Hochzeit im Wahlkampf Özdemirs Trauung hat ein präzises Timing

So sonnig und warm dürfte es bei der Februar-Hochzeit kaum werden. Foto: imago/APress

Wahlkampf-Manöver oder pure Romantik? Das Timing von Cem Özdemirs Hochzeit lässt aufhorchen. Der Einfluss auf die Wahl dürfte aber begrenzt bleiben, meint Redakteurin Annika Grah.

Entscheider/Institutionen: Annika Grah (ang)

Zu glauben, dass dieses Ereignis keine Aufregung erzeugen und vor allem auch geheim bleiben könnte, ist entweder naiv oder auch schon berechnend. Cem Özdemir heiratet seine Partnerin Flavia Zaka – noch im Februar. Die Trauung alleine wäre nicht mehr als eine Randnotiz, die beiden sind schon seit gut zwei Jahren ein Paar. Und Özdemir tritt gern als konservativer Grüner auf. Dass er also als Aspirant auf das Amt des Ministerpräsidenten seine Familienangelegenheiten in Ordnung bringen will, liegt irgendwie nahe. Wäre da nicht der Zeitpunkt.

 

Denn am 8. März 2026 ist Landtagswahl. Und Özdemir würde in dem Zuge gerne Winfried Kretschmann als Ministerpräsident beerben. Der Schluss, dass es sich hier um ein Wahlkampf-Manöver handelt, ist nicht an den Haaren herbeigezogen. Dafür spricht weniger der Fakt, dass der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer das Paar trauen soll. Özdemir und Palmer kennen und schätzen sich seit Langem und Özdemir war seinerseits Trauzeuge bei Finanzminister Danyal Bayaz. Warum aber die Eile mitten im eng getakteten Wahlkampf und bei voraussichtlich unwirtlichem Wetter im Februar? Die entsprechenden Kommentare der politischen Konkurrenz lassen nicht lange auf sich warten.

Und doch: Zu glauben, dass die Ankündigung dieser Hochzeit maßgeblichen Einfluss auf die Landtagswahl haben wird, wäre naiv. Özdemir ist schon jetzt bekannter als jeder andere Spitzenkandidat bei der Landtagswahl. Im Gegensatz zu anderen Wahlkämpfern verzichtet er sogar weitgehend auf Bundesprominenz zur Unterstützung. Weitere Schlagzeilen braucht er nicht. Das Timing mag präzise erscheinen, die Wirkung dürfte begrenzt bleiben.

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