Überfüllte Züge und vergeblich auf dem Bahnsteig wartende Fahrgäste: Vor allem auf der Remsbahn fallen beim Metropol-Express MEX täglich bis zu 2000 Zugkilometer ersatzlos weg.

Rems-Murr: Sascha Schmierer (sas)

Überfüllte Züge, aus dem Fahrplan gestrichene Verbindungen und vergeblich auf dem Bahnsteig wartende Pendler: Die Arbeiten auf der S-Bahn-Stammstrecke in Stuttgart sorgen in diesen Wochen auch bei auf den Regionalverkehr angewiesenen Passagieren für tägliche Frust-Erlebnisse – vor allem bei Menschen aus dem Rems-Murr-Kreis.

 

Wer zu Arbeit, Einkauf oder Freizeit mit der Remsbahn unterwegs ist, muss sich seit Beginn der Sommerferien auf erhebliche Einschränkungen gefasst machen. Nicht viel besser sieht es auf der Murrbahn aus. Regulär mit nur leichten Fahrzeitanpassungen verkehrt beim Metropol-Express nur der MEX 90 von Stuttgart über Backnang in Richtung Crailsheim.

Die Arbeiten am digitalen Knoten haben im Kreis drastische Folgen

Bei den anderen Linien gibt es ein so großes Streichkonzert, dass sich die Zahl der Ausfallkilometer längst in fünfstellige Bereiche aufsummiert hat. Besonders krass ist die Lage beim durchs Remstal rollenden MEX 13. Allein in der ersten Ferienwoche fielen auf dieser Linie täglich bis zu 2000 Ausfallkilometer an. Das geht aus einer Antwort des Stuttgarter Verkehrsministeriums an die beiden Landtagsabgeordneten Siegfried Lorek und Christian Gehring hervor.

Die beiden für den Rems-Murr-Kreis ins Südwest-Parlament gewählten CDU-Politiker hatten wegen der Beschwerden frustrierter Nahverkehrsnutzer beim verantwortlichen Ressort nachgebohrt, wie sich die sommerlichen Arbeiten am digitalen Knoten auf den Regionalverkehr auswirken. Die Antwort ist ernüchternd: Trotz ausgedünnter Fahrpläne waren Kurzzüge im Einsatz, einen Sitzplatz bekamen viele der dicht gedrängt am Bahnsteig wartenden Menschen trotz aller Komfortversprechungen nicht.

CDU: Wer zu spät erfährt, dass Züge überfüllt sind, verliert das Vertrauen

„Hinter den Ausfallkilometern verbergen sich nicht abstrakte Zahlen, sondern ersatzlos gestrichene Zugfahrten. Für die Fahrgäste bedeutet das: Sie standen am Bahnsteig – und der Zug kam schlicht nicht“, schreiben Lorek und Gehring in einer Mitteilung zum sommerlichen Missmanagement im Regionalverkehr. In der Pflicht sehen die beiden CDU-Politiker aber nicht nur den das Eisenbahnverkehrsunternehmen Arverio sowie die DB-Infrastrukturtochter Infrago. Sie üben auch scharfe Kritik am unter grüner Regie geführten Verkehrsministerium des Landes Baden-Württemberg. Das von Winfried Herrmann verantwortete Ressort könne noch nicht mal sagen, ob die vom Land bestellten und bezahlten Züge tatsächlich geliefert und eingesetzt worden seien.

Ein weiteres Versäumnis sehen Lorek und Gehring in der mangelnden Barrierefreiheit vieler Ersatzzüge: „Gerade in den Ferien müssen Familien mit Kinderwagen und Menschen im Rollstuhl mobil sein können. Dass ausgerechnet viele Züge auf der Rems- und Murrbahn nicht barrierefrei waren, ist schlicht unverständlich.“

Eine kurzfristige Besserung sei nicht in Sicht

Darüber hinaus kritisieren die Abgeordneten die unzureichende Information der Fahrgäste: „Viele Menschen im Rems-Murr-Kreis fühlten sich im Nahverkehr im Stich gelassen. Wer erst am Bahnsteig erfährt, dass Züge fehlen oder überfüllt sind, verliert das Vertrauen in die Schiene“, heißt es. Eine Besserung sei kurzfristig nicht in Sicht – auch in den kommenden Jahren werde es durch Bauarbeiten immer wieder zu vergleichbaren Einschränkungen kommen.