Hochhaus in Fellbach Warum der Tower nicht vorankommt

Mal geht’s voran, dann stockt es: die ewige Baustelle des Towers Foto: Gottfried Stoppel

Pleite reiht sich an Pleite auf dem Fellbacher Skandalgrundstück, auf dem vor 30 Jahren schon mal das Hotel Le Village entstehen sollte. Das Projekt Schwabenlandtower steht bereits vor dem nächsten Kapitel.

Es gibt Menschen mit einer komischen Aura und einem Karma, das nichts Gutes verheißt – womöglich wurden sie einst von anderen mit einem fiesen Fluch belegt. Doch was für mobile Persönlichkeiten gilt, gilt womöglich auch für Immobilien. Das Areal an der Friedrich-List-Straße und der Schorndorfer Straße im Osten der Stadt Fellbach ist, davon sind etliche Einheimische überzeugt, von Grund auf mit unheimlich unheilvollen Schwingungen belegt. Wie anders lässt sich sonst erklären, dass sich dort seit 40 Jahren eine Pleite an die nächste reiht und alle geplanten Projekte in den finanziellen Ruin zu führen scheinen.

 

Hotelprojekt Le Village gescheitert

Gelegentlich wird das Areal noch als Fromm-Gelände bezeichnet, in Erinnerung an die Firma Ferdinand Fromm, die von 1967 bis zu ihrem Konkurs im Jahr 1992 Holzbearbeitungsmaschinen hergestellt hat. Errichtet werden sollte ein großer Hotelkomplex, genannt Le Village, mit 215 Einzimmer-Apartments der gehobenen Klasse. Doch dem Investor ging das Geld aus. Das zweistöckige Betongerippe diente fortan Rattenfamilien als Unterschlupf und wurde als realistische Weltuntergangs-Kulisse bei Katastrophenschutzübungen genutzt.

An der Südseite des Geländes stand seinerzeit noch die Tennishalle des früheren Stuttgarter-Kickers-Präsidenten und Brillenfabrikanten Axel Dünnwald-Metzler. Später wurde eine Inline-Übungsanlage einquartiert, es folgte das türkische Veranstaltungszentrum Efsane – die lauten Hochzeitsfeiern dort stießen in der Nachbarschaft auf wenig Gegenliebe.

Anfangs gab es Planungsskizzen für gleich zwei Türme

Nach rund 15 Jahren schien dann endlich der große Wurf fürs gesamte Gebiet in Sicht. Der damalige Fellbacher Oberbürgermeister Christoph Palm traf den Investor Michael G. Warbanoff beim Richtfest des Winnender Markthauses – und ermunterte ihn zu einem Konzept fürs Fromm-Areal. Es folgten etliche Skizzen für ein 87-Meter-Hochhaus, anfangs sogar mit zwei Türmen. „Gigantische Siedlung soll Schandfleck ersetzen“, lautete die Schlagzeile für den Gewa-5-to-one-Tower. Er hieß so, weil sich aus der Vogelperspektive gesehen die Randgebäude wie eine Fünf um den in der Mitte stehenden Solitär gruppieren sollten. Kurz danach wurden die Dimensionen noch gewaltiger: Der Wolkenkratzer sollte nunmehr erst nach 107 Metern enden. Widerstand formierte sich. Doch die eigens gegründete Initiative „Fellbach ist nicht Manhattan“ schaffte es nicht, die „Verschandelung des Stadtbilds“ und den „Koloss von Fellbach“ zu verhindern.

Im Mai 2014 folgte der erste Spatenstich. Angepriesene Highlights: Luxuswohnungen in den Obergeschossen. Ein sich über drei Stockwerke erstreckendes Maisonette-Appartement mit schlappen 459 Quadratmetern Wohnfläche war für 4,5 Millionen Euro im Portfolio. Doch eine nicht bezahlte Forderung des Generalunternehmers Baresel über sechs Millionen Euro brach der Projektgesellschaft im Herbst 2016 das Genick. Der Insolvenzverwalter übernahm, Kapitalanleger und Wohnungskäufer schauten in die Röhre. „Woanders hätte das vielleicht funktionieren können“, sagt Andreas Möhlmann, Fellbacher SPD-Stadtrat und Architekt. In Fellbach funktionierte es nicht.

Im Herbst 2022 kam der lange versprochene Megakran

Auf Warbanoff folgte die CG-Group von Christoph Gröner – der dann auch als Ehrengast beim Festakt zum Fellbacher Herbst auftauchte. Das Konzept nach der Übernahme der Pleiteimmobilie wurde komplett umgemodelt, statt 66 Luxusappartements sollte es nun 194 Mietwohnungen geben. Es folgte die Übernahme durch die Adler Group. Doch die Hängepartien setzten sich fort, über viele Monate hin wurde die Ankunft eines nötigen 120-Meter-Baukrans angekündigt und dann wieder verschoben, ehe er im Oktober 2022 schließlich doch stand. Doch überraschend gab Adler in dieser Woche bekannt, den Tower lieber verkaufen zu wollen.

Es gibt mehrere Gründe für das Tower-Dilemma. Eine Wohnanlage irgendwo an der Peripherie, ohne Anbindung an die Innenstadt, umrahmt von Möbelhaus-Gigant, Bowlingbahn und Fast-Food-Restaurant, fern vom Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr und gelegen an einer vierspurigen Einfallstraße. Trotz des Traumblicks über das Neckartal zeigten potenzielle Käufer aus dem Luxussegment wenig Interesse. Ein urbaner Wohntraum sieht anders aus als ein Hochhaus-Solitär in einem verkehrsumtosten Gewerbegebiet. Auf die Barrikaden trieb die Gegner vor allem die als überkandidelt empfundene Dimension des dritthöchsten Wohnhauses der Republik. Ein 107 Meter hoher Zeigefinger schien den Leuten nicht in ein der Weinbautradition verpflichtetes Städtchen zu passen.

Wer oder was kommt jetzt? Wer führt dieses vermaledeite Vorhaben zu Ende? Es bleibt nur jemand, der den Fluch auf diesem Areal besiegen kann. Ein Tower-Superman.

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