Klaffenbach ist derzeit das Ziel vieler Politiker-Besuche. Foto: Gottfried Stoppel
Minister von Bund und Land besichtigen das Katastrophengebiet. Manche Anwohner und Helfer kritisieren solche Visiten – andere nutzen sie als Chance, ihre Erlebnisse und Probleme zu schildern.
Prominenter Besuch im Katastrophengebiet: Am Donnerstag haben die Bundesumweltministerin Steffi Lemke und ihre baden-württembergische Amtskollegin Thekla Walker (beide Grüne) den vom Hochwasser schwer getroffenen Rudersberger Teilort Klaffenbach besichtigt. Am selben Nachmittag informierte sich auch der Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) in von der Überschwemmung betroffenen landwirtschaftlichen Betrieben in Rudersberg und Schorndorf.
Hilfe mit dem Scheckbuch – oder lieber mit Sachspenden?
Zumindest der Tross der beiden Ministerinnen, der mit Polizeieskorte, mit Blaulicht und Martinshorn anrückte, wurde in Klaffenbach teils argwöhnisch beäugt. „Wer isch jetzt dees?“, fragte sich ein Anwohner angesichts des Konvois. Eine Frau, die sich an einen Laster gelehnt von den Aufräumarbeiten ausruhte, sagte, ihr werde der Trubel zu viel. „Mir wäre es lieber, wenn sie Gummistiefel anhätten, die auch schon einmal getragen worden sind“, meinte sie verächtlich. Politiker, Medien, einen Unterschied mache sie da nicht. Auch ein Auenwälder aus dem Querdenker-Umfeld rümpfte die Nase angesichts des Besuchs und erzählte, er sammle und verteile gerade Sachspenden. „Politiker kommen halt immer mit dem Scheckbuch – ich helfe den Menschen lieber vor Ort.“
Doch ganz ohne Scheckbuch werde es nicht gehen, erklärte der Rudersberger Bürgermeister Raimon Ahrens: „Der Schaden hat wirklich ein unglaubliches Ausmaß, wir brauchen dringend Unterstützung von Bund und Land“, sagte er zu den beiden Ministerinnen. „Jetzt sind wir noch am Aufräumen – aber schon bald wird das Wiederaufbauen an der Reihe sein.“ Im Gespräch mit unserer Zeitung meinte Lemke, finanzielle Hilfen seien zugesagt. „Da müssen Bund und Länder in die Solidarität gehen.“ Auch die Diskussion um eine verpflichtende Elementarschaden-Versicherung zwischen Bund und Ländern dauere schon viel zu lange.
Am Dienstag hatte bereits die THW-Präsidentin Sabine Lackner Rudersberg besucht, um mit Einsatzkräften und Betroffenen zu sprechen. Die Landesumweltministerin Thekla Walker war am Dienstag schon einmal zusammen mit der Regierungspräsidentin Susanne Bay in Rudersberg gewesen. Auch die Grünen-Bundesvorsitzende Ricarda Lang hat schon Überflutungsgebiete im Rems-Murr-Kreis besichtigt und versprochen, sich für schnelle und unbürokratische Hilfe einzusetzen.
Angesichts der zerstörten Existenzen wird es bei den Politikerbesuchen durchaus emotional. Ein Rudersberger konnte im Gespräch mit den beiden Grünen-Ministerinnen und dem Landrat kaum seine Ruhe bewahren. „Muss denn immer erst so etwas passieren, bevor etwas getan wird“, zürnte er mit Blick auf die Zerstörung. Seiner Meinung nach sei das durch das Hochwasser aus dem nahen Bannwald angeschwemmte Totholz für die Schäden mitverantwortlich.
Manche nutzen die Chance auf ein Gespräch mit den Ministerinnen
Die Helfer sind vier Tage nach der Katastrophe erschöpft. Foto: Gottfried Stoppel
Auch Dieter und Susanne Rube sind der Ansicht, dass angeschwemmtes Holz aus dem Reservat Flussläufe und Brücken verstopft und die Verwüstung begünstigt hat – sie zeigen den Ministerinnen, welche Zerstörungskraft die Baumstämme und das Wasser auf ihrem Pferdehof entfaltet haben. „Ich finde es super, dass wir heute zeigen können, was uns passiert ist“, sagte Susanne Rube. Auch der erzürnte Rudersberger tauschte am Rande des Treffens die Kontaktdaten mit Walkers Büroleiterin aus, um das Problem zu schildern – er und andere Rudersberger hoffen jetzt, dass Worten Taten folgen.