Der Ölkonzern profitiert vom steigenden Preis des schwarzen Goldes. Aber besteht noch Aufwärtspotenzial?

Korrespondenten: Barbara Schäder (bsa)

Bis zum Angriff Russlands auf die Ukraine galten Ölkonzerne vielen Anlegern als Schmuddelkinder. Nun ist die staatliche Fördergesellschaft Saudi Aramco das wertvollste Unternehmen der Welt: Mit einem Börsenwert von umgerechnet 2,4 Billionen Dollar (2,3 Billionen Euro) löste der Erdölgigant den Technologieriesen Apple ab. Der Aktienkurs des iPhone-Herstellers fiel am Mittwoch bis Handelsschluss in den USA um fünf Prozent, so dass der Börsenwert des Unternehmens unter 2,4 Billionen Dollar rutschte. Am Donnerstag gab der Aktienkurs erneut nach.

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Das ist natürlich eine Momentaufnahme, aber sie spiegelt einen Trend wieder: Während die noch bis zum Jahreswechsel extrem gefragten Technologie-Aktien vom aktuellen Ausverkauf an den Börsen schwer betroffen sind, erleben die wegen des Klimawandels zeitweise schon fast abgeschriebenen Produzenten fossiler Brennstoffe einen regelrechten Aufschwung. Der Branchen-Index MSCI ACWI Energy, der die Kurse der Aktien von Öl- und Gaskonzernen aus aller Welt abbildet, ist seit Jahresbeginn um rund 20 Prozent gestiegen – obwohl es an den Märkten insgesamt bergab ging.

Nutznießer der hohen Energiekosten

Hintergrund ist der starke Anstieg der Öl- und Gaspreise. Ausgelöst wurde er zunächst durch die überraschend schnelle Erholung der Wirtschaft von der Coronakrise. Die hohe Nachfrage stieß auf ein stark reduziertes Angebot. Der Krieg in der Ukraine und die Debatte über russische Energielieferungen trieb die Preise dann weiter in die Höhe.

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Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) glaubt allerdings, dass zumindest beim Ölpreis allmählich das Ende der Fahnenstange erreicht ist – obwohl die EU-Kommission einen Verzicht auf Lieferungen aus Russland vorgeschlagen hat. Wahrscheinlich werde Russland sein Öl künftig mit Rabatt nach China und Indien verkaufen – dafür könnten deren bisherige Lieferanten den Europäern mehr anbieten, meint Schallenberger. „Ich glaube nicht, dass der geplante Boykott den Ölpreis noch weiter nach oben treiben wird.“

LBBW-Experte erwartet 2023 einen Rückgang des Ölpreises

Dagegen spreche auch die Abkühlung der weltweiten Konjunktur, die der Krieg in der Ukraine und die Sanktionen gegen Russland mit sich bringen. „Wenn sich Handel und Wirtschaftswachstum abschwächen, wird eben auch weniger Öl verbraucht.“ Schallenberger erwartet deshalb, dass der Ölpreis von derzeit über 100 Dollar pro Barrel in den nächsten zwölf Monaten Richtung 80 Dollar zurückgeht.

Auf lange Sicht gilt ohnehin, dass die Abhängigkeit der Wirtschaft von fossilen Brennstoffen weiter abnehmen dürfte – schließlich zeigt der Konflikt mit Russland, dass es für eine Energiewende neben dem Klimawandel noch weitere Argumente gibt. „Im Jahr 2030 werden wir möglicherweise darüber reden, dass der weltweite Ölverbrauch seinen Höhepunkt erreicht hat“, meint Schallenberger.

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