Hockey-EM in Antwerpen So will das deutsche Team dem Negativtrend trotzen
Zuletzt enttäuschten die deutschen Feldhockey-Teams auf internationaler Bühne – bei der EM in Antwerpen soll dagegen wieder eine Medaille für die DHB-Männer her.
Zuletzt enttäuschten die deutschen Feldhockey-Teams auf internationaler Bühne – bei der EM in Antwerpen soll dagegen wieder eine Medaille für die DHB-Männer her.
Stuttgart - Europameister 2011 und 2013, noch 2015 EM-Silbermedaillengewinner und 2017 nur noch Vierter. Rein statistisch betrachtet befinden sich die deutschen Hockeymänner seit Jahren in einer Abwärtsspirale, die sich auch in den WM- und Olympia-Ergebnissen widerspiegelt. Da auch die Frauen vor zwei Jahren keine EM-Medaille gewinnen konnten, ging der Deutsche Hockey-Bund 2017 auf europäischer Ebene zum ersten Mal in seiner Geschichte leer aus. Bei den Weltmeisterschaften im Vorjahr landeten beide DHB-Teams auf dem fünften Platz, also waren die Bronzemedaillen bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro die letzten Erfolge für Deutschlands Krummstockkünstler.
Ist das deutsche Hockey von der Weltspitze abgehängt? Männer-Bundestrainer Stefan Kermas will nicht gänzlich widersprechen: „Die Weltspitze ist in den vergangenen Jahren insgesamt enger zusammengerückt“, sagt er, weiß aber auch: „Aktuell gehören wir nicht zu den drei Topteams auf der Welt.“ Sowohl Weltmeister Belgien als auch Europameister Niederlande und Australien schätzt der 40-Jährige derzeit stärker ein als die deutsche Mannschaft. „Die Weltrangliste lügt in diesem Fall nicht“, sagt Kermas. Hier belegen die deutschen Männer den siebten Platz, weil neben den drei Topnationen auch noch Argentinien, Indien und England vor Deutschland rangieren.
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Verstecken will sich der gebürtige Berliner deshalb bei der EM im belgischen Antwerpen aber nicht: „Wir wollen eine Medaille holen“, sagt Kermas. In der Vorrunde bekommt es seine Mannschaft mit Schottland, den Niederlanden und Irland zu tun. Für das Erreichen des Halbfinals muss mindestens der zweite Platz her – in den K.-o.-Spielen entscheiden dann Kleinigkeiten über Sieg oder Niederlage.
So wie im Vorjahr, als die deutschen Männer bei der WM im Viertelfinale gegen Belgien lange gut mitspielten, am Ende aber dem späteren Weltmeister mit 1:2 unterlagen. „Wir haben in der EM-Vorbereitung gegen die Niederlande und Belgien gesehen, dass wir mithalten können, wenn wir an unser Optimum herankommen“, sagt Kermas. Gegen die Niederlande gelang gar ein 3:2-Sieg, gegen Belgien holten das DHB-Team zumindest ein Unentschieden – allerdings wurde gegen beide Teams auch jeweils einmal verloren.
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„Die Tests waren gut und wertvoll, weil wir gesehen haben, in welchen Bereichen wir noch zulegen müssen“, sagt Kermas, der seine Mannschaft seit Dienstag in Antwerpen versammelt hat. Insbesondere an der defensiven Stabilität und an der Effizienz im gegnerischen Kreis wollte er mit seiner Mannschaft bis zum Start an diesem Samstag noch arbeiten.
Woran aber liegt es, dass der einstige Goldkandidat Deutschland nur noch die zweite Geige im Welthockey spielt? „Man darf nicht verkennen, dass alle Teams, die vor uns in der Weltrangliste liegen, unter Profi-Bedingungen leben und arbeiten“, sagt Kapitän Grambusch und bemängelt: „Wir sind leider in manchen Bereich nur semiprofessionell unterwegs.“ So spielen die Niederländer in einer Profiliga, viele belgische Internationale spielen ebenfalls in der stärksten Hockeyliga der Welt, und nahezu alle Nationalspieler können sich ausschließlich auf Hockey konzentrieren, während die deutschen Topspieler alle studieren oder bereits im Berufsalltag angekommen sind. Vor diesem Spagat und dem Entrücken der Weltspitze warnte einst auch Ex-Bundestrainer Markus Weise, ehe sich der zweimalige Olympia-Gold-Macher Ende 2015 in Richtung Deutscher Fußball-Bund verabschiedete.
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Am dualen System will man im DHB allerdings nicht rütteln, lediglich die Rahmenbedingungen für die Topspieler sollen weiter verbessert werden: Mehr Lehrgänge für die Nationalspieler, weniger Belastung im Ligaalltag und eine engere Zusammenarbeit der regionalen Stützpunkte mit den Nationalteams sind erste Ansatzpunkte des Verbandes.
Kurzfristig soll erst mal eine EM-Medaille her, um den Negativtrend der vergangenen Jahre zu stoppen. Lediglich der Europameister qualifiziert sich direkt für die Olympischen Spiele in Tokio, alle anderen müssen im Laufe des Jahres noch an den Qualifikationsturnieren des Weltverbandes teilnehmen. „Natürlich würde ich es großartig finden, Europameister zu werden und gar keine Olympia-Qualifikation spielen zu müssen“, sagt Grambusch. Bundestrainer Kermas betont allerdings: „Wir sind sicher nicht der Favorit in Antwerpen.“ Diese Rolle nehmen Gastgeber Belgien und die Titelverteidiger aus den Niederlanden ein. Dahinter wollen Deutschland, Spanien und England um die Medaillenvergabe mitreden. Aber wie es sich für einen Herausforderer gehört, sagt Kermas auch: „Wir haben vor niemandem Angst und wollen angreifen.“
Eine gute Voraussetzung, den Negativtrend zu durchbrechen.