Hochschule Albstadt-Sigmaringen Kommission soll Notenschummelei prüfen

Um ihren Ruf besorgt: die Hochschule Albstadt-Sigmaringen Foto: StZ
Um ihren Ruf besorgt: die Hochschule Albstadt-Sigmaringen Foto: StZ

Prüfungsaufgaben, die vorab bekannt waren, Noten, die auf Wunsch verbessert wurden – solche Vorwürfe lässt die Hochschule Albstadt-Sigmaringen jetzt von einer Kommission prüfen. Von weiteren Studenten und Absolventen werden sie bestätigt.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)
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Stuttgart - Der Verdacht der Notenschummelei an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen, der durch Recherchen der Stuttgarter Zeitung bekannt geworden war, soll jetzt gründlich aufgearbeitet werden. Die Hochschule hat dazu eine Kommission eingesetzt, die von dem angesehenen Freiburger Rechtsprofessor Manfred Löwisch geleitet wird. Sie soll „unter prüfungsrechtlichen Gesichtspunkten“ den Hinweisen nachgehen, dass ein Professor aus der Fakultät Informatik Prüfungsaufgaben vorab bekannt gegeben und Noten auf Wunsch verbessert habe. Dies teile die Rektorin Ingeborg Mühldorfer der StZ mit.

Der Kommission würden zudem nicht betroffene Mitglieder der betreffenden Studienkommissionen – also Vertreter von Professoren, Studierenden und Mitarbeitern – sowie Mitglieder des Dekanats und des Rektorats angehören. Ob sie selbst teilnehme und wer als befangen eingestuft werde, sei noch offen, sagte Mühldorfer. Das erste Treffen sei für diesen Freitag geplant. Bis Anfang Dezember sei der betroffene Professor um eine „detaillierte dienstrechtliche Stellungnahme“ gebeten worden. In die abschließende Bewertung solle ein „externer Gutachter“ einbezogen werden.

Aufklärung schon einmal versandet?

Die von einem anderen Professor sowie von Studenten und Absolventen erhobenen Vorwürfe sind der Hochschule zum Teil schon seit Monaten bekannt. Eine interne Untersuchung habe sie jedoch nicht erhärtet, hieß es zunächst. Weder habe sich bestätigt, dass konkrete Prüfungsaufgaben – und nicht nur gleichartige – vorab verraten worden seien, noch dass Noten auf Wunsch von Studenten bereitwillig verbessert wurden. Erst als der Professor über seinen Anwalt ein von etlichen Studenten unterzeichnetes Protokoll vorlegte, kam die Prüfung wieder in Gang. Bis heute sei kein Studierender an die zuständigen Gremien herangetreten, betonte die Rektorin. Dass man bei der bisherigen Aufarbeitung keine Studenten befragt habe, hatte sie mit ihrer „Fürsorgepflicht“ begründet. Da diese von mindestens einem der Dozenten abhängig seien, habe man eine mögliche Einflussnahme vermeiden wollen.

Mehrere weitere Studenten und Absolventen haben die Vorwürfe inzwischen vertraulich gegenüber der StZ bestätigt. Es sei schon früher üblich gewesen, dass Klausuren aus den zuvor geübten Aufgaben bestanden, berichteten sie. Seien Studenten mit ihrer Note gleichwohl nicht zufrieden gewesen, habe sich leicht eine bessere aushandeln lassen; die Betreffenden hätten damit teilweise sogar geprahlt. Bereits vor wenigen Jahren habe es einen Versuch gegeben, die Praxis in der Studienkommission aufzuarbeiten. Dies sei jedoch im Sande verlaufen, als in der Folge der betroffene Professor an den Sitzungen teilnahm. Als Hintergrund des Problems wird genannt, dass eine Teil der Studenten von Professoren als eigentlich „nicht studierfähig“ eingestuft werde. Sie müssten jedoch durchs Studium gebracht werden, weil „die Politik“ die Zahl der Hochschulabsolventen steigern wolle.

Studentenausschuss zeigt sich schockiert

In einem Rundschreiben hat die Rektorin inzwischen alle Dozenten, Studenten und Mitarbeiter aufgefordert, keine Fragen „von außen“ zu den Vorgängen zu beantworten; dies bleibe alleine ihr vorbehalten. Im Gegensatz zu machen Studenten will Mühldorfer dies nicht als „Maulkorb“ gewertet wissen.

Der Allgemeine Studierendenausschuss äußerte sich zu den Vorgängen derweil „sehr schockiert, dass so etwas an der Hochschule vorkommt“. Man hoffe auf eine sofortige Korrektur und auf vor allem auf die interne Untersuchung. Betroffen sei alleine die Fakultät Informatik, betonte der Asta gegenüber der StZ. Dies sei wichtig, damit nicht die gesamte Hochschule in ein schiefes Licht gerate.

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