Höhere Ausgaben für den Sport Fellbach investiert in neue Sporthalle

Die betagte Gäuäckerhalle in Fellbach muss saniert werden. Deshalb wird eine Interimsstätte nötig. Foto: Nicklas Santelli

Die Planungen für die Drei-Feld-Trainingshalle im Gäuäcker-Areal werden konkret. Eine Vergrößerung bedeutet höhere Kosten. Doch das Geld sei gut angelegt, heißt es.

Dass die Bauverwaltung um Dezernentin Beatrice Soltys das Thema ausgiebig durchleuchtet und offenkundig ihre Hausaufgaben gemacht hat, ließ sich schon an der umfassenden, mehrseitigen Ausarbeitung für die Sitzung des Fellbacher Gemeinderats erkennen. Und die örtlichen Vereine können zufrieden sein: Die neue, große Sporthalle im Gäuäcker-Areal im Osten der Kernstadt nahe der Bühlstraße wird nicht zu der befürchteten Schmalspurlösung. Weil die Halle gar noch ein wenig breiter ausfallen und mit einer Tribünenanlage für knapp 200 Zuschauer ausgestattet werden soll, steigen die geplanten Kosten um 1,1 Millionen auf dann 16,5 Millionen Euro.

 

Mit ihren Untersuchungen reagierte die Stadt auf einen Prüfungsantrag der Freien Wähler/Freien Demokraten (FW/FD) in der Haushaltsdebatte im Frühwinter, ob eine Sporthalle nicht für 12 Millionen Euro möglich wäre. Andernorts käme man mit diesen Ausgaben für ein solches Projekt schließlich auch hin, so sinngemäß die Vorgabe.

Die Mindesttemperatur gibt Grenzen vor

Die Bauabteilung im Rathaus hat sich darauf nach Soltys Angaben „in der Nachbarschaft umgeschaut“ und in den vergangenen Monaten die für Fellbach prognostizierten Gesamtbaukosten mit Referenzprojekten anderer Kommunen verglichen. Konkret inspizierte das Amt für Hochbau und Gebäudemanagement unter Leitung von Ellen Sturm dabei die von den FW/FD genannte, bereits realisierte und etwa fünf Millionen Euro teure Zwei-Feld-Sporthalle in Murrhardt.

Das eindeutige Ergebnis: „Aus der Betrachtung der Referenzprojekte und der wirtschaftlich-politischen Situation scheint eine Realisierung der Drei-Feld-Halle mit 199 Zuschauern für 12 Millionen Euro nicht realistisch.“

Für eine Kosteneinsparung hat das Fachamt zudem die Ausführungsvariante einer Freiluft- beziehungsweise Leichtdachsporthalle untersucht. Grundsätzlich wären dadurch deutlich reduzierte Ausgaben aufgrund minimierter baulicher und technischer Anforderungen möglich. Allerdings, so Sturms Erklärung: „Da die Drei-Feld-Trainingshalle im Gäuäcker-Areal auch für den Sportunterricht genutzt wird, ist dies aufgrund der Vorgabe einer Mindesttemperatur von 17 Grad Celsius – nach Arbeitsstättenrichtline – jedoch nicht zulässig.“

Fazit von Bürgermeisterin Soltys: Die für die neue Fellbacher Halle prognostizierten Kosten liegen im unteren bis mittleren Bereich. „Wir gehören nicht zur oberen Liga, verglichen mit anderen Hallen.“ Es sei allerdings nicht so einfach, in diesen Zeiten zu bauen, da sich die Baukosten in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt hätten.

Auf Anregung der Vereine hat die Verwaltung eine Vergrößerung des Raumvolumens vorgesehen. Statt 45 auf 24 Meter wird die neue Halle die Ausmaße 45 auf 27 Meter haben. Diese Verbreiterung der Trainingshalle um drei Meter sei für die Sportarten Handball, Volleyball und Basketball geeignet und hat nach Einschätzung der Vereinsvorstände „einen deutlichen Mehrwert für die Nutzbarkeit“. Die Erweiterung ermögliche eine maximal flexible Hallennutzung und biete eine bessere Spieltageabwicklung bei paralleler Nutzung.

Sanierungsstau bei Hallen

Da Fellbach sich selbst mit seinen Sportangeboten und den sportlichen Leistungen durchaus als Sportstadt sieht, wird eine Halle dieser Größe allgemein als vernünftig und folgerichtig eingestuft. Denn die derzeit genutzten Hallen sind erheblich in die Jahre gekommen und müssen dringend saniert werden. Die neue Drei-Feld-Schul- und Trainingshalle soll dann als Ausweichquartier dienen, wenn die Gäuäckerhalle I und die Zeppelinsporthalle umgebaut und energetisch ertüchtigt werden müssen – was in den kommenden Jahren erhebliche finanzielle und personelle Ressourcen in Fellbach binden wird. „Zu lange ist hier immer wieder geschoben worden“, hatte Oberbürgermeisterin Gabriele Zull bei der Haushaltseinbringung erklärt. Denn: „Dächer, durch die der Regen eindringt, mangelnde Beleuchtungen oder fehlende technische Ertüchtigungen sind keine Alternative.“

Aktuell wird die Trainingshalle für 199 Zuschauer, also nicht als Versammlungsstätte konzipiert, was stärkere Auflagen zur Folge hätte. Die Halle soll auf dem Gelände zwischen den beiden Gäuäcker-Sporthallen stehen. Da die Halle als Schulsport- und Vereinshalle intensiv genutzt wird, „sollte der Fokus auf eine dauerhafte und robuste Ausstattung gelegt werden“, so die Vorgabe des Hochbauamts.

Zwar ins Auge gefasst, aber noch nicht endgültig entschieden ist der Wunsch der Vereine, während der Sanierungszeit der Sporthallen eine Sondergenehmigung für einzelne Veranstaltungen mit einer erhöhten Kapazität von 500 Zuschauern zu erhalten. „Hierbei geht es in einem ersten Schritt im Wesentlichen um die notwendigen Fluchtwegbreiten und Fluchttüren“, heißt es in den Erläuterungen des Hochbauamts. Die entsprechende Prüfung soll er „in einem nächsten Planungsschritt“ erfolgen.

„Gestartet sind wir mit einer einfachen Trainingshalle, unterwegs ist eine richtige Trainingshalle daraus geworden“, erklärte CDU-Fraktionschef Franz Plappert in der Gemeinderatsdebatte. Sebastian Bürkle (SPD) wies auf „die wichtige Rolle des Sports in Fellbach“ hin. Deshalb sei es absolut richtig, nicht eine schmale Lösung oder „das Nötigste“ anzupeilen , sondern sich für „die etwas größere und teurere Variante“ zu entscheiden. „Bei all der Freude, die Kosten tun weh“, sagte Ralf Holzwarth (FW/FD) und rügte den verspäteten Austausch mit den Vereinen, „da haben wir ein halbes Jahr verschenkt“. Eine Aussage, die der Erste Bürgermeister Johannes Berner umgehend zurückwies: „Es gab einen andauernden, konstruktiven Dialog mit den Vereinen.“

Letztlich fiel das Votum für die neue Trainingshalle einstimmig aus – getreu der von Berner diagnostizierten „schönen Tradition“ in Fellbach, dass Entscheidungen solcher Tragweite „nicht in einer Kampfabstimmung, sondern im Einvernehmen“ entschieden würden.

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