Hörspiel: Stuttgart nach dem Krieg Nazis bei der Stuttgarter Kripo
Von wegen Entnazifizierung: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden wichtige Posten in der Stuttgarter Polizei mit ehemaligen Nazis mit Dreck am Stecken besetzt.
Von wegen Entnazifizierung: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden wichtige Posten in der Stuttgarter Polizei mit ehemaligen Nazis mit Dreck am Stecken besetzt.
Stuttgart - Man weiß es längst: Nach dem Zweiten Weltkrieg bekamen durchaus auch jene wieder gute Posten, die bereits im Nationalsozialismus Karriere gemacht hatten. Auch in Stuttgart saßen bis in die siebziger Jahre hinein Männer in Ämtern, die als überzeugte Nazis galten. Dass das keine bloße Behauptung ist, belegt ein neues Hörspiel, das eindrucksvoll nachzeichnet, wie in der Stuttgarter Kriminalpolizei nach Kriegsende auch Gestapobeamte und NSDAP-Mitglieder wieder eingestellt wurden, obwohl die amerikanische Militärregierung deren „Wiederverwendung in der städtischen Kriminalpolizei“ hatte verhindern wollen.
„15:14“ nennt sich das interaktive Hörspiel des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg, das seit diesem Donnerstag im Internet abgerufen werden kann und interessante Einblicke in die Stuttgarter Geschichte gibt. Das Material zu „15:14“ bilden Biografien von 15 ehemaligen Verfolgten und 14 ehemaligen Verfolgern. Die einen wurden als Widerstandskämpfer verhaftet, die anderen waren Gestapobeamte – und nach 1945 arbeiteten sie nun sozusagen Tür an Tür bei der Stuttgarter Kripo. Dabei hatte doch eigentlich, während die Stuttgarter Innenstadt noch in Trümmern lag, im Hotel Silber in der Dorotheenstraße eine neue Zeit eingeläutet werden sollen, die dann so neu eben doch nicht war. Obwohl die Amerikaner als Besatzungsmacht sogar beim Oberbürgermeister anklopften und bemüht waren, eine Polizeiführung zu installieren, die politisch unverdächtig ist, erzählt das Hörspiel, wie es doch möglich war, dass Mitarbeiter eingestellt wurden, die „Dreck am Stecken“ hatten.
„Hast du dir was vorzuwerfen?“, wird Karl Dobritz in dem Hörspiel von seiner Frau gefragt, die nicht die Gründe für die „Außerdienstsetzung“ ihres Mannes erfährt und nicht verstehen kann, wieso ihr dekorierter Gatte sich nach dem Krieg als Hilfsarbeiter verdingen muss. Sie motiviert ihn, sich doch bei der politischen Polizei zu bewerben für Stellen, die mit „charakterlich einwandfreien jungen Männern“ besetzt werden sollen.
Das Hörspiel „15:14“ ist zwar nur bedingt interaktiv, aber es zeigt Originaldokumente, Schreiben und Fotografien der Beteiligten, außerdem können inszenierte Hörszenen angeklickt werden, bei denen die Personen vorgestellt werden und zugleich erzählt wird, dass das Durchgreifen der Militärregierung von den Stuttgartern nicht nur begeistert aufgenommen wurde. Als man „geeignetes Personal“ suchte, um in „linken Kreisen zu ermitteln“, kamen denn auch jene wieder zum Zuge, die im NS keineswegs nur Mitläufer gewesen waren. Ironie des Schicksals: Männer wie Karl Dobritz übernahmen auch die Leitung der „KZ-Prüfstelle“, die überprüfen sollte, ob ehemalige KZ-Insassen politisch aktiv, asozial oder kriminell waren, weil man die „Widerstandsbewegung von zweifelhaften Elementen“ freihalten wollte.
15:14. Hörspiel abrufbar unter www.15zu14.de