Erfolg mit Holzkunst aus Hochdorf: Sabine Henne-Pitzinger fertigt naturbelassene Herzen und andere Figuren an. Die kommen bei jenen gut an, die skandinavischen Einrichtungsstil mögen.
Vielen Herzen aus der Werkstatt von Sabine Henne-Pitzinger sieht man ihre Herkunft an. Manche sind nur teilweise aus dem Aststück heraus gearbeitet, andere haben ihre komplette Rindenoberfläche behalten dürfen. Die Hochdorfer Schreinerin fertigt in ihrer Werkstatt seit 25 Jahren Besonderes aus heimischem Holz und organisiert jedes Jahr in Köngen den Advent im Schloss.
Herzen sind zu Sabine Henne-Pitzingers Markenzeichen geworden. Und dabei spielt das Material Holz die Hauptrolle. Gerade zeichnet die Schreinerin mit dem Bleistift die Umrisse für ein weiteres Herz auf einem dicken Brett aus Birnbaum an, das anschließend an der Bandsäge ausgesägt werden soll.
„Ich lasse mich von der Maserung inspirieren und Unregelmäßigkeiten passen für mich gut dazu, denn ein Herz gleicht nie genau dem anderen “, erklärt die 66-Jährige und zeigt auf einen feinen Riss im Holz. Als sie vor bald 25 Jahren begann, Figuren direkt aus naturbelassenen Brettern zu sägen, war das völlig neu und ihr Stil kam bei den Hochdorfern gut an.
Naturbelassene Holzkunst: Zirbenholz aus den Alpen hat einen besonders typischen Duft
„Fast überall standen damals meine Nikoläuse vor der Haustür“, erinnert sich die Kunsthandwerkerin. Und als es auf Ostern und dann auf den Muttertag zuging, wurde sie nach neuen Motiven gefragt. So kam das Herz ins Spiel. Und weil ihr Natürlichkeit so wichtig ist, verwendet Henne-Pitzinger seit damals keine giftigen Lacke mehr. Meistens bleiben ihre Arbeiten nach dem Schleifen unbehandelt oder werden geölt.
Und das lohnt sich. Wer zum Beispiel an einem massiven Herz aus Zirbenholz schnuppert, riecht den typisch süß-würzigen Duft, dem eine beruhigende Wirkung auf das Herz-Kreislaufsystem nachgesagt wird. Deshalb wird das Holz der Zirbenkiefer in der Alpenregion gerne für den Bettenbau verwendet. Auch die eigene Familie hat die Schreinerin, die während der Ausbildung die einzige Frau in der Berufsschule war, mit solchen Betten ausgestattet.
Hochdorfer Schreinerin: Seit Corona ist der nordische Stil rund ums Thema Hygge angesagt
Aber in ihrer Hochdorfer Ausstellung setzen auch ein paar rote Herzen Akzente. Es gibt weiße Margeriten zu sehen und neben den mit kleinen Weihnachtsbaumkugeln oder Minilichtern bestückten Tannenbäumen warten auch pastellfarben bemalte Engel auf die Weihnachtszeit.
Die Vorlieben für dekorative Objekte haben sich seit ein paar Jahren verändert, stellt Henne-Pitzinger fest: „Seit Corona wollen alle nur noch Natur.“ Das habe mit dem Trend zu den großen Einrichtungsthemen im skandinavischen Stil zu tun, bei denen Hygge und die Vorliebe für nordische Schlichtheit eine Rolle spielen.
Das passt zu Sabine Henne-Pitzingers Geschmack , denn sie genießt den Umgang mit dem puren Holz. „Ich muss immer so etwas um mich haben“, erklärt die kreative Schreinerin und zeigt auf die massiven Bretter, die an der Wand lehnen. Vor allem heimisches Obstbaumholz mit seinen intensiven Farben und unterschiedlichen Maserungen hat es ihr angetan.
Angebote für Kinder: Schreinerin arbeitet mit Festool aus Wendlingen zusammen
Zum Beispiel Holz von einer Elsbeere aus Roßwälden, das werde beim Schleifen ganz zart. Viele Sorten erkenne sie am Geruch und die Eigenschaften eigne man sich durchs Verarbeiten an. Das habe sie früher an ihrem Hochdorfer Meister, bei dem sie die Lehre gemacht habe, bewundert. Und heute verfüge sie auch über diesen Erfahrungsschatz.
Ihre Erfahrung gibt Sabine Henne-Pitzinger, die seit Jahren mit der Werkzeug-Marke Festool der Wendlinger Unternehmensgruppe TTS und der daraus entstandenen Maier-Stoll-Stiftung zusammenarbeitet, gerne bei Workshops und Kindergeburtstagen weiter. Vor allem Kindern möchte sie zeigen, dass diese sich handwerklich etwas zutrauen können, und die Schreinerin wünscht sich, dass die Kinder diese Fertigkeiten beim Umgang mit dem Bohrer zum Beispiel auch zuhause einsetzen und das Vertrauen in ihr eigenes Können ausbauen.
Workshops in Hochdorf: Kindern fehlt oft die Geduld fürs Werken
Allerdings beobachtet die Mutter von drei erwachsenen Kindern, dass immer mehr Mädchen und Jungs nicht genügend Geduld aufbrächten, um beispielsweise ein von ihr bereits ausgesägtes kleines Herz zu schleifen. Dabei sei es gut und wichtig, sich mal eine Stunde in so eine Arbeit zu vertiefen, um runterzukommen. Zum Teil fehle es auch an Kraft in den Händen.
Den Kopf frei bekommen und sich entspannen, das seien die wunderbaren Begleiterscheinungen beim handwerklichen Tun, berichtet die Hochdorferin, denn das Holzhandwerk beeinflusse alle Sinne positiv. Bereits das duftende Holz habe eine positive Wirkung. Das Werken rege die Fantasie an, und schließlich entstehe oft ein Gefühl der Zufriedenheit, wenn absehbar werde, wie Werkstücke ihre Form annehmen.
Werkstatt in Hochdorf kann als Eventlocation gebucht werden
Dieser Flow beglücke sie selbst immer wieder. Als junge Mutter habe ihr oft die Zeit für den Gang in die Werkstatt im eigenen Keller gefehlt. Vor rund 25 Jahren bot sich dann die Gelegenheit, im Hochdorfer Gewerbegebiet eine ehemalige Baracke als Werkstatt und Showroom einzurichten.
Heute können Interessierte die Räume als Eventlocation oder für Workshops buchen, und nach längerer Pause bietet Sabine Henne-Pitzinger dort auch wieder ihre eigene Adventsausstellung an.
Von der Werkstatt ins Schloss
Hochdorf
Ihre Holzwerkstatt öffnet Sabine Henne-Pitzinger in der Mercedesstraße 6 in 73269 Hochdorf zur Adventsausstellung am Samstag, 6. Dezember, von 11 bis 18 Uhr.
Köngen
Mehr als 50 Ausstellerinnen und Aussteller bieten beim Advent im Köngener Schloss von Freitag, 28. November, bis Samstag, 30. November, wieder ihre ausgewählten Arbeiten an. Sabine Henne und ihre Kunsthandwerkskollegin Saskia Keller aus Köngen organisieren den stimmungsvollen Markt bereits seit 2014.