Hochwasserschutz in Weissach Damm im Strudelbachtal wieder auf dem Tisch

Der Starkregen 2021 ließ den Strudelbach über die Ufer treten. Foto: A: Rosar/Fotoagentur-Stuttgart

Zum Hochwasserschutz hatte man in Weissach vor acht Jahren einen Damm geplant. Geworden ist daraus nie etwas. Jetzt will die Gemeinde es erneut angehen.

Leonberg: Sophia Herzog (she)

Bürgermeister Jens Millow sagte es in der jüngsten Sitzung recht deutlich: „Wenn wir eine hochwassersichere Ortsmitte wollen, dann brauchen wir dieses Becken.“ Konkret geht es um ein Hochwasserrückhaltebecken im Strudelbachtal, das künftig dafür sorgen könnte, dass die Weissacher Ortsmitte im Falle eines Extremhochwassers nicht untergeht. Entstehen könnte das, so will es zumindest eine vorläufige Idee der Gemeindeverwaltung, auf Höhe der Strudelbachhalle – das Projekt hat in Weissach allerdings eine Vorgeschichte.

 

Bereits 2015 hatte der Zweckverband Hochwasserschutz Strudelbachtal, dem neben Weissach auch Vaihingen an der Enz, Eberdingen, Ditzingen und der Landkreis Böblingen angehören, einen Damm zwischen Flacht und Weissach vorgeschlagen. In Weissach sorgte dieser Vorschlag für Empörung, Unterschriften wurden gesammelt, Alternativvorschläge ausgearbeitet. Einige Zeit stand am Strudelbach auch ein Holzgebilde das aufzeigen sollte, welche Wucht das Bauwerk, das damals noch mit einer Höhe von sieben Metern geplant wurde, im Landschaftsbild hätte. Bei einer denkwürdigen Sitzung im November 2016 beschloss der Gemeinderat nach langer Diskussion schließlich, einen Damm im Strudelbachtal zu errichten. Fünf Vorschläge wurden ausgearbeitet, die Variante mit dem Standort auf Höhe der Strudelbachhalle priorisiert – ein entsprechender Beschluss vom Zweckverband aber nie eingeholt.

Keine Ablehnung mehr aus dem Gremium?

Kritiker des Vorhabens gab es damals auch reichlich unter den Gemeinderäten. Von dieser Ablehnungshaltung ist im Gremium heute kaum mehr etwas zu spüren, einige Gemeinderäte betonten die Dringlichkeit einer solchen Rückhaltemöglichkeit. Die einstigen Skizzen für einen grünen Wall bei der Strudelbachhalle, mit Verbindung zum Fahrradweg, sollen nun überarbeitet werden. Wegen neuer Daten wird das Rückhaltevolumen dabei etwas steigen. Die Gemeinde hat bereits einen Termin mit dem Zweckverband, bestätigt Bürgermeister Millow auf Nachfrage unserer Zeitung. „Wir sind darauf angewiesen“, betont er die Notwendigkeit des Walls. Bei der Diskussion 2016 habe man den Nutzen eines solchen Hochwasserrückhaltebeckens noch nicht erkannt.

Die Erinnerung an den Starkregen, der 2021 die Ortsmitte unter Wasser gesetzt hatte, mag derweil bei einigen Bürgern noch frisch sein. Die Kommune hat außerdem im vergangenen Jahr ausführlich berechnet, wo in Sachen Hochwasser und Starkregen die neuralgischsten Punkte liegen. Einer davon: Die Leistungsfähigkeit der unterirdischen Kanäle des Strudelbachs reicht, wenn es um das Wasser geht, das aus Richtung Porsche in den Ort hinabfließt, nur bei einem Hochwasserereignis aus, das alle zehn Jahre auftritt. Bei Ereignissen, die alle 50 oder 100 Jahre auftreten, aber wesentlich extremer sind, würde das Regenwasser über die Strudelbachverdolung nicht mehr abfließen können. Mit dem Damm im Strudelbachtal könne man, so erklärt es Millow, aber genug Wasser zurückhalten, damit auch in solchen seltenen Fällen das Regenwasser über die Verdolung sicher abgeleitet wird.

Keine Mauer, sondern grüner Wall

An den Plänen für einen grünen Wall im Tal will die Kommune nun, so scheint es, mit Nachdruck arbeiten. „Es pressiert“, sagte Millow in der Sitzung des Gemeinderats. Beim Starkregen vor einigen Wochen seien die Rückhaltebecken bei Porsche bereits randvoll gewesen. Die Sorge, dass ein Dammbau in Flacht zu vollgelaufenen Kellern führt, müsse man den Menschen nehmen. „Wir werden nicht einen Ortsteil retten, um den anderen in den Abgrund zu schubsen“, sagt er. Um den Hochwasserschutz soll es auch bei einer Informationsveranstaltung am 3. Juli gehen. Die findet, passenderweise, in der Strudelbachhalle statt.

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