Hochschul-Professor Joachim Gaukel Esslinger Bestseller-Autor: „Fliegen ist schlecht“

Bücher über Energie: Joachim Gaukel tritt auch publizistisch in die Pedale. Foto: Roberto Bulgrin

Energie – nie war sie so wertvoll wie heute. Joachim Gaukel, Professor an der Hochschule Esslingen, hat zwei Bücher über erneuerbare Enerige und den Energieverbrauch geschrieben.

Reporterin: Simone Weiß (swe)

Zuerst legt er ein Buch voll chinesischer Schriftzeichen auf den Redaktionstisch. Was steht da? Das weiß Joachim Gaukel auch nicht. Chinesisch beherrscht der Professor an der Hochschule Esslingen nicht. Aber er ist stolz darauf, dass sein erstes Buch „Erneuerbare Energien – zum Verstehen und Mitreden“ in diese Sprache übersetzt wurde. 60 000 Exemplare, sagt der 53-Jährige, wurden verkauft – er und seine drei Mitautoren landeten damit auf der Spiegel-Bestsellerliste der Sachbücher. Der Erfolg spornte an. Ein Fortsetzungsband ist erschienen. Wieder geht es um Energie.

 

Moralisieren, Verbote, erhobener Zeigefinger oder die Bevormundung anderer sind seine Sache nicht. Das betont Joachim Gaukel mehrfach während des Interviews. Dem Mathematiker geht es um die Darstellung von Fakten, Tatsachen und Erkenntnissen. Er und seine drei Co-Autoren hätten den Bedarf gesehen und so 2021 ihren Erstling zur Frage, woher die Energie kommt, herausgebracht. Da sei es logisch gewesen, ein zweites Werk folgen zu lassen mit der Frage, wohin die Energie gehe. Der Titel: „Unser Energieverbrauch zum Verstehen und Mitreden“.

Harald Lesch hat beide Male mitgeschrieben. Der Astrophysiker, Naturphilosoph, Wissenschaftsjournalist, Moderator und Hörbuchsprecher ist bekannt aus Funk und Fernsehen etwa als Nachfolger von Joachim Bublath in der Moderation der ZDF-Sendung „Abenteuer Forschung“. Auch Christian Holler, ein ehemaliger Professor an der Hochschule Esslingen, und Axel Kleidon griffen zur Feder. Alle Autoren, versichert Joachim Gaukel, hätten sich um eine verständliche Sprache bemüht.

Frisst die Energierevolution ihre Kinder?

„Wir befinden uns mitten in einer Energierevolution“, meinen die Autoren im Buch. Dass diese Revolution ihre Kinder frisst, glauben sie aber nicht. Wer weg wolle von Öl, Kohle und Gas, führt Joachim Gaukel aus, der komme um Sonne und Wind nicht herum. Andere Energielieferanten wie Holz oder Biogas könnten niemals die zur Deckung des Bedarfs nötige Menge liefern. Auch eine Komplettabdeckung aus Kernkraft sei nicht möglich: „So viele oder so große Atomkraftwerke können wir gar nicht bauen.“

Zur Atomkraft hat er seine eigene Meinung – ohne Moralisieren, versteht sich. Ob die drei letzten AKWs im April 2023 ausgerechnet während des Ukraine-Krieges mit zu erwartenden Problemen mit der russischen Gasversorgung hätten abgeschaltet werden müssen, darüber könne diskutiert werden. Eine erneute Inbetriebnahme, wie angesichts des Kriegs im Nahen Osten immer wieder angeregt, ist aus seiner Sicht nicht möglich. Das Personal dafür sei gar nicht mehr vorhanden und die Kosten viel zu hoch. Bereits jetzt, so fügt er hinzu, würden etwa 60 Prozent des Stroms in Deutschland aus erneuerbaren Energien stammen. Mit Nicht-Strom seien es insgesamt gut 20 Prozent.

Sein mit drei Co-Autoren verfasstes Erstlingswerk verkaufte sich 60 000 Mal. Nun hat Joachim Gaukel ein Nachfolgesachbuch geschrieben. Foto: Roberto Bulgrin

Den Verbrenner sieht der Vater von vier Kindern, der mit seiner Familie in Schorndorf lebt, vor dem Aus. Nicht wegen staatlicher Regulierungen oder Verboten, sondern weil die Menschen vor selbst merken würden, dass an der Elektromobilität auch kraft immer besser werdender Technik kein Weg vorbeiführe. Die Wärmepumpe sieht er ebenfalls auf dem Vormarsch. Die Verbraucher würden von selbst merken, dass sie die bessere Alternative sei.

Lange Flugreisen sind der Supergau, meint Gaukel

Für den Energie-Supergau hält der Hochschul-Dozent weite Flugreisen: Allein mit dem am Flughafen Frankfurt in einem Jahr verbrauchten Kerosin könne ein etwa 750 Meter hoher Turm mit den Ausmaßen eines Fußballfeldes gefüllt werden. Pro Insasse würden beim Fliegen vier Liter Kerosin auf 100 Kilometern verbraucht: „Fliegen ist schlecht“.

Das Buch „Unser Energieverbrauch zum Verstehen und Mitreden“ ist im Buchhandel oder online erhältlich. Auf mehr als 170 Seiten werden Themen behandelt wie „Unser Energieverbrauch heute mit Ausblick für 2045“, „Wasserstoff, E-Fuels und Co.“ oder „Verbrennung und Effizienz“.

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