Hoffenheims Fußballerinnen Zeit für neue Ziele

Von Mario Geisenhanslüke 

Hoffenheim im Fußball-Fieber: während die Männer noch den Klassenverbleib in der Bundesliga geschafft haben, feiern die Frauen erstmals den Sprung in die erste Liga. Mit dabei war auch die Rekordnationalspielerin Birgit Prinz.

Die Rekord-Nationalspielerin hat in Hoffenheim nochmal ausgeholfen. Foto: dpa
Die Rekord-Nationalspielerin hat in Hoffenheim nochmal ausgeholfen. Foto: dpa

Hoffenheim - „Erste Liga, Hoffe ist dabei.“ Kurz, knapp und präzise. Damit ist alles gesagt. Die TSG 1899 Hoffenheim spielt in der nächsten Saison in der ersten Liga – und das gleich doppelt. Denn schon bevor der Männerschaft in der Relegation der Griff nach dem letzten Strohhalm gelungen war, hatte die gleichnamige Frauenmannschaft am Sonntag durch ein 3:3-Unentschieden am letzten Spieltag gegen den FC Köln den Aufstieg perfekt gemacht. Während bei den Männern die Erleichterung, das Millionenprojekt nicht vor die Wand gefahren zu haben, Einzug hielt, durften sich die Frauen um ihren Trainer Jürgen Ehrmann feiern: für eine gelungene Saison und einen weiteren Etappensieg.

„Heute wird erst einmal gefeiert. Und morgen und übermorgen auch“, hatte der Coach gesagt. Das hatte sich seine Mannschaft auch verdient nach dem furiosen Saisonfinale, das trotz des großen Interesses von 3050 Zuschauern im Dietmar-Hopp-Stadion im Relegationstrubel zwischen dem benachbarten Sinsheim und Kaiserslautern ein wenig untergegangen war. Dabei haben beide Mannschaften in den 90 Minuten Werbung für den Frauenfußball gemacht.

Last-Minute-Treffer

Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt: Durch einen Last-Minute-Treffer am vorletzten Spieltag in Frankfurt war die Mannschaft von Jürgen Ehrmann mit einem Punkt Vorsprung vor den zweitplatzierten Kölnerinnen in dieses „Endspiel“ gegangen. Die Gäste benötigten also einen Sieg, Hoffenheim reichte ein Unentschieden. Nach 20 Minuten konnte sich Köln nach drei vergebenen Chancen bei der TSG-Angreiferin Susanne Hartel bedanken, nicht schon frühzeitig alle Aufstiegsträume begraben zu müssen. Danach ging es Schlag auf Schlag: Köln ging zweimal in Führung, Hoffenheim drehte die Partie, der Ausgleich in der 90. Minute half den Gästen nicht mehr. „Geil, das hatten wir uns vor der Saison vorgenommen“, jubelte die Außenverteidigerin Anne Rheinheimer.

Wie es weitergehen soll, haben die Hoffenheimer Verantwortlichen bereits weiß auf blau auf den Aufstiegs-T-Shirts festgehalten. „Zeit für neue Ziele“ war dort zu lesen. Denn nach Rang drei im ersten Jahr in der zweiten Liga und der Vizemeisterschaft in der vorherigen Saison ist den Hoffenheimerinnen mit dem Aufstieg in die höchste Spielklasse nun der vorläufige Höhepunkt in der Vereinsgeschichte gelungen.

Heimspiele im Dietmar-Hopp-Stadion

Nun wird für die erste Bundesliga geplant. „In der nächsten Saison müssen wir gegen den Abstieg kämpfen, das wird eine ganz andere Nummer“, sagt Jürgen Ehrmann. Neben der bereits länger bekannten Verpflichtung der talentierten Zwillinge Tamar und Fabienne Dongus vom VfL Sindelfingen hofft der Coach auf „ein oder zwei gestandene Spielerinnen, die im Abstiegskampf helfen können“. Trotzdem will man in Hoffenheim weiter auf die Jugend setzen, am besten auf die eigene. Die Mannschaft soll im Großen und Ganzen so aussehen wie jetzt, sagt der Coach.

Nur die Erfahrung von Birgit Prinz wird wegfallen, die am Sonntag in der Schlussphase zu ihrem vierten Saisoneinsatz gekommen war. Die 34-Jährige hospitierte seit Februar beim Verein im Bereich Sportpsychologie, trainierte regelmäßig mit und kam sporadisch zum Einsatz. Weiter ist sicher, dass keine Heimspiele mehr im Jugendförderzentrum St. Leon-Rot ausgetragen werden dürfen, sondern das Dietmar-Hopp-Stadion wohl endgültig zur Heimspielstätte wird, wo dann der seit ein paar Wochen auch im Frauenfußball aktive Fanclub „Meisterjäger“ für Stimmung sorgen will. Auch wenn der Name wohl noch nicht Programm sein wird. Am besten heißt es auch in der nächsten Saison am Ende wieder: „Erste Liga, Hoffe ist dabei.“