (102 PS) hervor: Ihm sollen nach der Norm 3,9 Liter Dieselkraftstoff pro 100 Kilometer genügen. Bei den Benzinern reicht das Spektrum von 62 kW (84 PS) bis 92 kW (125 PS); mit einiger Spannung wird der 102-PS-Dreizylinder erwartet, der ab Oktober verfügbar sein soll. In der Nische der alternativen Antriebe lockt ein aufgeladener 1,4-Liter- Erdgas­motor (81 kW/110 PS) mit günstigen Betriebskosten und vergleichsweise guten Abgaswerten. Eine Version mit Elektroantrieb lässt noch auf sich warten. Zur Markteinführung Ende Juni beginnen die Preise bei 17 594 Euro für den Kastenwagen und 18 243 Euro für den Kombi.