An der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) werden im Sommersemester Studierende zu Ersthelfern für mentale Gesundheit ausgebildet. Warum das nötig ist.

Reporter: Elke Hauptmann (eh)

Erste-Hilfe-Kurse für körperliche Notfälle gibt es reichlich. Was aber, wenn die psychische Verfassung an Grenzen kommt? Wie die Unterstützung in einer solchen akuten Notlage aussehen kann, wird künftig an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) Nürtingen-Geislingen vermittelt.

 

Nach Mitteilung der Hochschule hat eine groß angelegte Umfrage unter den Studierenden ergeben, dass fast zwei Drittel von ihnen „generell ein niedriges Wohlbefinden“ aufweist. Unter Frauen und Menschen mit Betreuungsaufgaben zu Hause ist der Anteil noch höher. „Hier gibt es einen Bedarf, das zeigte sich ganz deutlich“, sagt Anna Rosenkranz vom Projektteam der Hochschule. Ihm gehören noch die Studentin Ramona Nitschke und Professor Michael Reiher, der Dekan des Studiengangs Gesundheits- und Tourismusmanagement, an.

Mit dem Start des Sommersemesters sollen an beiden Standorten der Hochschule, in Nürtingen und Geislingen, Studierende zu Ersthelfern für mentale Gesundheit ausgebildet werden. Sie sollen künftig ihren Kommilitonen bei psychischen Problemen zur Seite stehen. „Der partizipative Ansatz – von Studierenden für Studierende – ist uns besonders wichtig“, erläutert Rosenkranz, die an der HfWU als Gesundheitsmanagerin arbeitet. In der Ausbildung zum Ersthelfer gehe es vor allem darum, die Gesprächsführung mit belasteten Personen zu lernen und auf weitere Angebote und Anlaufstellen hinweisen zu können.

Anna Rosenkranz, Gesundheitsmanagerin an der HfWU, gehört dem Projektteam an. Foto: HfWU

Übergeordnetes Ziel des Projekts ist „die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen“, betonen die Initiatoren. Die Ausbildung von psychosozialen Ansprechpartnern soll dazu beitragen, „ein Umfeld zu schaffen, in dem Betroffene auf Verständnis und Unterstützung stoßen und psychische Gesundheit als selbstverständlicher Bestandteil des Hochschullebens wahrgenommen wird“.

Ähnliche Programme werden bereits an mehreren deutschen Hochschulen angeboten. Den Start im Sommersemester sieht das HfWU-Team dennoch als Pilotprojekt – und schon vor dem Beginn hat der Senat der Hochschule die Initiative mit dem diesjährigen „Innovationspreis“ gewürdigt. Eine Ausweitung des Angebots auf Mitarbeitende der Bildungseinrichtung ist bereits in Planung.