Hofflohmarkt in Stuttgart-West Recyceln im besten Sinne

Von Petra Mostbacher-Dix 

Von der Barbie bis zur Schallplattensammlung: Am Hofflohmarkt haben 190 Teilnehmende Gebrauchtes und gut Erhaltenes aller Art verkauft.

Schnäppchenjäger und Sammler werden beim Hofflohmarkt fündig. Foto: Petra Mostbacher-Dix
Schnäppchenjäger und Sammler werden beim Hofflohmarkt fündig. Foto: Petra Mostbacher-Dix

S-West - Glücklich radelt Moussa die Arndt-straße hinauf. „Ich habe ein Fahrrad bekommen“, ruft der Siebenjährige. Die neunjährige Binta und die zehnjährige Mamefatou lachen. Auf ihren Rollern jagen sie ihm hinterher. Auch ihre zweirädrigen fahrbaren Untersätze sind neu, gleichzeitig gebraucht. Erstanden hat sie ihr Vater in einem der mit Luftballons geschmückten Innenhöfe nahe der Vogelsangstraße für wenige Euro – an diesem Wochenende findet im Stuttgarter Westen der Hofflohmarkt statt. Bei diesem Nachbarschaftsprojekt können Anwohner im eigenen Hof oder Garten Dinge aus ihrem Fundus verkaufen – für eine erschwingliche Teilnahmegebühr von 15 Euro pro Hof. Über 190 Höfe sind zum Saisonstart dabei, zudem die Viertelfavoriten, kleine besondere Läden in der Nachbarschaft. Zwischen Hölderlinplatz und Rotenwaldstraße, Feuersee und Reinsburgstraße bieten sie zwischen zehn und fünfzehn Uhr die ganze Bandbreite dessen an, was Hausrat und Kleiderschränke so zu bieten haben.

Fachsimpeln über Möbel und Musik

Während in einem Hof ein junges Paar über einen Stuhl des Designers Panton diskutiert – „das ist ein Original, kostet im Laden 500 Euro, er ist halt etwas beschädigt“ –, werden in anderen Tiffanylampen und Gläser begutachtet oder über eine enorme Schallplattensammlung gefachsimpelt. Rock ‚n’ Roller und Boogie-Woogie-Pianist Fats Domino lächelt da von einem LP-Cover, die britische Pop- und Soulband The Blow Monkeys von einem anderen. Ein Mitfünfziger betrachtet derweil die legendäre „Bad Influence“-Scheibe der Robert Cray Band interessiert, ein Verkäufer erklärt nebenan einem jungen Vater, welche Art Musik Christopher Cross macht. Viele Familien sind unterwegs, schauen nach gebrauchten Kinderwagen, Babykleidern. Die eine oder andere Mama findet dabei auch etwas für sich selbst. „Schau mal die Plateauschuhe – auch noch meine Größe!“

Verkaufen statt wegwerfen

Wenn etwas Guterhaltenes, das bei einem zuhause rumliegt, bei anderen ein Glücksgefühl auslöst, das freut auch Luna. Mit Mara und Bernhard hat sie Spielsachen, Bücher und Anderes auf ihrem Stand ausgebreitet – zu mehr als humanen Preisen. Die fangen bei weit unter einem Euro an. „Ein Buch, das sonst über zehn Euro kostet, kriegst du hier für einen oder zwei Euro“, sagt Mara und fügt schmunzelnd hinzu: „Wir lassen auch gerne mit uns handeln.“ Die drei sind sich einig: Wie bei Tauschgeschäften ist dies Recyceln im besten Sinne. Damit werde außerdem Müll vermieden. „Gerade war jemand glücklich, dass er bei mir ein Abspielgerät fand, das ich wegen der Anschlüsse nicht mehr nutzen konnte. Er wiederum suchte so etwas“, erzählt Bernhard. „Wir machen schon zum zweiten Mal mit, das Konzept ist gut.“

Zum ersten Mal dabei ist die neunjährige Emma mit ihrer Mutter Catrin. Etwas wehmütig bietet sie ihre Barbies auf einer Decke zum Verkauf an, für ein, zwei Euro das Stück. „Ich spiele damit nicht mehr. Die Meerjungfrauenbarbie ist die teurere, ihre Haare verfärben sich im Wasser“, so Emma. Viel eingenommen haben sie bis zum Nachmittag noch nicht, aber die Frau des Nachbarstands hat eine Barbie reserviert. „Es ist toll, dass so viele am Hofflohmarkt teilnehmen“, meint Catrin. „Aber das bedeutet für uns alle mehr Konkurrenz.“

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