Hochwasser im Westen Unvergesslicher Einsatz für Helfer aus Rems-Murr

  Foto: privat

Nach einem anstrengenden Einsatz sind Mitglieder von Feuerwehr, THW und Rettungsdiensten aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zurückgekehrt.

Rems-Murr: Phillip Weingand (wei)

Rems-Murr-Kreis - Schlamm, Wasser und Straßen, die vor Geröll und Trümmerteilen unpassierbar geworden sind: Den Einsatzkräften aus dem Rems-Murr-Kreis dürften die Eindrücke, die sie in einem zweitägigen Einsatz in den überfluteten Gebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen gesammelt haben, lange im Gedächtnis bleiben.

 

Am Donnerstagabend waren fünf Fahrzeuge und 19 Einsatzkräfte aufgebrochen, um zu helfen. Aus Schorndorf nahmen ein Einsatzleitwagen sowie ein Rüstwagen teil, aus Winterbach kam ein Katastrophenschutzfahrzeug, aus Auenwald ein Gerätewagen und aus Welzheim ein Mannschaftstransportwagen.

Feuerwehr Schorndorf beteiligt sich an Hilfseinsatz

Steffen Heckel von der Feuerwehr Schorndorf war dabei: „So ein Einsatz kommt wirklich nicht oft vor“, sagt er. Von der Alarmierung bis zum Einpacken und Losfahren seien gerade einmal zwei Stunden verstrichen. Nachdem die Feuerwehrleute sich in Backnang getroffen hatten, ging es ab Richtung Nordwesten. Dort angekommen, konnten sie sich nur kurz ausruhen; ab Freitagmorgen galt es, in der 2200-Einwohner-Gemeinde Kordel mit anzupacken.

Dieser Ort war zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten gewesen, die Trinkwasser- und Stromversorgung war unterbrochen. „Als wir ankamen, war der Ortskern noch überflutet“, so Heckel. Nur eine Straße in den Ort sei befahrbar gewesen. Zu tun gab es vieles: Die Helfer aus Rems-Murr pumpten Keller leer, halfen, die Einrichtung eines Kindergartens zu retten, die Straßen zu reinigen und zerstörte Gegenstände abzutransportieren. „Auch die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung vor Ort war riesengroß.“

Noch ein weiterer Helfertrupp aus dem Landkreis war zu einem Einsatz im Kampf gegen das Hochwasser geeilt – dieser trug allerdings nicht Schwarz-Rot, sondern Blau. Das Technische Hilfswerk (THW) Backnang nahm sogar den Luftweg. Der Hubschrauber, mit dem der „Trupp Mobiler Hochwasserpegel“ nach Nordrhein-Westfalen gelangte, war ebenfalls blau, gehörte allerdings dem Bundesgrenzschutz. Vier ehrenamtliche Mitglieder des THW Backnang wurden an der Steinbachtalsperre bei Euskirchen eingesetzt. Der Trupp verfügt über mehrere Messstationen, spezielle Vermessungstechnik, Zubehör und Verbrauchsmaterial sowie entsprechende Software, um den Wasserstand vor Ort zu messen und die Ergebnisse den Einsatzleitungen zur Verfügung zu stellen. Zudem entsandten das Rote Kreuz und die Malteser jeweils einen Krankentransportwagen plus Besatzung.

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Im Rems-Murr-Kreis war die Anteilnahme an dem Einsatz riesig. „Viel Glück und kommt alle wieder gesund zurück“, „Hochachtung für euren Einsatz“ – so und ähnlich lautete der Applaus in den sozialen Medien. Ein Mann aus Backnang fühlt sich an die Überflutung seiner Stadt im Jahr 2011 erinnert – aber: „Gegen das, was wir in RP und NRW sehen, war das bei uns eine Kellerfeuchte.“ Der Landrat des Rems-Murr-Kreises, Richard Sigel, nannte den Einsatz „alles andere als selbstverständlich“. Der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer hat angekündigt, die Einsatzkräfte aus der Stadt als Dank für ihr Engagement in einen Biergarten einzuladen.

Für die Feuerwehr gibt es dort nicht mehr viel zu tun

Bei all dem Lob für den Einsatz der Helfer gibt es aber auch Kritik an der politischen Lenkung des Hilfseinsatzes. Der Tenor: Die Menschen in Kordel hätten rasche Hilfe gebraucht. Steffen Heckel bezweifelt allerdings, dass dies überhaupt deutlich schneller möglich gewesen wäre. „Außerdem muss das Wasser sich ja erst zurückziehen, damit wir die Keller auspumpen können.“

Nach 48 Stunden war der Einsatz für die Helfer aus Rems-Murr beendet. „Feuerwehrtechnisch gab es vor Ort nicht mehr viel zu machen“, so Heckel. Laut dem Landratsamt stehen derzeit keine weiteren Hochwasser-Einsätze an. Trotzdem werden die Bürger der betroffenen Orte wohl noch lange mit den Folgen der Überflutung zu kämpfen haben.

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