Hochwasserschutz in Weissach Kommt der große Damm im Strudelbachtal
Die Weissacher Verwaltung informiert Bürger über die Gefahren von Starkregen. Ein großer Damm im Strudelbachtal hat Befürworter, aber auch Gegner.
Die Weissacher Verwaltung informiert Bürger über die Gefahren von Starkregen. Ein großer Damm im Strudelbachtal hat Befürworter, aber auch Gegner.
Dass in Weissach Hochwasservorsorge dringend nottut, darüber herrscht im Ort weitgehend Einigkeit. Allzu gut ist vielen der Starkregen in Erinnerung, der 2021 die Ortsmitte unter Wasser gesetzt hat. Die Heckengäu-Gemeinde will deshalb nicht nur eine ganze Liste kommunaler Schutzmaßnahmen vorantreiben, sondern wirbt nun auch wieder für ein altes Großprojekt des Zweckverbands Strudelbach, das schon vor zehn Jahren auf der Agenda stand: ein großer Damm zwischen Flacht und Weissach. Am Mittwochabend konnten sich in der Strudelbachhalle Bürger ein Bild vom geplanten Maßnahmenpaket machen. Doch nicht bei allen löste das Gehörte Begeisterung aus.
Mehr als einmal betont Bürgermeister Jens Millow an diesem Abend, dass er den Hochwasserdamm für dringend notwendig hält. „Wir müssen Starkregen und Flusshochwasser zusammendenken“, mahnt er wiederholt an die Adresse der rund 70 Zuhörer, die der Einladung zur Informationsveranstaltung gefolgt sind. Genau zu diesem Zweck wurden in den letzten Monaten die seit langem vorliegenden Hochwassergefahrendaten durch sogenannte Starkregenrisikokarten ergänzt. Hintergrund: 50 Prozent aller Hochwasserschäden gehen auf Starkregenereignisse vor Ort zurück, wie Anne Jakobs vom beauftragten Fachbüro Wald und Corbe betont.
Aus den ermittelten Daten geht nicht nur hervor, welche Straßen in Weissach und Flacht bei Starkregen gefährdet sind, auch einzelne kommunale Gebäude mit einer hohen Überflutungswahrscheinlichkeit wurden identifiziert: Feuerwehr, Bauhof, Rathaus, aber auch die Grundschule Flacht sind demnach hochgradig gefährdet.
Das in der Folge geschnürte Maßnahmenpaket hat es in sich: Insgesamt rund sechs Millionen Euro will Weissach demnach in dezentrale Regenrückhaltebecken und Ableitungen investieren. Der größte Posten: Eine Regenwasserableitungstrasse mit Anschluss an die Strudelbachverdolung im Bereich der Porschestraße für rund 3,6 Millionen Euro. Wobei es sich bei diesen Summen um reine Baukosten handelt. Nicht darin enthalten sind Mittel für Grunderwerb, Ausgleichsmaßnahmen und Planung. Das könnte teuer werden.
Damit jedoch nicht genug: Die unterirdischen Kanäle in Weissach können derzeit nur die Wassermassen eines Starkregen-Hochwassersereignisses abfangen, das statistisch alle zehn Jahre auftritt. Deshalb müsste gleichzeitig der seit langem angedachte große Damm im Strudelbachtal dafür sorgen, dass zu den Wassermassen, die von den Höhen herunter in den Ort schießen, nicht noch weitere aus dem Strudelbachtal hinzukommen. „Der Damm ist deshalb elementar“, betont der Bürgermeister.
Geht es nach Millow, so erfährt man auf Nachfrage, sollte das Staubauwerk im Tal einem 100-jährigen Hochwasser standhalten. Der Zweckverband hält demgegenüber einen Damm für ausreichend, der Schutz vor einem Hochwasser bietet, das alle 50 Jahre eintritt. Alles, was darüber hinaus geht, müsste finanziell die Kommune alleine schultern.
Gleichwohl geht es angesichts der vielen Katastrophenmeldungen vermutlich vielen in Weissach wie Gerhard Mann: Der Alt-Gemeinderat war vor zehn Jahren noch strikt gegen einen großen Wall. Jetzt räumt er ein, ihm sei inzwischen klar, „dass das Hochwasser des Bachs und das Starkregenereignis zusammenkommen“. Der Damm sei deshalb ein „notwendiges Übel“. Doch sicher sei eben auch, betont Mann: „Das Tal wird dadurch verändert.“
Aufgrund des Ortsbildes sehen zwei junge Flachter einen massiven Wall im Tal weiterhin kritisch. „Der Damm ist auf keinen Fall notwendig“, sagt der 27-Jährige, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Er setzt auf viele dezentrale Maßnahmen. Ebenso eine 22-jährige Flachterin: Sie fordert Maßnahmen, damit die Wassermassen an vielen Stellen besser versickern können.