Hof Schmalzried in Horrheim Hochlandrinder als Retter: „Ich brauchte etwas, das mich aus dem Tief rausholt“

, aktualisiert am 04.05.2026 - 13:26 Uhr
Der Bulle „Lenny“ kommt gerne mal zum Schmusen raus, wenn er Dieter Schmalzried sieht. Foto: Simon Granville

Am Hof der Familie Schmalzried lebt auch eine kleine Herde Schottische Hochlandrinder. Die Tiere haben dem Landwirt schon durch schwere Zeiten geholfen.

Für Dieter Schmalzried sind seine Schottischen Hochlandrinder echte Herzenstiere. Die flauschigen Kolosse mit dem dichten Fell und den beeindruckenden Hörnern haben es dem Landwirt aus Vaihingen an der Enz einfach angetan. Mit zwei Kühen hat es begonnen, inzwischen ist daraus eine richtige kleine Herde geworden. Geld lässt sich damit kaum verdienen, die Haltung der Tiere bleibt ein Hobby. Aber eines, das Dieter Schmalzried schon sehr viel zurückgegeben hat.

 

Der Familienbetrieb in Horrheim hat sich über die Jahre sehr verändert. Früher wurden dort noch Milchvieh und Schweine gehalten, 2004 wurde die Tierhaltung komplett aufgegeben, die Familie konzentrierte sich allein auf den Acker- und Weinbau. Erst knappe zehn Jahre später kamen wieder die ersten Tiere an den Hof: Hühner, die sich mithilfe eines mobilen Hühnerstalls viel unter freiem Himmel bewegen können. Inzwischen hat die Familie die Hühnerhaltung noch weiter ausgebaut, die Eier werden über den eigenen Hofladen vermarktet.

„Ich brauchte etwas, das mich aus dem Tief rausholt“

Rinderhaltung war zu der Zeit noch kein Thema. Dann jedoch ereilte Dieter Schmalzried ein gesundheitlicher Rückschlag: „2016 hatte ich einen sehr schweren Bandscheibenvorfall, das hat mich richtig runtergezogen“, erzählt der 59-Jährige. „Ich war am Boden und körperlich komplett ,runtergefahren‘.“ In dieser Phase suchte der Landwirt nach einem Neuanfang. „Ich brauchte etwas, das mich aus diesem Tief wieder rausholt, mit dem ich wieder Freude an der Arbeit und am Betrieb finden kann. Das waren dann die Hochlandrinder.“

Die Tiere haben Dieter Schmalzried schon immer fasziniert, „die Hörner, das Fell, das ruhige Wesen und die Gelassenheit – und wie zutraulich sie sind“. Wie aufs Stichwort kommt Bulle Lenny auch direkt zum Kuscheln vorbei, als der Landwirt die Weide betritt. Bei den langen Hörnern und geschätzt mehr als 750 Kilogramm auf der Waage gar nicht so ungefährlich, aber Dieter Schmalzried weiß, wie er mit dem verschmusten Riesen umgehen muss. „Allein das Gesicht“, schwärmt er mit Blick auf seinen „Großen“.

Dass der an diesem sonnigen Tag überhaupt aus seinem Unterstand gekommen ist, um Dieter Schmalzried zu begrüßen, ist für sich genommen schon ein echter Freundschaftsbeweis. „Temperaturen ab 25 Grad sind für die Tiere schon nicht mehr so angenehm, da bleiben sie lieber im Schatten.“ Lennys Mitbewohner warten daher auch lieber im Kühlen. Nebel und Regen aber, „das ist ihr Element, da fühlen sie sich wohl“. Die Hochlandrinder könnten daher auch problemlos ganzjährig draußen gehalten werden.

Am Karfreitag kam das jüngste Kälbchen zur Welt und ist nach ein paar Wochen noch nicht größer als ein Hund. Foto: Simon Granville

Anfangs gab es nur die beiden Kühe Maya und Flo, später kam Lenny als Zuchtbulle hinzu. Die Nachkommen wurden als Zuchttiere weiterverkauft – auch vor dem Hintergrund, dass die Familie die liebgewonnenen Tiere nicht schlachten wollte. „Der Markt ist inzwischen aber gesättigt“, so Schmalzried. Gerade Bullen würden als Zuchttiere kaum noch nachgefragt.

Inzwischen ist aus dem einstigen Dreiergespann eine kleine Herde von rund zehn Tieren geworden, wobei es aber auch bleiben soll. „Das ist so die Größe, in der es sich noch als Hobby betreiben lässt.“ Fünf Zuchttiere leben dauerhaft am Hof, vom Nachwuchs werden die Kühe später weiterverkauft, die Bullen nach rund drei Jahren geschlachtet, sodass wieder Platz für neuen Nachwuchs ist. Das Fleisch wird ebenfalls direkt am Hof verkauft.

Namen bekommt der Nachwuchs keine. „Sobald sie einen Namen haben, wird es zu schwer, sie abzugeben oder gar zu schlachten“, sagt Dieter Schmalzried, der sehr an seinen Tieren hängt. Wer dem neuen Kälbchen, das erst wenige Wochen alt ist und anfangs noch zugefüttert werden musste, nur einmal in die Augen geschaut hat, kann das leicht nachvollziehen.

Sorgen um die Entwicklung in der Landwirtschaft

Längst ist Dieter Schmalzried wieder im ganz normalen Arbeitsalltag angekommen und ist froh, dass sein Sohn vor einigen Jahren ebenfalls in den Betrieb eingestiegen ist und ihn eines Tages übernehmen will. Trotzdem blickt er mit Sorge auf die derzeitige Entwicklung. Denn auch seine Tochter wäre gerne mit eingestiegen, aber der Hof wirft dafür nicht genug ab. „Ich hätte nie gedacht, dass ein Betrieb unserer Größe nicht ausreicht, dass zwei Familien davon leben können.“ Dass die Rinder kein eigener Geschäftszweig werden würden, war dem Landwirt von Beginn an klar. „Das war auch nie so gedacht, es sollte nur ein Hobby sein, ein Mehrwert für uns und die Kunden.“ Dass aber der Acker- und Weinbau zusammen mit den Hühnern nicht genug für zwei Menschen als Hauptberuf abwerfen würden, „das ist schon traurig“.

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