Hochwasser im Landkreis Göppingen Feuerwehren schützen vor den Fluten

Hochwasseralarm: Blick von der Göppinger Jahnstraße, die mit Sandsäcken gesichert ist, auf die Fils und den Bahnhof. Foto: Staufenpress

Die Fils ließ sich zwischen Wiesensteig und Geislingen kaum bändigen. Die B 466 war stellenweise geflutet, Häuser wurden evakuiert. In Göppingen wurde das Obdachlosenheim am Fluss geräumt. Auch am Bahnhof war der Pegel hoch.

Das Hochwasser am Wochenende hat die Feuerwehren und Anwohner von Fils und Nebenflüssen in Atem gehalten. Nahezu alle Gemeindefeuerwehren waren im Einsatz. Ein Schwerpunkt: das obere Filstal. Dort war die Fils von Wiesensteig bis Deggingen kaum zu bändigen. In Gosbach, Bad Ditzenbach und Deggingen waren alle drei Ortsverbände des Technischen Hilfswerks mit 125 Ehrenamtlichen im Einsatz, berichtet das Landratsamt.

 

In Gosbach waren Leute von der Außenwelt abgeschnitten. Häuser wurden evakuiert, Wasser lief in einen Supermarkt. Die B 466 war stellenweise überspült. In Geislingen soll die Feuerwehr eine Familie mit dem Schlauchboot aus der Überflutungszone geholt haben. In Geislingen stand einiges unter Wasser, so auch der Biergarten des Turnvereins Altenstadt. Die Feuerwehr griff zu Sandsäcken und großen aufblasbaren Barrieren, wie anderswo auch. „Unsere Arbeit konzentriert sich momentan darauf, mit Sandsäcken zahlreiche Gebäude zu schützen“, berichtete Kreisbrandmeister Michael Reick am Samstagabend. „Besondere Gefahrenstellen in Kellern waren auch durch aufgeschwemmte Öltanks zu verzeichnen.“

Wohnzellen für Obdachlose in Gefahr

Auch in Göppingen griff das Hochwasser am Wochenende nach Gebäuden. „Was meinen Sie, wie das hier weitergeht?“ Die ältere Frau blickt mit sorgenvoller Miene auf die Fils direkt vor ihrer Haustür. Der kleine Fluss ist zu einem reißenden Strom geworden und schleift ganze Baumstämme mit sich. Die Frau wohnt in einer der Wohnzellen für Obdachlose an der Fils in Göppingen. Ein Ort für Gestrandete, denen das Leben übel mitspielte. Und nun auch noch Hochwasser.

Ein junges Paar, das auf der anderen Seite der Fils wohnt, hat sich der sechs Menschen angenommen. Es hatte sich ein Bild von der Lage gemacht und schließlich die Feuerwehr gerufen. „Ich war selbst mal bei der Feuerwehr“, sagt der Mann. Seine Freundin wartet an der Straße, um die Einsatzkräfte herzulotsen. Das Wasser steigt. Binnen Minuten bahnt sich die Fils ihren Weg, frisst Meter um Meter des Gehwegs, der vor den Wohnzellen verläuft. Es ist Samstag, kurz nach 12 Uhr, als die Feuerwehr eintrifft.

Mindestens 500 Sandsäcke

Der stellvertretende Kommandant Sven Wirth muss nicht lange überlegen: „Diese Stelle hat jetzt Priorität eins“, entscheidet er. Sandsäcke sollen her, mindestens 500 werden gebraucht, um die Zimmer der Menschen vor den Fluten zu schützen. Zu diesem Zeitpunkt geht er noch davon aus, dass dieser Schritt reicht, sagt den Bewohnern aber dennoch, dass sie vorsorglich ihre Sachen packen sollen.

Wirth hatte die richtige Vorahnung: Kurz nach 12.30 Uhr teilt Oberbürgermeister Alex Maier mit, dass die Wohnzellen unweit der Filsbrücke geräumt werden müssen. „Die Menschen werden von der Feuerwehr in Gebäude in der Brückenstraße gebracht“, berichtet der Rathauschef, der mit der Feuerwehr im Stadtgebiet unterwegs ist. Niemand weiß zu dieser Zeit, wie sich die Pegelstände weiter entwickeln. „Gegen 18 Uhr wird mit dem Peak gerechnet“, sagt Maier.

„Es war der sicherste Weg, die Zimmer zu evakuieren“, sagt Wirth um 14 Uhr. Sandsäcke als Schutzwall aufzuschichten, von dieser Idee haben die Einsatzkräfte schon wieder Abstand genommen: „Der Pegel ist statisch, daher haben wir die Prioritäten anders gesetzt.“ Kritische Punkte in Faurndau sind die Turnhallenstraße und Rathausstraße. Auf Höhe des Bahnhofstegs in Göppingen droht die Fils über die Ufer zu treten. Kurz nach 14 Uhr laufen laut Sven Wirth 41 Einsätze, allein im Stadtgebiet Göppingen.

In der Ebersbacher Marktstraße ist eine Familie seit halb fünf mit Wasser auspumpen beschäftigt. Vier Leute, sechs Pumpen. Zwei haben die Hausbesitzer, die anderen sind von Nachbarn ausgeliehen. „Wir machen bald mal Frühstückspause“, sagt der Schwager humorvoll. Es ist bald zwölf. Ein ständiger Kampf. Das Grundwasser drückt in den Keller, läuft immer nach. Trotz der Pumpen: „Wir haben gefühlt schon 300 Liter rausgetragen“, sagen die Hausbewohner.

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