Gesucht werden nicht nur Interessenten für Mathe, sondern auch für Fächer wie Infrastrukturmanagement, Klima-Engineering, Vermessung und Geoinformatik sowie Wirtschaftsingenieurwesen. Für die braucht man auch Mathe, und die schwächeln ebenfalls. Doch weshalb? „Mathe polarisiert“, sagt Brunk. „Und es gilt als eher schwieriges Studium.“ Dabei seien die Berufsaussichten „hervorragend“, etwa in der Versicherungsbranche. Aber die Abbrecherquote liege bei 40 bis 50 Prozent und damit eben auch höher als in anderen Fächern. „Manche scheitern, weil sie sich das Fach anders vorgestellt haben“, sagt Brunk.
Vielen G8-Absolventen fehlt die Rechenroutine
Auch seien die Voraussetzungen der Studierenden sehr unterschiedlich. Zum einen führe G8 dazu, dass vielen Gymnasialabsolventen die Rechenroutine fehle – „die können die tollsten Integrale, aber die können die Rechnung nicht zu Ende rechnen“, stellt der Matheprof fest. Die Studierenden jedoch, die im Gymnasium einen Mathe-Vertiefungskurs besucht hätten, seien „deutlich besser als die anderen“. Leute aus dem Berufskolleg hätten oft noch mehr Schwierigkeiten. Aber, so der Studiendekan: „Wer bei uns das Grundstudium (erstes und zweites Semester) schafft, schafft zu 90 Prozent auch das Studium.“
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Das größte Durchhaltevermögen bewiesen allerdings die Teilnehmer am Mathe-hoch-zwei-Programm, das 2018 gestartet war. Diese Studierenden arbeiten neben ihrem Vollstudium an der HFT von Anfang an in einer Partnerfirma und absolvieren ihren Bachelor dafür in acht statt sieben Semestern. Zu hohe Belastung? Das findet Daniela Daiß eher nicht. Die 30-Jährige studiert Mathe-hoch-zwei im sechsten Semester, arbeitet bei einer Softwareberatungsfirma in Stuttgart und kann beides wegen der flexiblen Arbeitsbedingungen gut kombinieren. „Ich wollte mein Studium selber finanzieren – da war Mathe-hoch-zwei wie gemacht für mich“, sagt sie. Das sei nicht nur „eine bequeme Art des Geldverdienens, sondern auch eine Riesenmotivationshilfe für mich“.
Weshalb Daniela Daiß mit Mathe „sehr glücklich“ ist
Dabei habe sie sich ein Mathestudium trotz guter Schulnoten nicht zugetraut: „Ich habe gedacht, man muss da voll der Crack sein – so hab ich mich nicht gesehen“, sagt Daniela Daiß. Und erst mal mit dem als hipper geltenden Informatikstudium angefangen. Ihr Prof habe ihr dann dazu geraten, auf Mathe umzuschwenken. Und jetzt? „Ich bin damit sehr glücklich“, sagt sie. Wie erklärt sie das anderen? „Ich möchte den Dingen auf den Grund gehen. Bei Mathe kann man Dinge von Grund auf verstehen, und man weiß auch, weshalb man eine Gleichung lösen kann.“ Natürlich müsse man sich gut organisieren können, Lust aufs Lernen haben, Durchhaltevermögen – „und Fleiß, das braucht man auch für Mathe“, sagt Daiß. Dass das Fach bei vielen so unbeliebt sei, liege wohl auch daran, „dass man die beruflichen Chancen zu wenig kennt“, meint sie.
Von den 20 Teilnehmern bei Mathe-hoch-zwei habe nur einer abgebrochen, drei seien auf den regulären Bachelor umgeschwenkt, berichtet Brunk. Umgekehrt wollten aber auch einige nach dem Grundstudium ins Mathe-hoch-zwei wechseln. An interessierten Firmenpartnern fehle es nicht. 19 Unternehmen machten mit. Nun denke man darüber nach, dieses Modell auch in anderen Fächern anzubieten. Denn, so Brunk: „Wir haben viele Studierende, die drauf angewiesen sind, ihr Studium zu finanzieren.“
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Mathe-Cup soll Schüler in die Hochschule locken
Um überhaupt mehr Interessenten zu locken, hat sich die HFT verschiedene Maßnahmen ausgedacht. „Wir wollen den Studiengang noch mehr nach aktuellen Themen ausrichten, etwa KI oder Data Analytics – KI zieht“, meint Brunk. „Und wir wollen die angewandte Schiene noch deutlicher machen.“ Und zwar per Namensänderung: Statt Mathematik soll es künftig „Angewandte Mathematik“ heißen. Und erstmals seit der Pandemie soll dieses Jahr wieder ein Mathe-Cup für Schüler steigen: am 21. Juli – live. „Wir wollen ja, dass die Schülerinnen und Schüler Hochschulluft schnuppern und einen Austausch haben“, so Brunk, „das ist durch ein Online-Format nicht zu ersetzen.“
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