Hochwasserschutz Renningen Damit das Wasser draußen bleibt

Damit der Bauhof zum  Stadion gelangen kann, gibt es eine Stelle in der Blocksatzmauer, die sich öffnen lässt. Im Normalfall ist sie mit einem Metallschieber fest verriegelt und wasserdicht verschlossen. Foto: factum/Bach
Damit der Bauhof zum Stadion gelangen kann, gibt es eine Stelle in der Blocksatzmauer, die sich öffnen lässt. Im Normalfall ist sie mit einem Metallschieber fest verriegelt und wasserdicht verschlossen. Foto: factum/Bach

Die erste Mauer entlang des Rankbachs steht. Das Gesamtprojekt soll bis 2019 fertig sein.

Renningen - Mauern haben ja oft keinen sonderlich guten Ruf. Während sie auf der einen Seite etwas einsperren, wird auf der anderen Seite etwas ausgesperrt. Im Fall des Sportparks in Renningen ist das aber etwas durchaus Positives. Dort wurde als ein Teil der stadtweiten Hochwasserschutzmaßnahmen vor kurzem eine etwa 1,20 Meter hohe und mehr als 400 Meter lange Blocksatzmauer südlich des Geländes fertig gestellt. Die soll im Falle eines Hochwassers das Wasser vom Rankbach draußen halten, damit der Sportpark unversehrt bleibt. Nicht nur der neue Kunstrasen ist damit gesichert, auch das weiter hinten liegende Vereinsdorf, die Reiterhalle und die Stadionhalle.

Wie die anderen, noch ausstehenden Schutzprojekte, ist die Mauer dazu ausgelegt, ein 100-jährliches Hochwasser abzuhalten – also eines von dem Ausmaß, das statistisch gesehen alle 100 Jahre auftritt. Wann die anderen Teilprojekte angegangen werden, steht noch nicht genau fest.

Die Blocksatzmauer führt von der S-Bahn-Brücke am Rankbach entlang, vorbei am Dirtpark bis zum Stadion und noch ein kleines Stück weiter. Wer daran entlang spaziert, wird sich womöglich über die seltsame Unterbrechung auf Höhe des Stadions wundern. Das hat es damit auf sich: Um die Zufahrt zum Rankbachstadion zu gewährleisten, gibt es eine Stelle in der Mauer, die im Normalfall mit einem Metallschieber wasserdicht verschlossen ist, sich aber öffnen lässt. „Wenn die Mitarbeiter des Bauhofs für pflegerische Maßnahmen ins Stadion müssen, ist das darüber möglich“, erklärt Renningens Bürgermeister Wolfgang Faißt. Allerdings besitze nur die Stadt einen Schlüssel, das Öffnen bleibt die absolute Ausnahme. Zu wichtig sei es, dass der Durchgang sonst immer verschlossen ist. Im Falle eines Hochwassers wäre eine durchlässige Stelle in der Mauer fatal.

Weg ist wieder freigegeben

Inzwischen sind der Radweg sowie der übrige Bereich zwischen Sportpark und Rankbach wieder freigegeben. „Das Ergebnis ist sehr schön geworden“, findet Wolfgang Faißt. „Ich habe auch schon entsprechende Rückmeldungen aus der Bevölkerung bekommen.“ Auch die Bestandteile des Weltkulturpfads, die während der Arbeiten zum Teil abgebaut werden mussten, stehen alle wieder an ihrem Platz. „Alles fügt sich dort gut in die Umgebung ein.“

Nach dem Abschluss stehen noch weitere Einzelprojekte auf der Agenda. Zum Beispiel soll das Gebiet Brühl am Friedhof durch Erdwälle und Dämme gesichert werden. Ein Blocksatz mit Granitblöcken wird zur Sessler Mühle führen. Stellenweise wird auch der Rankbach selbst aufgeweitet und von Büschen und Bäumen befreit, die die Strömung behindern können. An verschiedenen Stellen haben Privatleute in der Vergangenheit bereits eigene Ufermauern angelegt, diese sollen im Zuge des Projekts passend ausgebaut werden.

Wann es weitergeht, ist noch offen

Da die Grundstückseigentümer insgesamt in die Planungen involviert sind, werden die einzelnen Vorhaben schrittweise umgesetzt, erklärt Faißt. Wann mit der nächsten Maßnahme begonnen wird und welche das sein wird, darüber könne er aber noch keine Aussage treffen. „Die Gespräche laufen, das wird bestimmt bis in den Herbst gehen.“ Ebenso gibt es noch Gespräche mit den Eigentümern am Maisgraben im Bereich Wilhelmstraße. Dort möchte die Stadt gerne statt eines Erdwalls eine Renaturierung umsetzen, also dem Maisgraben wieder einen natürlichen, kurvenreichen Verlauf geben. Auch hier sei er guter Dinge, was die Verhandlungen betrifft, so der Bürgermeister. „Aber es gibt natürlich noch Fragen, die geklärt werden müssen.“ Zum Beispiel werden die Flächen zum Teil als Pferdekoppel genutzt, wofür erst eine geeignete Ersatzfläche gefunden werden muss.

Dass der Sportpark so viel früher fertig gestellt werden konnte, ist nicht der einzige Unterschied zu den übrigen Projekten: Das Gelände gilt rechtlich zwar als schützenswert – sonst hätte die Stadt gar keine Mauer anlegen dürfen –, da es jedoch nicht um Wohnhäuser geht, gibt es vom Land auch keine Förderung. Die Stadt muss die Kosten demnach selbst tragen. Veranschlagt waren 335 000 Euro, die Abschlussrechnung liegt noch nicht vor. Mit dem Abschluss der Gesamtmaßnahme rechnet die Stadt bis zum Winter 2018/19.




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