Gertrud kann bald doch noch einen Eisbecher spendieren. Endlich, fast 15 Jahre nach ihrem Versprechen. Dieses hatte sie bei der Hochzeit von Julia und Simon aus Böblingen gegeben. In schriftlicher Form, wohlgemerkt. Den Zettel steckte sie in eine Glaspulle und warf sie beim Schloss Engers, der Party-Location am 10. August 2007, in den Rhein. Ein weit verbreitetes Ritual.
Was die Flaschenpost in all der Zeit seither erlebt hat, wird wohl nie jemand erfahren. Fest steht aber, dass sie am 20. März 2022 von Steffi Diner und ihrem Mann Mark Uhlenbruch bei der Treibholzsuche am Flussufer in Duisburg gefunden wurde. Die beiden Essener fragten sich, ob die auf dem darin enthaltenen Schriftstück notierte Rücksendeadresse wohl noch stimmen würde, und wandten sich an diese Zeitung. Nicht dass die Karte, die doch gerade erst wiederentdeckt worden war, auf dem Postweg als unzustellbar verschütt geht.
Erst skeptisch, dann sehr erfreut
Von unseren Lesern konnte keiner wirklich weiterhelfen. Einige freilich kannten ein Böblinger Ehepaar mit den Vornamen Simon und Julia. Der Nachname allerdings passte leider nicht. Also begaben wir uns selbst auf die Suche. Google kann dein Freund sein, und das Internet vergisst sowieso nie.
So stießen wir auf eine E-Mail-Adresse, verschickten umgehend einen elektronischen Brief. Und siehe da: Einige Tage später flatterte eine Antwort herein. Zunächst verständlicherweise etwas skeptisch, doch nach einigen erklärenden Worten sehr erfreut.
Später Fund der Flaschenpost ist kein Einzelschicksal
„Das ist ja interessant, dass der – in Anführungszeichen – Müll solange im Rhein rumgelegen hat, ohne entdeckt zu werden“, staunte Simon Schöne. Wobei das, wie er einräumt, kein Einzelschicksal ist. „Wir haben damals bestimmt um die 30 Flaschenpost losgeschickt. Vielleicht gerade mal die Hälfte ist zurückgekommen.“
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Deshalb sieht er die Hochzeitstradition heute auch zwiespältig, wie er es selbst ausdrückt. „Es ist natürlich ein schöner Brauch“, nickt er. Es werde jedoch eben auch einiges an Abfall produziert, der unentdeckt durch die Fluten treibt. „Aber damals fanden wir das eine gute Idee.“
Eine Karte kam einst seltsamerweise aus der Schweiz zurück
Eine der von Freunden und Verwandten auf die Reise geschickten Karten – daran erinnert er sich noch besonders gut – wurde einst sogar aus der Schweiz zurückgeschickt. Moment, ist die von Koblenz aus etwa flussaufwärts getrieben? „Und dann noch den Wasserfall nach oben wie die Lachse“, scherzt der 44-Jährige und klärt schließlich auf: „Die Kinder einer Familie hatten das in ihrem Urlaub gefunden und sich dann den Spaß erlaubt, es erst von zu Hause aus zurückzuschicken.“
Demnächst dürfte ihn nun also Post aus Essen erreichen. Nicht in Böblingen wohlgemerkt, denn inzwischen lebt Simon Schöne woanders. Im Badischen. Die Ehe mit Julia ist zwar Geschichte, Kontakt zu ihr und Schwiegermutter Gertrud hat er aber weiterhin. „Und ich esse nach wie vor sehr gerne Eis“, sagt er lachend.
Die beiden Finder bekommen auf jeden Fall eine Antwort
Er ist (nicht nur deshalb) sehr dankbar, dass sich Steffi Diner und Mark Uhlenbruch die Mühe gemacht haben, ihn ausfindig zu machen. Selbstverständlich sei so etwas nämlich nicht. „Wenn die beiden sich bei mir gemeldet haben, schreibe ich ihnen auf jeden Fall zurück“, kündigt er an. Und vielleicht ist dann ja Simon Schöne derjenige, der jemandem einen leckeren Eisbecher verspricht.