Hochschulsport in Stuttgart Tauchen, tanzen und Tu Thân

Von Fiona Herdrich 

Das Angebot des Stuttgarter Hochschulsports ist groß, denn hier treffen Studenten mit unterschiedlichsten Hobbys aufeinander und bieten Kurse an.

Den brasilianischen Tanz Forró kann man beim Hochschulsport lernen. Foto: Fiona Herdrich
Den brasilianischen Tanz Forró kann man beim Hochschulsport lernen. Foto: Fiona Herdrich

Stuttgart - Egal ob alleine, zu zweit oder in einer Mannschaft: Der Stuttgarter Hochschulsport bietet ein breites Kursangebot für jeden Geschmack. Viele Studenten leiten hier die Kurse und bringen anderen ihre Sportart näher.

Tauchkurs in Vaihingen

Der Tauch- und Schnorchelkurs hat im Sommersemester 2014 Premiere beim Stuttgarter Hochschulsport. Zuerst wollte Timo, der selbst Sportstudent ist, diesen Kurs zusammen mit dem Sportinstitut für seine Kommilitonen auf die Beine stellen. Als das nicht klappte, wandte er sich an den Hochschulsport. Er selbst hat seinen Tauchschein nach dem Abitur gemacht, wollte Tauchen und dabei viel Reisen. Da das aber zu teuer war, entschloss er sich, Tauchlehrer zu werden.

Sein Sport führte ihn schon um die halbe Welt nach Spanien, Ägypten und Indien. Im Stadtbad Vaihingen lernen die Kursteilnehmer jetzt von Timo und seinem Assistenten Tobias verschiedene Schnorcheltechniken. Auch ein Theorieteil mit einem kurzen Quiz gehört immer dazu, denn die meisten wollen im Sommer ihren Gerätetauchschein machen. Dafür gibt es dann nochmal Extra-Kurse mit Übungen im Schwimmbad und Freiwassertauchgängen am Bodensee.

Vietnamesische Kampfkunst made in Stuttgart

Tu Thân ist vietnamesisch und bedeutet „sich verbessern“. Die Kampfsportart ist in den 70er-Jahren im Stuttgarter Hochschulsport entstanden. Die Atmosphäre im Kurs ist locker und familiär. Jonathan und Eberhard trainieren an diesem Abend die Gruppe. „Aber im Grunde lernt jeder von jedem“, erklärt Jonathan. Es ist kein Kampfsport, der von Hierarchien dominiert wird und in dem die Schüler nur steif dem Lehrer gehorchen müssen. Der Partner ist nicht der Gegner.

Es besteht keine Absicht, jemanden zu verletzten. Jonathan hat Tu Thân von seinem Vater gelernt. Dieser stammt aus Vietnam und hat in den 70ern Taekwondo für den Hochschulsport unterrichtet. Dann merkte er, dass es für ihn und seine Mittrainierenden nicht optimal war. Also entwickelte er mit seinem Freund Eberhard Tu Thân. Jonathan ist mit diesem Sport aufgewachsen, richtig zu schätzen lernte er das aber erst mit 16, nachdem er andere Kampfsportarten ausprobiert hatte. Tu Thân spielte im Familienalltag eine große Rolle. „Der Tu-Thân-Kämpfer ist aufmerksam und erkennt, wenn er helfen sollte die Spülmaschine auszuräumen“, beschreibt Jonathan.

Jonathan studiert Physik. Meistens hilft ihm das, sich die mechanischen Vorgänge der Kampfkunst besser vorzustellen. „Man lernt viele der Bewegungen gut, indem man sich Bilder dazu ausdenkt. Da hilft es aber auch, künstlerisch veranlagt zu sein, dafür muss man nicht Physik studieren.“ Tu Thân kennt keine unterschiedliche Gürtelfarben. Das ist Teil der flachen Hierarchien dieses Kampfsports. Jonathan hat keine Prüfung abgelegt, sondern den Kurs von seinem Vater „geerbt“. Nach und nach hat er beim Training mehr Verantwortung bekommen. Heute plant Jonathan die Stunde meistens im Zug oder im Auto. Was im Training gemacht wird, ist ganz tagesformabhängig. Mittlerweile gibt es Tu Thân nicht nur im Stuttgarter Hochschulsport, sondern auch in Hannover. Kommen kann jeder, der Lust hat. Das einzige, was man mitbringen sollte, ist Spaß an Bewegung.

