Hochschulfinanzierung in Baden-Württemberg Olschowski will starke Forschung und attraktive Studiengänge sichern

Forschungsministerin Petra Olschowski will mit den Hochschulen auch die Wirtschaft im Land stärken. Foto: dpa/Marijan Murat

Die Qualität der Forschung stärken, die Studienkapazitäten erhalten und attraktive Studiengänge schaffen – das sind die Hauptziele des neuen Hochschulfinanzvertrags.

Politik/Baden-Württemberg : Bärbel Krauß (luß)

Die Landesregierung stellt die Hochschulfinanzen für die nächsten fünf Jahre auf eine sichere Basis. Ziel ist, die Qualität des Wissenschaftsstandorts weiter auszubauen, die Studienkapazitäten wegen der hohen Nachfrage nach akademisch qualifizierten Fachkräften stabil zu halten und Voraussetzungen für eine Modernisierung der Studiengänge zu schaffen. Dabei wird die Grundfinanzierung der Universitäten, der angewandten und dualen Hochschulen im Südwesten ab 2027 jährlich um 3,5 Prozent aufgestockt. Das hat unsere Redaktions vorab aus dem Wissenschaftsministerium erfahren. Das Land hat außerdem zugesagt, die vereinbarten Personalkosten auch bei künftigen Tarifverträgen zu hundert Prozent zu übernehmen. Geregelt wird das alles in der dritten Hochschulfinanzierungsvereinbarung, die den Zeitraum von 2026 bis 2030 umfasst und an diesem Mittwoch unterschrieben werden soll.

 

2026 bleibt die Grundfinanzierung stabil

Die Vereinbarung zum Personal ist für die Hochschulen ein wichtiger Faktor, da die Personalkosten laut Ministerium etwa 80 Prozent der Hochschuletats ausmachen. Bei der Grundfinanzierung sollen Universitäten sowie duale und angewandte Hochschulen 2030 rund 700 Millionen Euro mehr zur Verfügung haben, als beim Auslaufen des Vorgängervertrags im Jahr 2025. 2026 gibt es allerdings keine Erhöhung der Grundfinanzierung. Rund 200 Millionen Euro der gesamten Summe sind laut Wissenschaftsministerium zusätzliche Mittel. Außerdem will das Land die Voraussetzungen für eine Modernisierung der Studienangebote in Baden-Württemberg schaffen. Mit einem 180 Millionen Euro umfassenden „Zukunftsprogramm Hochschulen 2030“ setzt Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (Grüne) einen besonderen Akzent bei der Weiterentwicklung der Studienangebote. Die Studiengänge sollen attraktiver werden und möglichst rasch an die sich verändernde Nachfrage der Studieninteressierten, der Wirtschaft und in der Gesellschaft angepasst werden.

Das Programm ist zweigeteilt. Mit einem „Transformationsbudget“ sollen die Studienangebote aller Hochschularten verbessert werden. Außerdem soll es sogenannte Transformationsstellen für rund hundert Professuren samt Ausstattung geben. Die zusätzlichen Stellen wertet Petra Olschowski als bundesweit einmalig und besonders attraktiv. „Mit diesen Stellen ermöglichen wir den Hochschulen, die Herausforderungen der Transformation, die sich auch im Wissenschaftsbereich stellen, gezielt, wirksam und schnell anzugehen“, betont die Grünen-Politikerin. Über diese zusätzlichen Stellen werde es für die Hochschulen möglich, „dass sie Professuren vorziehen können, um neue Schwerpunkte in Lehre und Forschung schneller voranzutreiben und ihre jeweiligen Portfolios an Studiengängen weiterzuentwickeln“.

Schwierige Haushaltsbedingungen

Insgesamt umfasst die neue Vereinbarung zwischen den Hochschulen und dem Land laut Ministerium ein Volumen von rund 23 Milliarden Euro. Olschowski spricht von einem „deutlichen Aufwuchs der Finanzmittel“ für die gesamte Hochschul- und Forschungslandschaft in Baden-Württemberg. Dies sei angesichts der schwierigen Haushaltsbedingungen „keine Selbstverständlichkeit“.

Während der Beratungen über den aktuellen Doppeletat im vergangenen Jahr gab es Proteste von Studierenden und Kritik von Hochschulvertretern. Sie befürchteten, dass es trotz der geplanten nominellen 3,5-Prozent-Steigerung bei der Grundfinanzierung, wegen der Belastungen durch Inflation und steigenden Energiekosten de facto zu schrumpfenden Finanzspielräumen an den Hochschulen kommt. Olschowski hat sich stets gegen diese Vorwürfe gewehrt.

„Stärkung im internationalen Wettbewerb“

„Wir stärken die Hochschulen mit dieser Vereinbarung im landesweiten, nationalen und internationalen Wettbewerb um Lehre, Forschung und Transfer“, betont Olschowski jetzt. „Gerade in Krisenzeiten müssen wir in die Erfindungskraft der Hochschulen investieren, damit dort an Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit gearbeitet werden kann.“ Auf diese Weise will die grün-schwarze Landesregierung auch zur Sicherung des Wirtschaftsstandorts beitragen. „An den Hochschulen werden zahlreiche Startups gegründet. Neue Unternehmen entstehen, die innovative Produkte und Technologien entwickeln und verkaufen“, erklärt Olschowski. „Das sichert unseren Wohlstand und die Technologieführerschaft im Land.“

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