Hochwasser in Rheinland-Pfalz Stuttgarter Feuerwehrmänner: „Viele hatten Todesangst“
Die Stuttgarter Feuerwehrmänner Andreas Leffler und Tobias Scharf haben Menschen von Hausdächern geholt. Die Höhenretter schildern ihre Eindrücke aus Ahrweiler.
Die Stuttgarter Feuerwehrmänner Andreas Leffler und Tobias Scharf haben Menschen von Hausdächern geholt. Die Höhenretter schildern ihre Eindrücke aus Ahrweiler.
Stuttgart - Mit jeder geretteten Person verbringt Andreas Leffler nur wenige Sekunden. Doch diese nutzt er, um die Menschen zu beruhigen. „Man fragt, was passiert ist, wie es geht, und dann kommt meistens eine Vorlage, auf die man einsteigen kann“, sagt der Stuttgarter Feuerwehrmann. Der 56-jährige Stuttgarter hat die Spezialausbildung als Höhenretter. Er ist am Freitag mit seinem Kollegen Tobias Scharf unter den ersten Helfern gewesen, die von Baden-Württemberg aus in die Überflutungsgebiete gefahren sind. „Wir konnten Stuttgart früh verlassen und waren dank der guten Organisation schon um 9 Uhr in Ahrweiler“, berichtet Leffler.
Die Arbeit geht quasi im Akkord. In viereinhalb Stunden holen Scharf, Leffler und die Besatzung des Stuttgarter Polizeihubschraubers, mit der sie gemeinsam unterwegs sind, 37 Menschen aus den überfluteten Gebieten. Der Einsatz wird nur durch das Tanken unterbrochen, zu dem der Polizeihubschrauber nach Bonn oder Ahrweiler fliegen musste. Dann geht es weiter: Hier ein Mensch auf dem Dach, dort winkt jemand an der Dachluke, da drüben steht ein Mensch auf dem Balkon. Die Rettung läuft so ab, dass die Feuerwehrleute abgesetzt werden. „Da steht man auf einem Garagendach erst mal im Schlamm“, sagt Leffler. Oder man wird am Boden abgesetzt und bahnt sich den Weg durch das Haus zum Dach, wo die zu rettende Person steht. Auf dem Hausdach werden die Höhenretter nicht abgesetzt. „Die Gefahr ist zu groß, dass Ziegel brechen“, erläutert Leffler.
Dann heißt es die Menschen zu beruhigen, und eventuell auch abzuklären, ob jemand medizinische Hilfe benötigt. Leffler und Scharf sind beide auch ausgebildete Rettungsassistenten. „Viele sprechen von Todesangst“, sagt Leffler.
„Es ist alles dabei, die 94-jährige Oma, die ihre Medikamententasche dabei hat, und die Mutter mit dem eineinhalbjährigen Kind“, sagt Leffler. Die Rettung mit dem Kleinkind im Arm habe ihn besonders berührt. „Das Kind hatte glaube ich weniger Angst als die Mutter, wir haben ihm die Kapuze aufgesetzt, und dann ging es los.“
Die Geretteten werden auf ein dreieckiges Tuch mit Ösen an den Ecken gesetzt, ein Rettungsdreieck, das mit dem Retter zusammen an der Winde des Hubschraubers eingehakt wird. Dann sucht der Hubschrauber den nächsten trockenen Platz am Rand des Tales. „Ob da gerade jemand ist, Angehörige und Helfer, oder nicht, ist zunächst nicht wichtig“, sagt der Fachmann. Die Menschen müssen einfach raus aus dem Gefahrenbereich, dann kommt die weitere Versorgung.
Auch wenn sich die Höhenretter auf die Menschen konzentriert haben, haben sie einen Eindruck vom Ausmaß der Zerstörung bekommen. „Wohnwagen, Bäume und Gebäudeteile schiebt das Wasser vor sich her“, sagt Leffler. Persönliche Gegenstände werden herausgewaschen. „Die Leute haben alles verloren. Manche erzählten, sie hätten die ganze Nacht auf dem Dach verbracht.“ Häuser, die noch stehen, haben armdicke Risse.
Auch bizarre Moment erleben die Retter. Ein Ehepaar war noch mit seinem Hund im Haus. Der Mann wollte nicht ohne den Hund gehen, da wollte die Frau sich auch nicht retten lassen. „Wir können keinen sicheren Transport der Tiere machen“, sagt Leffler. Das Paar blieb mit dem Hund im Haus. „Sie wollten es so, haben die Rettung abgelehnt.“ Also ging es weiter zum nächsten Einsatz.
Immer wieder bekommen die Retter auch Rückmeldungen wie „Ihr seid schon so lange im Einsatz, wie geht es Euch“, berichtet Leffler. Dann denkt er nur: „Ich kann heute Abend wieder heim. Die Menschen hier werden noch jahrelang unter den Folgen des Unwetters leiden.