Hochlandtiere in Baltmannsweiler Alpaka Michel gibt gern Küsschen

Zutraulich scharen sich Jeanette Flegels „Schurwald Alpakas“ auf der schattigen Weide um ihre Halterin. Foto: Ines Rudel Foto:  

Jeanette Flegel und ihre Familie halten die Hochlandtiere in Baltmannsweiler. Trotz ihres knuffigen Aussehens sind Alpakas keine echten Kuscheltiere – aber dafür richtig neugierig und gelehrig.

Region: Corinna Meinke (com)

Baltmannsweiler - Eigentlich sind Alpakas gar keine Kuscheltiere. Das wird beim Besuch in Baltmannsweiler schnell klar, wo die Tiere von Jeanette Flegel zu Hause sind. „Alpakas haben untereinander keinen Körperkontakt, nur manche tolerieren das Kuscheln“, erläutert die Tierfreundin, die sich vor gut drei Jahren in einem Allgäu-Urlaub in die Hochlandtiere verguckt hat. Nicht einmal die Fohlen werden von den Muttertieren nach der Geburt trocken gelegt, „das erledigt die Sonne“, ergänzt Jeanette Flegel.

 

Aber wie so oft, gibt es auch Ausnahmen von der Regel. Wie beispielsweise der Wallach Michel, der seiner Halterin sogar Küsschen gibt. Oder Mia. Die Stute genießt es, gekrault und gestreichelt zu werden. Und kaum hat die Besucherin die Hände im dichten, weichen Fell vergraben, geht Mia in die Knie und macht es sich auf dem Boden gemütlich: deutlicher könnte die Einladung zum Weitermachen kaum ausfallen.

Mia soll als Therapietier eingesetzt werden

Und Mia kann noch mehr: Sie ist zum Therapietier ausgebildet, erzählt ihre stolze Halterin, die dafür eigens Seminare in tiergestützter Therapie besucht hat. Gut möglich, dass Mia und sie eines Tages gemeinsam Altenheimbesuche machen, berichtet Flegel, die in der ambulanten Pflege arbeitet, von ihren Plänen. Bisher waren die fünf Stuten und zwei Wallache, die seit März auf dem Schurwald zuhause sind, ausschließlich für die Familie da, doch seitdem die knuffigen Vierbeiner auf Flegels Wiesen am Ortsrand von Baltmannsweiler stehen, werde sie immer wieder gefragt, ob man die Alpakas auch besuchen dürfe.

Bisher genießen nur die Mädchen und Jungen aus dem benachbarten Waldkindergarten dieses Privileg. Und beim gemeinsamen Basteln haben sie erlebt, wie gut sich die Wolle der Tiere filzen lässt. „Die Kinder sind die besten Polizisten, sie passen sogar auf, dass die Großeltern unsere Tiere nicht mit Brot füttern“, berichtet Flegel weiter.

Das beste Futter für Alpakas ist Heu

Das würde den Tieren sehr schaden, denn angepasst an die karge Vegetation ihrer Ursprungsheimat in den südamerikanischen Anden, ernähren sich Alpakas vorwiegend von Heu. Den im Brot enthaltenen Zucker können die Tiere nicht verdauen und gedüngte Wiesen sind für sie zu eiweißreich.

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Aber zurück zum Thema Besuch: Von Oktober an möchte Jeanette Flegel mit ihren „Schurwald Alpakas“ auch Gäste begrüßen. Im kleinen und feinen Rahmen soll das stattfinden, wünscht sich die Tierhalterin, die dazu eigens Karten mit Fotos ihrer Herde hat drucken lassen. Unter dem Motto „Wollnasen machen glücklich“ möchte sie Familien und Kleingruppen, die bei ihr beispielsweise Kindergeburtstage feiern wollen, empfangen. Auch Spaziergänge mit den Alpakas in den nahe gelegenen Wald sollen zum Angebot gehören. Michel, Mia und Balu hat Jeanette Flegel dafür schon an den Umgang mit Halfter und Führstrick gewöhnt.

Duschen und Baden sind sehr beliebt

Doch heute sind erst mal Spielen und Toben angesagt: Kaum hat ihre Halterin den Wasserhahn aufgedreht, hoppeln ihre Schützlinge im Alpakagalopp aus dem hinteren Teil des Geländes herbei. Für eine ausführliche Dusche sind die Tiere an warmen Tagen immer zu haben, berichtet Flegel und muss die brummenden Drängler sortieren, damit die Schüchternen auch etwas von der Erfrischung abbekommen. Tatsächlich verständigen sich die Tiere durch kurze Brumm- und Summlaute, die ähnlich klingen wie die bei einem Teddybär.

So ein nasses Alpaka fühlt sich ganz besonders an: Während sich das Wasser einfach mit der Hand abstreifen lässt, bleibt die Haut darunter völlig trocken, das zeigt sich beim vorsichtigen Bohren mit dem Finger im dichten Fell.

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Und weil ihr Fell die Tiere so gut schützt, seien die Vierbeiner eher selten im Stall anzutreffen, da müsste es schon kräftig und lange regnen, berichtet Flegel. Selbst Schnee sei kein Problem, der bleibe einfach auf dem Fell liegen. Apropos Fell: Kaum ist die Sommerdusche beendet, geht es wieder zurück auf die Weide zu einem genüsslichen Sandbad. Eine Vorliebe, die die Alpakas mit den attraktiven Sundheimer Hühnern teilen, die Ehemann Klaus Flegel im benachbarten Gehege zusammen mit seinen Truthähnen hält. Das Gelände ist übrigens rundum von einem mannshohen Wildzaun umgeben. Der sei notwendig, damit keine Eindringlinge aufs Gelände kommen können, berichtet die Baltmannsweilerin, denn Alpakas passten leider ins Beuteschema von Hunden.

In Südamerika werden Alpakas wegen ihrer Wolle gezüchtet

Wesen
 Weil sich viele Alpakas durch eine sanftmütige, ruhige und zurückhaltende Wesensart sowie elegante Bewegungen auszeichnen, werden sie immer häufiger in der tiergestützten Therapie eingesetzt. Auch ihren summenden, zufrieden klingenden Lauten wird eine beruhigende und entspannende Wirkung auf Menschen nachgesagt. Dies soll sich günstig auswirken auf Menschen mit autistischen Wesenszügen, Traumatisierung und phobischen Störungen. Gefördert werden können Selbstvertrauen, Konzentration und Lebensfreude.

Herkunft
Alpakas sind eine domestizierte Kamelart aus den südamerikanischen Anden. Der größte Bestand mit 3,5 Millionen Tieren lebt in Peru. Sie werden wegen ihrer Wolle gezüchtet.

Kontakt
 Die „Schurwald Alpakas“ sind erreichbar über Jeannette und Klaus Flegel in Baltmannsweiler, Telefon 0176 45 85 65 37.

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