„Den Bauch noch mehr anspannen“ im Bodyworkout

In Svenjas Bodyworkout tummelt sich ein gemischtes Publikum, Männer und Frauen jeden Alters, Studenten und Mitarbeiter der Uni. Denn es ist kein nullachtfünfzehn Bauch-Beine-Po-Training, das man auch in jedem Fitnessstudio haben kann. „Ich möchte den Teilnehmern Anregungen für Zuhause mitgeben. Sie sollen Kondition aufbauen und etwas aus dem Kurs mitnehmen, das sie im Alltag auch brauchen können“, sagt die ehemalige Sportstudentin. Den Kurs zu leiten gibt ihr einen Ausgleich zu ihrem Geschichts- und Germanistikstudium und ihrem Hobby Turniertanz. Sie hat Spaß am Sport, das merkt man.

Den Fitnesskurs hat Svenja vor drei Jahren von einer Kommilitonin übernommen. „Am Anfang war es komisch, plötzlich vor 60 Leuten zu stehen und mit ihnen zu trainieren. Damals habe ich noch richtig viel aufgeschrieben und einen Trainingsplan gemacht. Heute habe ich ein ganzes Repertoire an Übungen.“ Mit Stepper, Hanteln und Musik powern sich die Teilnehmer hier aus. Als Trainer muss man schon ein gewisses Talent zum Entertainer mitbringen. „Die Leute merken sofort, wenn man mal einen schlechten Tag hat“, erzählt Svenja. Inzwischen kennt sie aber die Leute, die immer wieder kommen.

Gemeinsam brasilianisch tanzen

Wiederholungstäter sind auch beim Forró gefragt. Der brasilianische Paartanz ist in seinem Herkunftsland sehr beliebt. „Forró ist in Brasilien ein Fest. Man kommt mit seinen Freunden zusammen und tanzt“, erklärt Tanzlehrer Jaduam. Seine Familie organisiert in Stuttgart Forró-Partys und -Festivals. Die Stuttgarter Forró-Szene sei die größte in Europa. Viele Tanzlehrer aus Brasilien kommen zu Festivals hierher. Von ihnen hat Jaduam gelernt, Forró zu unterrichten.

Bei so einer Gelegenheit hat er auch seine Tanzpartnerin Ana kennengelernt. Die Georgierin und der Brasilianer studieren zusammen, wohnen zusammen und leiten zusammen den Forró-Tanzkurs im WG West. Forró ist einfach zu lernen, trotzdem ist es für geübte Tänzer am Anfang etwas ungewohnt. Man tanzt viel enger zusammen, als man das von Chachacha und Foxtrott kennt. Das fällt vor allem Europäern schwer. Darum achten Jaduam und Ana sehr auf Technik und Führung.

Die Reihenfolge der Figuren baut aufeinander auf. Schließlich soll jeder gut mitkommen. Einen Tanzpartner braucht man nicht mitbringen. In der Regel findet jeder einen Tanzpartner und durch ständige Partnerwechsel darf jeder mal mit jedem tanzen. Ungewöhnlich ist auch, dass die Damen flache Schuhe tragen. „Die Gefahr, sich auf einer vollen Party am Absatz zu verletzen ist einfach zu groß. Außerdem ist man ohne viel leichter und beweglicher, schwebt sozusagen auf der Fußspitze“, sagt Ana. Forró ist ein Sport, der die Leute zusammenbringt. Wer nach dem Kurs Lust auf eine solche Party hat, kann sonntags um 18.30 Uhr ins 7 Grad auf der Theodor-Heuss-Straße kommen. Hier wird für Anfänger auch nochmal ein Schnupperkurs angeboten.

Beim Hochschulsport ist für jeden etwas dabei. Gegen eine kleine Kursgebühr kann man das ganze Semester über kommen. Das volle Kursangebot, alle Preise und noch mehr Informationen gibt’s unter hochschulsport.uni-stuttgart.de

Dieser Text ist im Rahmen eines Projekts zum Thema "Studieren in Stuttgart" in Zusammenarbeit mit der Macromedia-Hochschule in Stuttgart entstanden. Alle Beiträge der Journalistik-Studenten gibt es auf unserer Themenseite.