Hochschule Esslingen Kita schließt wegen mangelnder Nachfrage

Diese Räume bleiben bald leer. Die „Krabbelmäuse“ stellen ihren Betrieb ein. Foto:  

Betreuungsplätze werden überall in der Region händeringend gesucht. In Esslingen schließt jetzt die Kita „Krabbelmäuse“. Nicht etwa, weil es an Personal mangelt – sondern an Kindern. Das sind die Hintergründe.

Reporterin: Simone Weiß (swe)

Kita-Plätze sind rar. Esslingens Oberbürgermeister Matthias Klopfer hatte im Rahmen der Einwohnerversammlung in Oberesslingen jüngst bereits angekündigt, dass das Kinderbetreuungsangebot in der Neckarstadt infolge des Personalmangels nicht mehr im bisherigen Umfang aufrecht erhalten werden könne. Bei der Kita „Krabbelmäuse“ am Standort Flandernstraße der Hochschule Esslingen dagegen fehlt es nicht an Fachkräften – sondern an Kindern. Die Einrichtung stellt ihren Betrieb wegen zu geringer Nachfrage Ende August ein.

 

Das „große Krabbeln“ ist längst vorbei

Hoher Bedarf auf der einen, die Schließung von Einrichtungen auf der anderen Seite – wie passt das zusammen? Anita Bauer, die Sprecherin des Studierendenwerks Stuttgart, das die Kita „Krabbelmäuse“ betreibt, nennt Gründe für das Aus. Das „große Krabbeln“ gebe es dort schon seit einigen Jahren nicht mehr. Die Nachfrage nach Kita-Plätzen in der Flandernstraße ist ihren Angaben zufolge rückläufig, die Entscheidung zur Schließung sei unausweichlich. Die Belegung der zehn Krippenplätze gestaltet sich ihren Angaben zufolge schon seit einigen Jahren schwierig. Oft sei nicht einmal die Hälfte der Betreuungsplätze mit Kindern von Studierenden belegt gewesen, teils seien Plätze sogar frei geblieben. Die schwache Nachfrage habe die Finanzierung des Angebots erschwert. Zu Entlassungen werde es wegen der Schließung aber nicht kommen. Zwei feste Mitarbeiterinnen und eine Anerkennungspraktikantin sind in der Flandernstraße tätig: „Die Leiterin der Kita sowie die pädagogische Fachkraft wechseln in eine unserer Einrichtungen nach Stuttgart.“

Die zehn Plätze des eingruppigen Kindergartens, der montags bis freitags von 7.30 bis 16.30 Uhr geöffnet hat, werden laut Bauer vorrangig an Kinder von Studierenden vergeben. Vorzug hätten dabei Kinder, deren Geschwister bereits die Kita besuchten, sowie Kinder von Alleinerziehenden: „Bleiben Plätze frei, können sich Nicht-Studierende bei uns bewerben, insbesondere auch Hochschulbedienstete.“ Aber hätte die Kita in der Flandernstraße durch eine Vergabe der Plätze an Kinder von Nicht-Studierenden nicht erhalten werden können?

„Für Kitas sind Kommunen zuständig“

Dieser Wechsel in der Betreuungsstruktur ist laut Bauer nicht möglich. Die Sprecherin verweist auf unterschiedliche Zuständigkeitsbereiche, gesetzlich geregelte Aufgabenstellungen und besondere Finanzierungsmodelle. Studierendenwerke seien soziale, nichtprofitorientierte Einrichtungen des Landes und per Gesetz mit der sozialen Betreuung und Förderung von Studierenden beauftragt. Das Kita-Angebot richte sich daher speziell an studentische Eltern. Für nicht-studentische Plätze seien die Elternbeiträge zwar entsprechend höher, die Kosten seien aber – trotz der Zuschüsse durch die Stadt – nicht gedeckt. Da Studierende jedes Semester solidarisch mit ihrem Studierendenwerksbeitrag einen Teil der Grundfinanzierung tragen, kämen diese Gelder ausschließlich Studierenden zu Gute: „Wir dürfen sie nicht nutzen, um ein Kita-Angebot für überwiegend Nicht-Studierende zu finanzieren“, so Anita Bauer. „Der Unterhalt von Kitas fällt in unserem föderativen Staat den Kommunen zu.“ Die Länder seien dagegen für die Hochschulbildung zuständig.

Bauer verweist bei den Gründen für die Schließung der Kita zudem auf den für August 2025 geplanten Umzug des Hochschulstandorts Flandernstraße an den gerade entstehenden Campus in der Neuen Weststadt: „Dann hätten wir die Kita spätestens schließen müssen.“ In der Neuen Weststadt gebe es mehrere Kitas in kommunaler Verantwortung.

Mit dem Ende der „Krabbelmäuse“ wird das Angebot in der Flandernstraße weiter ausgedünnt. Die angedachte Schließung der dortigen Mensa hatte bereits für Schlagzeilen gesorgt. Doch Rektor Christof Wolfmaier hatte im Interview mit unserer Zeitung jüngst zugesichert, dass es für Studierende an dem Standort auch in Zukunft mehr geben werde „als eine Pommesbude“.

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