Hochdorf - In Hochdorf zeugen noch einige alte Gebäude von der Historie des Ortes, viele davon sind denkmalgeschützt. An manch einer Stelle musste die Ortshistorie aber bereits Neubauten weichen. Mit dieser Thematik beschäftigt sich der Gemeinderat nun in Hinblick auf das Gebäudeensemble in der Kirchheimer Straße 44 bis 48, direkt an der Hauptstraße schräg gegenüber dem Rathaus gelegen. Wo früher unter anderem die Metzgerei Schippert und das Gasthaus zum Hirsch für ihre Kunden und Gäste da waren, plant das Bauunternehmen Hartmut Fischer Planbau aus Deizisau die Gebäude abzureißen und stattdessen zwei Mehrfamilienhäuser zu bauen. Je zwei Vollgeschosse sowie ein Dachgeschoss samt Kniestock als weiteres Vollgeschoss mit insgesamt rund 20 Wohneinheiten, Gauben, einer Tiefgarage und Stellplätzen entlang der Kirchheimer Straße stehen zur Debatte.
Voranfrage ist noch kein Bauantrag
In der letzten Sitzung des Jahres hat sich der Gemeinderat mit der Bauvoranfrage zu diesem Projekt beschäftigt. „Es geht aktuell zunächst einmal um das Grundsätzliche, darum, ob hier ein Abriss und Neubau denkbar wären. Das ist im aktuellen Stadium noch kein Bauantrag“, betonte der Bürgermeister Gerhard Kuttler. Die Verwaltung plädiere dafür, in diesem Zusammenhang das kommunale Einvernehmen in Aussicht zu stellen. Zudem könnte die Gemeinde im Falle der Umsetzung die Flächen erwerben, die für den schon lange auf der Wunschliste stehenden Kreisverkehr an der Rathauskreuzung nötig wären. Für diesen fehlt allerdings bis heute die Zustimmung der übergeordneten Straßenverkehrsbehörde.
Experten erteilen Sanierung Absage
Ende November hatte sich ein Experte die Gebäude angesehen und aufgrund deren Lage direkt an der Gehweghinterkante der Landesstraße eine Sanierung ausgeschlossen. Die Stadtentwicklungsgesellschaft STEG sieht das genauso. Mehrheitlich – mit Ausnahme der SPD-Fraktion und Birgit Wiesenhütter (Die.Mitte) – folgte der Gemeinderat dem Beschlussvorschlag der Verwaltung.
Schon 2016 grünes Licht vom Rat
Bereits im Jahr 2016 wurde im Gemeinderat über eine Neubebauung auf dem Areal diskutiert. Das Stuttgarter Planungsbüro Schreiberplan hatte damals zwei denkbare Varianten vorgestellt – eine mit einer intensiveren Nutzung des Grundstücks, die zweite etwas abgespeckt. Für beide gab es damals grundsätzlich grünes Licht.
Historisches Gebäudeensemble
Die nun vorgelegte Bauvoranfrage orientiert sich an der Variante mit einer weniger intensiven Nutzung des Grundstücks und einer weniger massiv wirkenden Bebauung, die von der Kirchheimer Straße etwas nach hinten versetzt vorgesehen ist. Dass an der Stelle grundsätzlich etwas passieren müsse, darüber waren sich alle im Gremium einig. So handle es sich zwar um ein historisches Gebäudeensemble, das gleichzeitig aber recht heruntergekommen sei.
Hinteres Gebäude schwer zugänglich?
An der ein oder anderen Stelle der Bauvoranfrage gibt es noch weiteren Klärungsbedarf. Zwei mehrfach angesprochene Punkte betreffen die Verkehrssituation und die direkt an der viel befahrenen Kirchheimer Straße angedachten Stellplätze. Eine ähnliche Problematik ist von der Ortsdurchfahrt bei den zentral gelegenen Geschäften bekannt. Der Unterschied: Dort müssen die Kunden auf eine Hauptstraße mit geltendem Tempo 50 rückwärts einfahren, in der Kirchheimer Straße gilt dagegen bereits Tempo 30. Kritisch angemerkt wurde auch die wegen eines schmalen Fußwegs erschwerte Erreichbarkeit des zweiten, weiter hinten gelegenen Gebäudes, gerade auch was Rettungskräfte angeht.
SPD will das Thema grundsätzlicher angehen
Die SPD kündigte schon jetzt einen Antrag für die kommende Sitzung an. Sie möchte, dass die Gemeindeverwaltung sich beraten lässt, inwieweit für Hochdorf der Erlass einer oder mehrerer Erhaltungs- oder Gestaltungssatzungen denkbar wären. Ziel sei es, das Mitbestimmungsrecht der Gemeinde bei der städtebaulichen Entwicklung und dem Erhalt des dörflichen Charakters zu stärken. Immer wieder sei der Gemeinderat mit Planungen konfrontiert, die dem nicht gerecht würden, da viele Bauträger die Grundstücke „mit allen Möglichkeiten des Baurechts ausmosten“, sagte Karsten Rößler (SPD). So verschwinde immer mehr ortsbildprägende alte Bausubstanz. Vor allem, wenn kein Bebauungsplan bestehe, wie im vorliegenden Fall. „Die Genehmigungsverfahren liegen beim Landratsamt, die Gemeinde hat letztlich nur eine passive Rolle“, kritisierte Rößler.