Hochdorfer Schrauber Zweites Leben für alte Porsche-Traktoren

Helmut Unrath ist ein passionierter Bastler: In seiner Werkstatt restauriert der technisch versierte Hochdorfer alte Porsche-Traktoren. Foto: /Katja Eisenhardt

Der Hochdorfer Helmut Unrath schraubt gerne: Sein Hobby ist die Restauration von Porsche-Oldtimer-Traktoren. In seiner Werkstatt auf dem Gelände der alten Schmiede erweckt er die Schmuckstücke zu neuem Leben.

Hochdorf - Alles fing 1960 an. Damals war Helmut Unrath vier Jahre alt. Sein Großvater Jakob Unrath war Schmiedemeister in Hochdorf, ebenso wie sein Vater Fritz. „In jenem Jahr kaufte mein Opa einen Porsche Diesel Junior-Einzylinder-Traktor. Es war damals nicht untypisch, dass die Familien noch eine Nebenerwerbslandwirtschaft hatten“, erzählt der heute 65-Jährige. Wir befinden uns in seiner Werkstatt auf dem Gelände der alten Schmiede neben dem Hochdorfer Rathaus. „Früher war hier der Kuhstall“, sagt Helmut Unrath. Auch Schweine und Hühner habe die Familie gehalten.

 

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Heute ist von einer Landwirtschaft nichts mehr zu sehen. Bis auf die knallroten Schmuckstücke, die der technisch versierte Hochdorfer in seiner Werkstatt mit Liebe zum Detail restauriert. Das Faible für die alten Porsche-Traktoren hat er sich seit seiner Kindheit bewahrt. Schon damals ist er auf dem Schlepper des Großvaters mitgefahren und hat bei der Ernte und beim Heuen geholfen. Als der Opa 1974 verstarb, erbte er dessen Porsche-Traktor. „Damals war ich 18 Jahre alt. Von da an nahm das große Hobby seinen Lauf“, sagt Unrath und lacht.

48 Berufsjahre als Instandsetzer helfen bei der Restaurierung

In seiner Werkstatt steht an diesem Tag ein bereits fertig restauriertes Exemplar, Baujahr 1961. Der rote Porsche-Traktor sieht aus wie neu. Und das nächste Projekt ist bereits in vollem Gange. Gemeinsam mit Hans Kubitschek ist Unrath mit dem Getriebe und Achstrichter eines neuen Gefährts beschäftigt. Den Schwiegervater seiner Tochter hat Unrath ebenfalls mit dem Porsche-Virus infiziert. So tüfteln die beiden Männer immer wieder gemeinsam in Unraths Werkstatt an den zu restaurierenden Traktoren. Noch ist der aktuelle Oldtimer in seine Einzelteile zerlegt, das wird sich aber Schritt für Schritt ändern. Die fachliche Expertise zieht der passionierte Bastler allein schon aus seinem Beruf: Helmut Unrath absolvierte erst eine Ausbildung zum Elektromechaniker mit der Fachrichtung Elektronik und bildete sich dann zum Meister der Elektrotechnik weiter. „Meine 48 Berufsjahre als Instandsetzer helfen bei der Restaurierung solcher Gefährte. Vieles habe ich mir im Lauf der Jahre zusätzlich noch an Wissen angeeignet. Ich kenne die Details der alten Technik, die Schwachstellen und die Teile mit typischerweise altersbedingtem Verschleiß. Bei jeder Instandsetzung wiederholen sich die Arbeitsschritte“, sagt Unrath. Seit der Jahrtausendwende hat er bis heute zehn Oldtimer restauriert und anschließend entweder selbst behalten oder an andere Liebhaber weitergegeben – darunter auch an die beiden Söhne, die als Jugendliche selbst anfingen zu schrauben. „Den ersten Schlepper haben wir im Schwarzwald abgeholt und 1999/2000 gerichtet“, sagt der Hochdorfer.

Mit historischen Fahrzeugen übers Land

Wenn Corona nicht gerade zu sehr dazwischen funkt, ist Helmut Unrath mit seinen voll funktionsfähigen Schmuckstücken im Normalfall ein- bis zweimal pro Jahr auf Tour. „Das geht von eintägigen Ausflügen bis zur einer zehntägigen Ausfahrt mit der Porsche-Diesel-Interessengemeinschaft“, berichtet er. 50 Mitglieder habe die Gruppe, davon die Hälfte Aktive. „Letzten Sommer waren wir mit unseren Traktoren am Bodensee, dieses Jahr ist eine mehrtägige Ausfahrt ins Hohenlohische geplant.“ Die Porsche-Fans seien bis über die Landesgrenzen hinaus bestens vernetzt, der Austausch untereinander oft hilfreich bei einer laufenden Restauration: „Irgendeiner kann immer fachlich helfen, wenn man selbst mal nicht weiterkommt“, sagt Helmut Unrath. Seine Werkstatt hat er nach und nach bestens ausgestattet, in weiteren Räumen des alten Schmiede-Anwesens findet sich zudem ein gut gefülltes Ersatzteillager. In einem Schrank reihen sich unter anderem Zahnräder, Zylinderköpfe und Lichtmaschinen aneinander, bereit für ihren Einsatz.

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Auf der Werkbank hat Unrath auch stets den Laptop griffbereit: Darauf wurden sämtliche detaillierten Original-Baupläne seiner Gefährte digitalisiert. Jeder Arbeitsschritt ist so dokumentiert. An der Wand hängt dazu passend ein Bild vom Querschnitt eines Porsche-Traktors. Zur Orientierung sei das ganz praktisch, findet der 65-Jährige. „Langweilig wird mir bei diesem Hobby jedenfalls nicht. Die einen angeln, ich tüftle und schraube eben. So hat jeder Narr sei Kapp’, wie es so schön heißt“, sagt Helmut Unrath.

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