Hoffenheim entlässt Babbel Babbels Zickzackkurs ist zu Ende

Von Oliver Trust 

Abgang, der dritte: Babbel musste auch wegen seiner Personalpolitik gehen. Als Nachfolger sind Marco Kurz und Hansi Flick im Gespräch.

  Foto: Pressefoto Baumann
  Foto: Pressefoto Baumann

Gestern ist die TSG 1899 Hoffenheim zu ihren Wurzeln zurückgekehrt. Um 19 Uhr begann die ordentliche Mitgliederversammlung in der Gemeindehalle von Hoffenheim an der Sinsheimer Straße unweit des ehemaligen Hauptquartiers des Vereins, der mittlerweile ein Dorf weiter in Zuzenhausen ein ehemaliges Jagdschloss bezog und zu einem modernen Trainings- und Clubzentrum umbaute.

Dort saßen am für die Mannschaft trainingsfreien Tag die zahlreichen Geschäftsführer, der Nachwuchskoordinator Bernhard Peters und der Manager Andreas Müller zusammen, um gegen 16 Uhr das zu verkünden, was nach dem 1:4 gegen Werder Bremen keinen mehr überraschte. Der 40-jährige Cheftrainer Markus Babbel sowie sein Assistent Rainer Widmayer wurden nach zehn Monaten und dem Absturz auf Relegationsplatz 16 trotz eines Vertrages bis 2014 entlassen. „Ich habe mich nach reiflicher Überlegung dazu entschlossen, einen Schnitt zu machen“, sagte Müller, „unsere sportlich zunehmende bedrohliche Situation hat mir keine Wahl gelassen.“

Kramer wird Interimscoach

Vorerst wird der U-23-Coach Frank Kramer die Profimannschaft betreuen und seine Trainerausbildung in Köln unterbrechen. Kramer sitzt am Freitag bei der Partie in Hamburg und dem letzten Vorrundenspiel am 15. Dezember gegen den Meister Borussia Dortmund auf der Hoffenheimer Bank. Als Babbel-Nachfolger werden Kaiserslauterns Ex-Trainer Marco Kurz und der Bundestrainer-Assistent Hansi Flick gehandelt. Der Neue soll zur Winterpause die Chance eines unbelasteten Neuanfangs bekommen und nicht womöglich mit zwei Niederlagen starten. Der scheidende Widmayer ist derweil als Trainer bei den Stuttgarter Kickers im Gespräch.

Gestern drängte die Zeit in Hoffenheim allerdings. Die Botschaft sollte schließlich vor der Mitgliederversammlung verbreitet werden, auch, um die erboste Anhängerschaft zu besänftigen. Die hatte Babbel nach der neunten Saisonniederlage in der Rhein-Neckar-Arena mit spöttischen Plakaten verhöhnt. „Zweite Liga: Babbel sei Dank“ und „Fünf vor zwölf – Babbelei vorbei“ stand da geschrieben. Gellende Pfiffe begleiteten den Abgang des 40-Jährigen aus dem Stadion. Bei der Nachfolgesuche will man nun nichts überstürzen.

Noch am späten Sonntagabend gab es telefonischen Kontakt zum mächtigen Mäzen und Gesellschafter Dietmar Hopp. Entscheider Hopp gab grünes Licht für die Trennung. Babbel scheiterte dabei, den Hoffenheimer Kader umzubauen. Er überwarf sich mit Führungsspielern, seine Einkaufspolitik erwies sich als Fehlschlag. Gleichzeitig rief er die Europa League als Ziel aus. Zudem musste sich Babbel taktische Mängel und einen personellen Zickzackkurs vorhalten lassen. Im Spannungsfeld des einflussreichen Hopp und dessen Beratern, die nicht nur die Einkaufspolitik beeinflussten, wirkte Babbel immer orientierungsloser. Das ging seinen Vorgänger nicht anders. Seit dem Rücktritt von Ralf Rangnick im Januar 2011 verschluckt sich Hoffenheim regelmäßig an den eigenen Strukturen, die auf Hopp ausgerichtet sind. Babbel war Hoffenheims vierter Coach binnen 24 Monaten, sein Übergangsnachfolger Kramer ist schon der fünfte.

Es ist die dritte Trennung in Babbels Karriere

Die dritte Trennung seiner jungen Trainerkarriere ist für Babbel ein herber Rückschlag. Nach zwei Jahren als Assistent beim VfB Stuttgart scheiterte er als Chef in Stuttgart an der Doppelbelastung als er gleichzeitig zum Trainerposten in Schwaben in Köln die Ausbildung zum Fußballlehrer absolvierte und den Kontakt zu seiner Mannschaft verlor. Babbel fehlte nicht nur in der wichtigen Saisonvorbereitung, sondern oft tagelang während der Saison.

Dem Engagement in Stuttgart folgte der Job bei Hertha BSC. Babbel führte den Hauptstadtclub in die Bundesliga, wollte dort seinen Vertrag nicht verlängern. Babbel und Hertha leisteten sich so eine kuriose Trennung Ende Dezember 2011. Babbel wurde beim schmutzigen Abschied vom Hertha-Präsidenten Werner Gegenbauer als Lügenbaron „Münchhausen“ bezeichnet. Doch der Ex-Nationalspieler erklärte seinerseits, die Berliner rechtzeitig von seiner Entscheidung informiert zu haben.