InterviewHochland-Chefin im Interview "Der Kaffee erlebt eine Renaissance"

Martina Hunzelmann, die Chefin der Kaffeemarke Hochland, spricht über Preisanstiege, Naturprodukte und die Preistreiberei der Spekulanten.

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Stuttgart - Die Kunden müssen sich daran gewöhnen, dass der Kaffeepreis nicht sinken wird, meint Hochland-Chefin Martina Hunzelmann. Ihr schwarzes Gold kommt aus Zentralamerika, doch verkauft soll es auch weiter in erster Linie rund um Stuttgart werden.

Frau Hunzelmann, hat Ihnen der Frühstückskaffee geschmeckt?

Aber natürlich hat er mir geschmeckt. Das ist einfach das Schönste am Morgen für mich, ein Tässchen Kaffee zu trinken.

Sie müssen sich durch die gestiegenen Kaffeepreise ja auch die Freude nicht verderben lassen. Sie haben ja Ihren eigenen Kaffee.

Ja schon. Aber die höheren Preise wirken sich natürlich auch auf uns aus. Das kam ziemlich schlagartig. Aber wir haben in der Vergangenheit auch schon mal höhere Kaffeepreise gehabt. Inzwischen war der Preis extrem niedrig.

Über eine längere Periode betrachtet sind die Kaffeepreise ja nicht hoch. Nimmt man reale Preise, war der Kaffee vor 30 Jahren genauso teuer wie heute.

Genau. Aber das Schlimme ist, dass der Kaffee wie andere Lebensmittel einfach zu einem Konsumgut verkommen ist. Und dafür wollen die Verbraucher eben möglichst wenig bezahlen. Ich begrüße die hohen Preise natürlich nicht. Aber ich finde, es ist eine natürliche Entwicklung, dass der Kaffee einfach wieder kostbarer wird.

Und die Kaffeebauern freuen sich sicher?

Es ist absolut richtig, dass die Bauern mehr Geld bekommen. Nur dann können sie sich auch entsprechend um ihre Plantagen kümmern. Als der Preis vor Jahren bei 90 Dollar lag, wurden auch Plantagen aufgegeben. Nur kamen die höheren Preise jetzt eben recht schnell. Das geschah alles innerhalb eines Jahres. Da jetzt hinterherzukommen ist schwierig für uns. Und für die Verbraucher ist das auch eine gewaltige Erhöhung.

Die haben sich ja auch an die niedrigen Preise gewöhnt.

Ja. Das findet man ja auch als Verbraucher immer charmant. Das kann ich absolut verstehen. Aber bei Lebensmitteln ist das Billigste aber eben nicht immer das Richtige.

Sind die Preise eigentlich gestiegen, weil Kaffee knapp ist, oder gibt es andere Gründe?

Für die höheren Preise gibt es verschiedene Ursachen. Zum einen ist der Kaffee tatsächlich knapper geworden. In vielen Länden wird inzwischen viel mehr getrunken, so etwa in Brasilien, Indien, China oder Japan. Und es wird jetzt auch mehr hochwertiger Kaffee getrunken. Brasilien hat seinen besten Kaffee früher exportiert. Außerdem gab es 2010/2011 in einigen Gebieten geringere Ernten. Und dann haben wir noch die Spekulanten. Da steht ja nicht der wirkliche physische Kaffee dahinter. Da wird eine Tonne achtmal gehandelt. Solche Spekulationen lassen die Preise unkontrolliert in die Höhe schießen.