Überschwemmungen führen immer zu großen Schäden an Gebäuden und Hausrat. Dabei könnten Häuser mit geringem Aufwand geschützt werden.
Worauf sollten Hausbesitzer achten?
„Als Erstes sollte man einen Blick auf die Hochwassergefahrenkarten werfen“, sagt Norbert Gebekken. Der emeritierte Professor der Universität der Bundeswehr in München ist Präsident der Bayerischen Ingenieurskammer-Bau und Sprecher des Forschungszentrums RISK – Risiko, Infrastruktur, Sicherheit und Konflikt. Hochwassergefahrenkarten sind in der Regel online verfügbar. Auf ihnen lässt sich etwa ablesen, wie hoch das Wasser am Standort des Gebäudes bei einem Jahrhunderthochwasser stehen würde. Auf dieser Basis könne man entscheiden, welche Veränderungen am Gebäude nötig sind.
Was sind die wichtigsten Schutzmaßnahmen gegen Hochwasser?
„Für den Schutz vor den Folgen von Starkregen hat der Einbau einer Rückstauklappe höchste Priorität“, sagt Gebekken. Eine solche Klappe verhindert, dass Abwasser aus der Kanalisation bei extremen Niederschlägen in kurzer Zeit über die Hausanschlussleitungen ins Gebäude gedrückt wird. Gegen das Eindringen von Wasser in den Keller bei Überschwemmungen empfiehlt der Experte je nach Gefährdungslage eine Erhöhung der Lichtschächte vor den Kellerfenstern sowie den Einbau wasserdichter Fenster und Türen. Alternativ lässt sich auch ein Hochwasserschott davorsetzen.
Was kostet baulicher Hochwasserschutz?
„Das kommt immer auf die konkrete Situation an“, sagt Gebekken. Bereits mit Beträgen zwischen 2500 und 10 000 Euro sei bei einem Einfamilienhaus aber schon ein recht guter Grundschutz möglich. Die Kosten im Katastrophenfall lägen häufig weit höher.
Worauf sollte man bei Neubauten achten?
Hier gibt es mehr Möglichkeiten als bei der Nachrüstung bestehender Gebäude. So könne man in gefährdeten Gebieten auf einen Keller verzichten oder diesen zumindest als wasserdichte sogenannte weiße Wanne auslegen, sagt Gebbeken. Sinnvoll könne es auch sein, das Gebäude etwas höher zu setzen. Mit Mauern oder Erdwällen lassen sich zudem gefährdete Stellen abschirmen.
Leitungen sollten nur im Obergeschoss verlegt werden. Denn manchmal müssten Keller geflutet werden, um größere Schäden am Haus durch den Auftrieb zu verhindern. Zudem sollten Bauherren in Risikogebieten möglichst auf natürliche Bau- und Dämmstoffe verzichten, die sich mit Wasser vollsaugen und dann anschließend leicht schimmeln.
Sollte an manchen Stellen besser nicht gebaut werden?
„Ich wundere mich, wo manchmal Neubaugebiete ausgewiesen werden“, sagt Gebbeken. Manche Hausbesitzer klagten dann darüber, dass sie keine Versicherung gegen Elementarschäden bekommen – oder nur eine, für die horrende Prämien verlangt werden. „Das ist dann schon ein Alarmzeichen.“ Ein Problem sei auch, dass Gebäude nach einem Hochwasser häufig am selben Standort wieder aufgebaut werden. „Das Teuerste am Bauen sind eben meist die Grundstücke“, so der Experte. Teilweise sei auch die Zahlung von Fördergeldern an die Nutzung des bisherigen Grundstücks gekoppelt. Aus den genannten Gründen sei die Forderung, doch einfach an einer weniger gefährdeten Stelle zu bauen, in der Praxis oft nicht umsetzbar.
Ist den Menschen die Wichtigkeit von Hochwasserschutz bewusst?
„Viele Hausbesitzer haben das nicht auf dem Schirm“, so Gebbeken. Nach großen Hochwasserereignissen wie derzeit in Süddeutschland nehme die Aufmerksamkeit zwar kurzzeitig zu, aber: „Oft setzt schon eine Woche später die Katastrophendemenz ein.“ In anderen Ländern habe der Hochwasserschutz mehr Gewicht.