An deutschen Universitäten und Hochschulen studieren im Schnitt mehr Frauen als Männer. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Analyse des bundesweit aktiven Verbraucherschutzvereins Berlin/Brandenburg (VSVBB). Doch die Umfrage, bei der 42 der größten Universitäten und Hochschulen zu ihrem Frauenanteil befragt wurden, kommt auch zu dem Ergebnis, dass die Kluft zwischen den Geschlechtern in der Forschungslandschaft nach wie vor besteht. Denn vor allem die Professuren sind zu einem Großteil von Männern besetzt.
Gehen die Hochschulen im Kreis Esslingen mit gutem Beispiel voran oder reihen sie sich in den bundesweiten Durchschnitt mit ein? An der Hochschule Esslingen sitzen deutlich mehr Männer als Frauen im Vorlesungssaal. Im diesjährigen Sommersemester waren insgesamt 5914 Studierende eingeschrieben, 30 Prozent davon waren weiblich. Ihre Fächer können die Studierenden in sechs Fakultäten wählen. Die Fakultät Soziale Arbeit, Bildung und Pflege (SP) ist die einzige, in der mehr Frauen als Männer studieren. Mit Blick auf den bundesweiten Durchschnitt ist das aber keine Seltenheit: 80 Prozent der Studierenden in den Fächern Pflegewissenschaft, Erziehungswissenschaft und soziale Arbeit sind weiblich.
Studienfachwahl weiterhin traditionell
Der hohe Männeranteil an der Hochschule Esslingen liegt vermutlich an dem Fächerangebot, das die Studierenden wählen können, denn dieses besteht zum Großteil aus Fächern im technischen und naturwissenschaftlichen Bereich – und laut dem statistischen Bundesamt entspricht die Studienfachwahl junger Menschen in vielen Fällen weiterhin traditionellen Rollenmustern. Mit knapp neun Prozent ist der Frauenanteil in der Fakultät Mobilität und Technik (MT) am geringsten. Um mehr junge Frauen für die männlich geprägten Fächer zu begeistern, nimmt die Hochschule Esslingen beispielsweise am Girls’ Day und an der Girl’s Academy teil – Projekte die die Gleichstellung in allen Berufen zum Ziel haben.
Und wie steht es um die, die vor den Bänken im Vorlesungssaal stehen? Auch bei den Professoren ist die Hochschule Esslingen von der Gleichstellung weit entfernt: Nur jede vierte Professur ist von einer Frau besetzt und wieder ist es die Fakultät SP, in der es die meisten Frauen gibt (76 Prozent). In der Fakultät MT hingegen wird ausschließlich von Männern gelehrt.
Bei der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geißlingen (HfWU) ist der Zustand in Sachen Professur ähnlich. Die HfWU ist sich dessen bewusst und um das Verhältnis auszugleichen, wird aktiv nach Kandidatinnen für Ausschreibungen von Professuren gesucht, teilte Udo Renner, stellvertretender Leiter der Hochschulkommunikation mit. Außerdem nehme die Hochschule am Mentoring Programm mit dem Titel Traumberuf Professorin teil.
Unter den Studierenden ist die Geschlechterverteilung deutlich ausgeglichener als in Esslingen: Im vergangenen Wintersemester haben mit 54 Prozent sogar mehr Frauen als Männer an der HfWU studiert. Ein besonderer Fall ist das aber nicht, denn der Frauenanteil unter den Studierenden hat sich in den vergangenen fünf Jahren kaum verändert. Damit entspricht die Hochschule in Nürtingen-Geißlingen dem bundesweiten Durchschnitt.