In der Böblinger Stadtkirche können sich Paare am Valentinstag trauen oder segnen lassen – ohne Voranmeldung. Das Angebot kommt an. Manche holen ihre verpasste kirchliche Trauung nach, andere werden überrascht und treten direkt von der Baustelle vor den Altar.
Von der Empore ertönt der Hochzeitsmarsch, während Hildegard und Bernd Strahler durch die Böblinger Stadtkirche zum Altar gehen. Was wie der Beginn einer normalen Trauung klingt, ist etwas besonderes. Denn an diesem Valentinstag können – erstmalig in Böblingen – Paare in der Stadtkirche vorbeikommen und sich ohne Voranmeldung trauen oder segnen lassen.
Hildegard und Bernd Strahler sind das erste Paar am Freitag. Die beiden haben vor 32 Jahren standesamtlich in Böblingen geheiratet. „Aber bei der kirchlichen Trauung kam immer was dazwischen“, sagt Hildegard Strahler. Die Möglichkeit, ohne große Vorbereitung kirchlich zu heiraten, habe ihnen zugesagt und der Termin passte. Hat doch Bernd Strahler Geburtstag. Die kirchliche Hochzeit sei sozusagen sein Geburtstagsgeschenk, sagt seine Frau. Eines, über das sich ihr Mann ganz offensichtlich sehr freut.
Strahlende Gesichter nach der Trauung
Zu Beginn wirken die beiden, die zur Feier ihren engsten Familienkreis mitgebracht haben, noch etwas unsicher, was sie wohl erwartet. Nach der Zeremonie aber strahlen sie. „Es war toll, ich zittere noch ein bisschen“, sagt Hildegard Strahler. Ihr Mann scheint ähnlich zu empfinden. „Es war super, was hier für uns auf die Beine gestellt wurde“, meint er beeindruckt. „Das war eine schöne Erfahrung und hat sehr viel Spaß gemacht“, sagt auch Pfarrer Fabian Maysenhölder, der die beiden getraut hat.
Die Stadtkirche ist festlich geschmückt. /Michael Memmler
Das Innere der Stadtkirche ist festlich geschmückt, auf dem Weg zum Altar durchqueren die Paare einen Bogen aus pastellfarbenen Luftballons. Zum Ein- und später zum Auszug spielt Kantor Eckhart Böhm die Orgel. Eine Hochzeitssängerin singt, aus einem Repertoire von 41 Liedern, das Stück, das sich die Brautpaare wünschen. Und für hungrige Paare und ihre Gäste stehen Suppe, Kaffee und kalte Getränke bereit. Professionelle Fotos als Erinnerung an den Tag werden ebenfalls gemacht. Zahlen müssen die Paare nichts, dürfen aber eine Spende dalassen. Die Pfarrer Maysenhölder, Gerlinde Feine, Beate Kobler und Heidi Hafner wechseln sich mit den Zeremonien ab. Sie sprechen vorab kurz mit den Paaren, um bei der Trauung persönliche Worte zu finden. Um zwölf Uhr geht die Tür auf: Die nächsten sind da. Der Mann sieht nicht nur so aus, als würde er gerade von einer Baustelle kommen, er tut es auch. Dass er in seiner Mittagspause spontan vor den Altar treten würde, wusste er nicht. „Das war meine Überraschung für ihn“, sagt seine Freundin Yvonne Hähnel. Eine Überraschung gegen die Oliver Rex nichts einzuwenden hat. „Ich bin geplättet, aber freue mich riesig“, sagt er lachend. „Sie kommt immer auf so verrückte Ideen.“
Stadtpfarrerin Gerlinde Feine nimmt die beiden in Empfang. „Kommt erst mal an.“ Niemand hat es eilig. Spontan bedeutet in diesem Fall auch: locker, ungezwungen. Da Hähnel und Rex nicht standesamtlich verheiratet sind, handelt es sich bei ihnen streng genommen nicht um eine Trauung im kirchenrechtlichen Sinn, sondern um eine Segnung. Aber sie bekommen die gleiche feierliche Zeremonie wie das Ehepaar Strahler.
„Wenn Menschen etwas feiern wollen, ist es wichtig, dass wir als Kirche auch an diesen Tagen den Segen anbieten“, begründet Feine die Heiratsaktion am Valentinstag, der eher als weltliches Datum der Verliebten, denn als kirchliches bekannt ist. Feines Fazit fällt positiv aus. Acht Paare haben sich angemeldet, zwei weitere kamen spontan vorbei, so der Stand am Nachmittag. „Es ist wichtig, dass wir als Kirche solche Formate ausprobieren“, sagt Maysenhölder. Das die erstmalige keine einmalige Sache bleibt, ist laut Feine durchaus denkbar. „Fürs nächste Mal wüssten wir jetzt schon, wie es abläuft.“