Anhaltender Regen, Starkregen, Gewitter: Die Gemeinden im Rems-Murr-Kreis sind in großer Alarmbereitschaft. Auch im Landratsamt Rems-Murr ist man deshalb schon seit einigen Tagen sehr wachsam. „Mit Blick auf die aktuelle Hochwasserlage sind wir bereits seit vergangener Woche im ständigen Austausch mit den Städten und Gemeinden sowie mit den Wasserverbänden an Rems und Murr. Unser Amt für Umweltschutz wertet die Hochwassermeldungen kontinuierlich aus“, heißt es von einer Pressesprecherin. Landrat Richard Sigel beendete aufgrund der angespannten Lage frühzeitig seinen Urlaub und berief zahlreiche Besprechungen ein. Am Sonntagmittag dann wurde aufgrund der Situation im Landratsamt beschlossen, die Maßnahmen in Winterbach zu verschärfen. So wurden laut einer Sprecherin des Landratsamts Vorbereitungen getroffen, um die Rems-Renaturierung zu fluten, damit die Wassermassen sich verteilen können.
In Winterbach plant das Landratsamt, die Brücken innerorts zu sichern
Zudem wurde geplant, innerorts die Brücken zu sichern. Das Landratsamt betonte im Zuge dessen den Ernst der Lage und bat die Bürger, sich vorsichtig zu verhalten. Niemand solle sich wegen Neugierde hinsichtlich der Hochwassersituation in Gefahr begeben. Die Warnung kam nicht ohne Grund: Denn so häufig wie an diesem Wochenende wurde die Rems wohl noch selten fotografiert. So hoch wie nach dem Starkregen der vergangenen Tage war allerdings der Pegel des Flusses auch schon lange nicht mehr. Zahlreiche Spaziergänger, darunter viele Familien mit Kindern, pilgerten trotz des Dauerregens zum Ufer, um einen Blick auf die braune Brühe und die eindrucksvoll vorbeirauschenden Wassermassen zu werfen.
Die Stadt hat die Wege links und rechts der Rems in Waiblingen gesperrt
Die Stadt hatte die Wege links und rechts der Rems und der Remsarme abgesperrt. Unterhalb der Michaelskirche war es besonders eindrucksvoll, wie schnell das Wasser unterwegs war und wie immer wieder in erstaunlichem Tempo neben vielen Ästen auch einzelne Baumstämme vorbei brausten. Ab der Bücke zwischen dem Beinsteiner Tor und der Schwaneninsel stand das Wasser besonders hoch. Der Übergang war allerdings nicht gesperrt, im Gegensatz zu jenem Brückchen zwischen dem Biergarten auf der Schwaneninsel und der Erleninsel. Gitter hielten Neugierige zurück – und dass die Brückengeländer nach innen eingeklappt waren, sah man zuvor auch noch nie.
Für die Bewohner der Häuser direkt am Remsarm unterhalb des Rathauses hatte die Feuerwehr Sandsäcke herbeigeschafft. Trotzdem sorgten Überschwemmungen und volle Keller dafür, dass die Feuerwehr im Dauereinsatz ist. In Waiblingen sind mehrere Bereiche gesperrt, und die Bürger werden dringend gebeten, die Uferbereiche zu meiden und Absperrungen zu beachten. Auch in Schorndorf wird an die Bürger appelliert, gesperrte Abschnitte nicht zu betreten. Mit den Kapazitäten der vier Rückhaltebecken entlang der Rems seien bisher größere Überschwemmungen verhindert worden.
Auch wenn die Lage im Rems-Murr-Kreis im Vergleich zu Landkreisen wie Göppingen oder Biberach bisher noch glimpflich ist, sind in den Gemeinden zahlreiche Helfer sowie Einsatzkräfte auf den Beinen, sie sichern gefährliche Stellen, bleiben wachsam und schauen immer wieder mit bangem Blick in den Himmel. So auch in Sulzbach an der Murr. Michael Heinrich ist froh, dass die Lage beherrschbar ist, bleibt aber misstrauisch. „Wir haben es in Sulzbach bisher im Griff, unsere Schutzmaßnahmen haben sich bewährt, und wir sind beim Pegel nicht über die kritische Marke von drei Metern, aber alles ist in Aufruhr“, sagt der Hauptamtsleiter.
Wegen des Hochwassers gilt seit Samstag in Altdorf, Kaisersbach und Gschwend (Ostalbkreis) ein Gebot zum Abkochen des Trinkwassers. Regenwasser sei in die Versorgung eingedrungen, es käme zu Verunreinigungen. Etwa 100 Haushalte könnten betroffen sein, so ein Sprecher der zuständigen Wasserversorgung. Es wurde eine Ersatzversorgung eingerichtet. Das Abkochgebot gelte die ganze Woche für Trinkwasser und auch für Wasser zum Reinigen oder Zähneputzen.
In allen Gemeinden ist man angesichts der vielen Helfer froh und dankbar
In allen Gemeinden des Kreises ist man froh, dass es so weit funktioniert und die Maßnahmen greifen. Auch in Backnang ist Oberbürgermeister Friedrich dankbar über das Engagement der Helfer. Seit der Nacht laufe ein großer Einsatz in der Theodor-Körner-Straße zur Sicherung von Bäumen im Prallufer, zudem habe das Bad Wonnemar aufgrund der Gefahrenlage geschlossen.
Trotz der angespannten Lage im Kreis sieht die Polizei am Sonntagnachmittag keinen Grund zur Sorge. „Es gibt momentan keine besorgniserregenden Entwicklungen“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Aalen, das für den Rems-Murr-Kreis zuständig ist, auf Nachfrage. Derweil rief der Rems-Murr-Kreis um die Mittagszeit eine außergewöhnliche Lage aus und übernahm vor Ort nun auch zur interkommunalen weiteren Koordination von Informationen die technische Einsatzleitung.