Hochschule Nürtingen Das Problem sitzt meistens im Sattel

Von Philipp Braitinger 

Er bildet sogar die königlichen Pferde von Queen Elizabeth II. aus. Der US-amerikanische Pferdeflüsterer Monty Roberts erklärte bei einem Kamingespräch an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen, wie man das Vertrauen der Reittiere in kurzer Zeit erlangt und wie man sie gewaltfrei erzieht.

Monty Roberts war einst das Stuntdouble der Schauspielerin  Elizabeth Taylor, Foto: Rudel
Monty Roberts war einst das Stuntdouble der Schauspielerin Elizabeth Taylor, Foto: Rudel

Nürtingen - Dieser Mann hat eine große Mission. Er möchte die Welt besser machen. Unermüdlich reist Monty Roberts deshalb von seiner Farm in Kalifornien um den Globus, um für eine gewaltfreie Erziehung von Pferden zu werben. Er hoffe, dass er seine Kenntnisse der nachfolgenden Generation an die Hand geben könne, erklärte der 82-Jährige am Montag bei einem Kamingespräch der Fakultät Pferdewirtschaft der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen (HfWU). Gewalt sei nie eine gute Lösung. Er selbst sei als Kind von seinem Vater oft mit einer riesigen Gürtelschnalle geschlagen worden, berichtete Roberts während seines Vortrags auf Englisch.

Sein Buch wurde zur Vorlage des Streifens „Der Pferdeflüsterer“

Bekannt wurde der ehemalige Rodeoreiter, Pferdezüchter und das Stuntdouble von Elizabeth Taylor durch seine Arbeit mit traumatisierten und verhaltensauffälligen Pferden. Sein Buch „Der mit den Pferden spricht“ wurde zur Vorlage des Kinostreifens „Der Pferdeflüsterer“ mit dem Schauspieler Robert Redford. Und Queen Elizabeth II. lädt Roberts immer wieder nach Windsor ein, um ihre königlichen Pferde auszubilden.

Beim Kamingespräch an der Nürtinger Hochschule reichten die zweihundert Sitzplätze bei Weitem nicht aus. Einige der nahezu ausschließlich weiblichen Besucher, die an diesem Abend ihr Glück ohne Anmeldung versuchten, lauschten dem Vortrag Roberts vom Foyer aus.

Wie brutal die Erziehung von Pferden zuweilen auch heute noch ist, zeigte der 82-Jährige in einem Video. Darin war zu sehen, dass Pferde in Südamerika so lange geschlagen und in ihrem Gehege aufgeschreckt werden, bis sie so geschwächt sind und sich nicht mehr wehren können, dass dann ein Reiter auf den Rücken steigen kann. In der Fachwelt werde davon gesprochen, dass das wilde Pferd erst einmal „gebrochen“ werden müsse, bis es zugeritten werden könne. Dies dauere in der Regel vier bis sechs Wochen. Und so sei es sechstausend Jahre gemacht worden. Roberts möchte es anders machen. Er plädiert dafür, eine Partnerschaft zu dem Pferd aufzubauen, statt es zu brechen. Damit gelinge es wesentlich schneller, ein Pferd zu zähmen. Ein weiteres Video zeigt, wie Roberts in weniger als einer Stunde ein wildes Pferd dazu bringt, dass es ihn nicht abwirft als er auf ihm reiten will.

Blick in die Augen signalisiert Pferden Gefahr

Um die Pferde besser zu verstehen, habe er ihr Verhalten studiert. Dazu habe er wilde Mustangs beobachtet, berichtet der Redner. Wohl wegen seiner Gewalterfahrung als Kind und Jugendlicher habe etwas in ihm danach verlangt, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen. Der Pferdeflüsterer zeigte in einem Video, wie er das Vertrauen des Pferdes innerhalb kurzer Zeit erlangt. Dabei streichelt er es, flüstert dem Tier beruhigend zu und schaut ihm vor allem nicht in die Augen. In der Natur signalisiere ein fixierender Blick den Pferden eine Gefahr, so Roberts. In der Regel seien es Raubtiere, die ihre Beute vor einem Angriff mit den Augen fixierten. Und noch etwas habe er von den Huftieren gelernt. Auch wenn Pferde nicht wie Menschen sprechen könnten, so hätten sie doch eine Fähigkeit, sich mit ihrer Körpersprache auszudrücken.

Kritiker von Roberts monieren, dass die gewaltfreie Erziehung von Pferden kein Hexenwerk sei und Roberts sie nicht erfunden habe. Seine Fans stört das nicht. Nach dem Vortrag in Nürtingen gab der 82-Jährige umringt von zahlreichen begeisterten Zuhörern Autogramme wie ein Superstar. Die Methode des Streichelns und Zuredens funktioniere sogar mit Menschen, die noch nie etwas mit Pferden zu tun gehabt hätten, sagt der 82-Jährige. In den USA arbeitet Roberts mit traumatisierten Veteranen, die er unter Anleitung wilde Pferde zähmen lässt. „Jeder Wissenschaftler würde sagen, dass das unmöglich ist“, sagte er. Doch es sei möglich. Notwendig sei dafür neben der Fähigkeit, die Körpersprache der Pferde lesen zu können, ein Weg der Verständigung auf einer metaphysischen Ebene. Wenn ein Pferd Probleme bereite, liege das immer an den Menschen und nicht am Pferd.




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