Hochschule der Medien Allerlei mediale Helferlein kommen zur Welt

Von Torsten Schöll 

Bei der Media Night der HdM präsentieren 92 Teams ihre multimedialen Semester-Projekte. Darunter finden sich eine App für die Parkplatzsuche, ein besonderes Kinderbuch und eine Einfühl-App für Gesunde, die hilft, Leid nachzuempfinden.

Immer zum Semesterende präsentieren die HdM-Studenten der Öffentlichkeit ihre neuen Erfindungen Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Immer zum Semesterende präsentieren die HdM-Studenten der Öffentlichkeit ihre neuen Erfindungen Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Vaihingen - Wer in Stuttgart-West wohnt und mit dem Auto von der Arbeit nach Hause kommt, kennt das Problem: Bei der Heimkehr ist erst einmal Parkplatzsuche angesagt. Manchmal dauert die länger als die Fahrt zum Arbeitsplatz selbst. Diesem Problem hat sich im vergangenen Jahr eine interdisziplinäre Gruppe von acht Studenten der Hochschule der Medien (HdM) in Stuttgart-Vaihingen angenommen. Die Studenten haben ein App-unterstütztes System entwickelt, mit dem in Großstädten, in denen der Parkraum knapp ist, freie Parkplätze individuell ausfindig gemacht werden können. Das Projekt ist eines von 92, die Studierende der HdM zum Wintersemesterende am Donnerstag bei der Media Night im Hochschulgebäude in Vaihingen der Öffentlichkeit präsentiert haben.

Nützlich, unterhaltsam, sozial

Der Unterschied von „Parkspot – Parking Detector“, so der Name des neuen Parkplatzsuchsystems, zu bereits existierenden Parkleitsystemen, deren Kunden üblicherweise große Firmen oder Kommunen sind: „Die Nutzer selbst sind die Kunden der App“, erklärt die Studentin Teresa Reidt. Was es dazu braucht: Eine kostengünstige Internetkamera, einen nicht minder preiswerten Minicomputer – ein sogenannter Raspberry Pi – und die von den Studenten um die Professoren Wolfgang Gruel und Ansgar Gerlicher in Kooperation mit den Universitäten Gent und Amsterdam entwickelte App. „Die handelsübliche kleine Kamera wird zu Hause zum Beispiel am Fensterbrett installiert und überwacht eine definierte Anzahl an Parkplätzen vor dem Haus“, beschreibt Teresa Reidt die Funktion des Systems. „Die App meldet dann, ohne, dass das Bild der Straße selbst zu sehen ist, ob die Parkplätze frei sind oder besetzt. Man weiß dann sofort, ob man gleich woanders suchen muss.“ Der Clou: Sind erst einmal viele Nutzer überall in der Stadt durch die App digital vernetzt, kann man mit Hilfe des Programms sofort freie Parkplätze in der Nachbarschaft identifizieren. „Eine Automobilfirma hat bereits Interesse signalisiert“, so Gruel.

Die Media Night der HdM, in der die Studenten der unterschiedlichen Studiengänge ihre Semesterprojekte vorstellen, wirft ein Licht auf das breite Spektrum medialer Anwendungsmöglichkeiten: von Film bis App- und Webseitenentwicklung, von Computerspielen bis Sounddesigns. So entwickelte ein sechsköpfiges Team der Studiengänge Audiovisuelle Medien und Medieninformatik eine interaktive Bilderbuch-App für Kinder von vier bis sechs Jahren.

In Kooperation mit der Wirklichkeit

„Wie kann ich das klassische Kinderbuch in das neue digitale Medium übertragen?“, beschreibt die 23-jährige Studentin Marie Crämer die Aufgabenstellung. Heraus kam eine Bilderbuch-App, die die klassische Kinderbuchgeschichte vom kleinen Monster unterm Bett aus gleich zwei Perspektiven erzählt: aus Sicht des Mädchens Stella und aus Sicht des kleinen Monsters Spots. „Gleichzeitig bietet die App Leseunterstützung“, erklärt Crämer. Das Kind könne zwischen den beiden Perspektiven hin und her wechseln und dabei Aufgaben lösen. Die Geschichte, das Design, die Sounds – alles haben die Studenten selbst entwickelt.

Das wahrscheinlich spektakulärste Projekt der Media Night am Donnerstagabend war „Insights – Monster im Kopf“: eine multimediale 120 Quadratmeter große Installation einer Gruppe von Studenten der Studiengänge Audiovisuelle Medien und Medienwirtschaft. Ziel des Projekts war es, dass Besucher der Installation sich in die Welt von kranken Menschen mit Zwangsstörung und Migräne hineinversetzen können. „Die Idee kam uns, weil fast jeder in der Gruppe jemanden kennt, der eine unsichtbare Krankheit hat“, erzählt die Studentin Franziska Knoll. „Es ging darum, diese sicht- und erlebbar zu machen, um Verständnis zu wecken.“ Die Studenten kooperierten dabei mit Ärzten und Betroffenen. Die Installation besteht aus einer Folge von Räumen, ähnlich derer von Escape-Spielen, in denen der Besucher durch visuelle und akustische Simulationen in zum Teil drastischer Weise in die Gedankenwelt eines Menschen mit Zwangsstörung abtaucht. Im Hintergrund werden die automatisierten Abläufe der Installation von einer softwaregestützten Regie überwacht, wie sie auch bei großen Showveranstaltungen zum Einsatz kommt.

Die Media Night der HdM in Vaihingen findet stets am Semesterende statt, bevor die Studenten in die Prüfungsphase gehen. Die nächste findet Ende Juni statt.

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