Hoffnung im Stuttgarter Rathaus Pilotprojekt für günstiges Bauen rückt näher

Von Josef Schunder 

Können die gewaltigen Baukosten in Stuttgart gedrückt werden? Die Immobilienbranche und die Stadt Stuttgart wollen es jetzt doch gemeinsam durchspielen. Es ist eine Partnerschaft auf dünnem Eis.

In Stuttgart ist das Bauen besonders teuer. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
In Stuttgart ist das Bauen besonders teuer. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Die Reibereien zwischen Stuttgarts Verwaltungsspitze und der Verband Immobilienwirtschaft Stuttgart (IWS) scheinen beigelegt zu sein. Nun wollen sie sich doch zu einem Pilotprojekt für kostengünstigeres Bauen zusammentun. Ein gut zweistündiges Gespräch hat entsprechende Hoffnung gemacht, wurde dem Unterausschuss Wohnen des Gemeinderats berichtet. Dessen Mitglieder nahmen die Entwicklung mit Befriedigung zur Kenntnis.

Bei dem Projektwill man ausloten, wie weit die Kosten für den Bau von frei finanzierten Wohnungen gedrückt werden können – und ob auch Angehörige der Mittelschicht in Stuttgart noch Bauherren sein können. Das Bauen, der Wohnungskauf und auch das Mieten überfordern nämlich zunehmend auch gut verdienende Menschen.

Der IWS-Vorstandsvorsitzende Marc Bosch versuchte, die in einer früheren Sitzung von der Verwaltung formulierten Bedenken aus der Welt zu räumen, IWS wolle das kostengünstigere Bauen durch Missachtung von gesetzlichen Vorgaben verwirklichen. Gespeist worden war der Verdacht, weil in einem IWS-Papier die Energiesparvorschriften als politischer Preistreiber beim Bauen bezeichnet worden waren. Nun sagte Bosch, bei dem Pilotprojekt gehe es darum, das Bauen unter Beachtung der rechtlichen Vorgaben günstiger zu machen. Man wolle aber schon sehen, wie die Baukosten beeinflusst würden, wenn man mit den energetischen Vorgaben in früheren Jahren bauen würde. Oder wenn man ein Zimmer auch mal kleiner plant, aber mit günstigem Grundriss. Oder wenn man bei der Zahl der Autostellplätze und der Fahrradabstellplätze variiert.

Stadt und IWS wollen nun ein Grundstück suchen

Städtebaubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) skizzierte das Vorhaben so: Man wolle Kostentransparenz schaffen, nicht die gesetzlichen Regeln zur Disposition stellen, aber sich die Baustandards ansehen und so die eigentlichen Baukosten zu beeinflussen versuchen. Die resultierten nicht nur aus Vorschriften. Dafür würden oft auch inflationäre Baupreissteigerungen des Handwerks verantwortlich gemacht, sagte Pätzold in Richtung des CDU-Fraktionsvorsitzenden und Kreishandwerksmeisters Alexander Kotz.

Stadt und IWS wollen nun ein geeignetes, ausreichend großes Grundstück für das Pilotprojekt suchen. Viele Fragen sollen sich gerade bei der praktischen Umsetzung und der Ausschreibung von Arbeiten klären, sagte Bosch. Für ihn ist es höchste Zeit, der Preisentwicklung gegenzusteuern. Sonst laufe man Gefahr, dass die Banken Bauwilligen für die teuren Projekte keine Baukredite mehr gewähren. Der Mangel an Wohnungen sei schon so groß, dass Firmen Schwierigkeiten hätten, neue Mitarbeiter am Standort Stuttgart einzustellen. IWS setze darauf, mit der Stadt besser für ein Umdenken beim Bauen werben zu können als ohne die Stadt. Das Gebäude erstellen werde man vielleicht selbst.

CDU spricht von 180-Grad-Kehrtwende

Vor allem die bürgerlich-konservativen Gruppierungen und die SPD waren sehr angetan von den Aussichten auf ein Pilotprojekt. Die CDU sprach von einer „180-Grad-Kehrtwende“ der Verwaltung. Grund: OB Fritz Kuhn (Grüne) habe zuvor noch signalisiert, der IWS solle ohne Hilfe der Stadt selbst bauen. Doch die für eine „Wohnungsoffensive“ eintretenden Gruppierungen – CDU, SPD, Freie Wähler und FDP – hätten immer mehr „Druck aufgebaut“. Der SPD scheint allerdings das Ziel korrekturbedürftig zu sein, die Mietkosten nur irgendwo unter 14,50 Euro pro Quadratmeter und Monat zu halten. Eher müsste man um zehn Euro ringen. Die Grünen gaben zu bedenken, die eigentliche Herausforderung sei es, nicht nur preiswert zu bauen, sondern gleichzeitig innovativ. Das Gelände müsse nicht unbedingt von der Stadt gestellt werden. Es könnte auch Privatgelände genutzt werden. Die Linke kritisierte, das Projekt gehe an den Bedürfnissen derer vorbei, für die die Stadt Gelder ausgeben müsse.

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